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Steuerberatung

Gesetzgebungsverfahren zur ATAD-Umsetzung gestartet

Die Bundesregierung hat am 24.03.2021 den Entwurf des ATAD-Umsetzungsgesetzes in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht. Damit könnte dieses Gesetz, zu dem das BMF seit November 2019 bereits den vierten modifizierten Referentenentwurf vorlegte, noch vor dem Sommer zum Abschluss gebracht werden.

Der Gesetz­ent­wurf bein­hal­tet insb. fol­gende Rege­lun­gen:

Referentenentwurf zur ATAD-Umsetzung © iStock
  • Reform der Hin­zu­rech­nungs­be­steue­rung (unter Bei­be­hal­tung der Nie­d­rig­be­steue­rungs­g­renze von 25 %)
  • Anpas­sung der Rege­lun­gen zur Ent­s­tri­ckungs- und Weg­zugs­be­steue­rung an Art. 5 ATAD
  • Ein­füh­rung von Rege­lun­gen zu hybri­den Gestal­tun­gen und Inkon­gru­en­zen bei der Ansäs­sig­keit

Hin­zu­­­rech­­nungs­­be­­steu­e­rung

Die bes­te­hen­de Hin­zu­­­rech­­nungs­­be­­steu­e­rung soll punk­tu­ell ange­passt wer­den.

Geän­­dert wer­­den soll u. a. das Kri­­te­rium der Beher­r­­schung einer aus­­län­­di­­schen Gesel­l­­schaft. Die­­ses soll kün­f­­tig gesel­l­­schaf­­ter­be­zo­­gen geprüft wer­­den und dabei sowohl unmit­­­tel­­bare als auch mit­­­tel­­bare Betei­­li­­gun­­gen berück­­si­ch­­ti­­gen. So soll eine Beher­r­­schung vor­­­lie­­gen, wenn dem Steu­erpf­­li­ch­­ti­­gen allein oder zusam­­men mit ihm nahe­s­te­hen­­den Per­­so­­nen am Ende des Wir­t­­schafts­­jah­­res der aus­­län­­di­­schen Gesel­l­­schaft mehr als die Hälfte der Stim­m­­rechte oder mehr als die Hälfte der Anteile am Nen­n­­ka­pi­­tal unmit­­­tel­­bar oder mit­­­tel­­bar zuzu­­­rech­­nen sind.

Die Abg­­ren­zung pas­­si­ver Ein­­künfte soll pun­k­­tu­ell modi­­fi­­ziert wer­­den. So sol­­len z. B. Streu­be­­sit­z­­di­vi­­den­­den kün­f­­tig als pas­­sive Ein­­künfte gel­­ten.

Der Moti­v­­test, wonach eine Hin­zu­­­rech­­nung unter­b­­leibt, wenn eine wesen­t­­li­che wir­t­­schaf­t­­li­che Täti­g­keit der aus­­län­­di­­schen Gesel­l­­schaft in ihrem Sit­z­­staat oder Staat der Geschäfts­­­lei­­tung nach­­­ge­wie­­sen wer­­den kann, soll in Spe­­zial­­fäl­­len nicht nur in EU-Fäl­­len, son­­dern auch bei Drit­t­­staa­­ten zum Ein­­satz kom­­men.

Das Mer­k­­mal der nie­d­ri­­gen Besteu­e­rung soll unve­r­än­­dert erfüllt sein, wenn die pas­­si­ven Ein­­künfte der aus­­län­­di­­schen Gesel­l­­schaft einer ertra­g­­steu­er­­li­chen Belas­­tung von unter 25 % unter­­lie­­gen.

Ist eine Hin­zu­­­rech­­nungs­­be­­steu­e­rung wegen Vor­­­lie­­gens der Vor­­aus­­set­zun­­gen vor­­zu­­­neh­­men, sol­­len Gewin­n­aus­­schüt­­tun­­gen der aus­­län­­di­­schen Gesel­l­­schaft kün­f­­tig nicht mehr inn­er­halb eines Zei­traums von sie­­ben Jah­­ren steu­er­f­­rei, son­­dern viel­­mehr direkt als Kür­zungs­­be­­trag zu berück­­si­ch­­ti­­gen sein.

Ent­­s­­tri­­ckung und Weg­­zugs­­be­­steu­e­rung

Die bereits bes­te­hen­­den Rege­­lun­­gen zur Ent­­s­­tri­­ckung bei der gren­z­­über­­sch­­rei­­ten­­den Über­­füh­rung von Wir­t­­schafts­­­gü­­tern sol­­len an die ATAD-Vor­­­ga­­ben ange­passt wer­­den. So soll der Weg­­­fall der Beschrän­kung des inlän­­di­­schen Besteu­e­rungs­­­rechts bei Über­­füh­rung von Wir­t­­schafts­­­gü­­tern ins Inland (sog. Ver­­­stär­kung des inlän­­di­­schen Besteu­e­rungs­­­rechts) kün­f­­tig eine Besteu­e­rung aus­­lö­­sen. Dabei soll es zu einer Ver­­­knüp­­fung der im Rah­­men der aus­­län­­di­­schen Ent­­s­­tri­­ckungs­­be­­steu­e­rung ange­­set­z­­ten Werte mit dem Ansatz der Ein­lage im Inland kom­­men und eine aus­­län­­di­­sche Ent­­s­­tri­­ckungs­­­steuer im Inland ange­­rech­­net wer­­den kön­­nen. Dane­­ben sind Ände­run­­gen an den Regeln zur ratier­­li­chen Zah­­lung der Steuer auf den Ent­­s­­tri­­ckungs­­­ge­winn geplant.

Außer­­dem soll die Weg­­zugs­­be­­steu­e­rung mit diver­­­sen Detai­län­­de­run­­gen an die EuGH-Rech­t­­sp­­re­chung ange­passt wer­­den. So wer­­den u. a. die Vor­­aus­­set­zun­­gen neu defi­­niert, die bei Weg­­zug natür­­li­cher Per­­so­­nen ins Aus­­­land zu einer fik­­ti­ven Ver­­äu­­ße­rungs­­­ge­win­n­be­­steu­e­rung bei Kapi­tal­­ge­­sel­l­­schafts­­be­­tei­­li­­gun­­gen von min­­des­­tens 1 % füh­­ren. Im Fall des Weg­­zugs ins EU-/EWR-Aus­­­land sol­­len die Regeln zur Stun­­dung der Weg­­zugs­­be­­steu­e­rung erhe­b­­lich ver­­­schärft wer­­den und in glei­cher Weise für Drit­t­­staats­­­fälle gel­­ten.

Hybride Gestal­­tun­­gen

Besteu­e­rung­s­in­­kon­­gru­en­­zen, die sich aus der unter­­schie­d­­li­chen steu­er­­li­chen Beur­­tei­­lung hybri­­der Ele­­mente durch die betei­­li­g­­ten Staa­­ten erge­­ben, sol­­len neu­tra­­li­­siert wer­­den. Dazu ist vor­­­ge­­se­hen, den Betrieb­s­aus­­ga­ben­ab­zug u. a. zu ver­­­sa­­gen, wenn Auf­­wen­­dun­­gen in einem Staat abge­­zo­­gen wer­­den kön­­nen, ohne dass die ent­­­sp­­re­chen­­den Erträge im ande­­ren Staat der Besteu­e­rung unter­­lie­­gen.

Hin­weis: Dem Ver­neh­men nach soll das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren noch vor der par­la­men­ta­ri­schen Som­mer­pause abge­sch­los­sen wer­den.

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