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Alleinstehender Arbeitnehmer kann in seinem Elternhaus einen eigenen Hausstand unterhalten

FG Münster 12.3.2014, 6 K 3093/11 E

Als Indiz für den eigenen Hausstand sprechen vor allem die Beteiligung an den Hauskosten und die Übernahme von Reparatur- und Gartenarbeiten durch den Steuerpflichtigen. Eine bauliche Abgeschlossenheit der Räume im Elternhaus ist ebenso wenig erforderlich wie der Abschluss eines Mietvertrages.

Der Sach­ver­halt:
Der sein­er­zeit 27-jäh­rige Klä­ger bewohnte das aus­ge­baute Dach­ge­schoss (ca. 30 qm Wohn­fläche) im Haus sei­ner Mut­ter. Küche und Bade­zim­mer befan­den sich im Erd­ge­schoss. Dem Klä­ger stan­den im Dach­ge­schoss eine Spüle, ein Kühl­schrank, eine Mikro­welle und ein Was­ser­ko­cher zur Ver­fü­gung. Miete zahlt er zwar nicht, betei­ligte sich aber an den Haus­kos­ten und führte Repa­ra­tu­ren am Haus und Gar­ten­ar­bei­ten durch.

Im Streit­jahr 2009 nahm der Klä­ger - unmit­tel­bar nach Been­di­gung sei­nes Stu­di­ums - eine Beschäf­ti­gung auf und mie­tete zu die­sem Zweck eine etwa 45 qm große Woh­nung am Beschäf­ti­gung­s­ort an. Im Hin­blick auf seine Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für den Ver­an­la­gungs­zei­traum 2009 erkannte das Finanz­amt die von ihm gel­tend gemach­ten Kos­ten für eine dop­pelte Haus­halts­füh­rung nicht an, weil er im Haus sei­ner Mut­ter kei­nen eige­nen Haus­stand unter­halte.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage statt.

Die Gründe:
Durch die Auf­nahme sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit und die Anmie­tung einer Woh­nung am Beschäf­ti­gung­s­ort hatte der Klä­ger eine steu­er­lich anzu­er­ken­nende dop­pelte Haus­halts­füh­rung i.S.v. § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 5 EStG begrün­det.

Der Klä­ger hatte das Bad und die Küche zwar gemein­sam mit sei­ner Mut­ter genutzt, jedoch von die­ser unab­hän­gig und eigen­stän­dig i.S. einer "Wohn­ge­mein­schaft". Durch die vor­han­dene Ein­rich­tung des Dach­ge­schos­ses war dort eine gewisse Grund­ver­sor­gung sicher­ge­s­tellt. Eine bau­li­che Abge­sch­los­sen­heit der Räume war ebenso wenig erfor­der­lich wie der Abschluss eines Miet­ver­tra­ges.

Als Indiz für den eige­nen Haus­stand spra­chen vor allem die Betei­li­gung an den Haus­kos­ten und die Über­nahme von Repa­ra­tur- und Gar­ten­ar­bei­ten durch den Klä­ger. Außer­dem war die Woh­nung am Beschäf­ti­gung­s­ort nur unwe­sent­lich grö­ßer als das Dach­ge­schoss im Eltern­haus. Bezo­gen auf das Streit­jahr 2009 war zudem zu berück­sich­ti­gen, dass die Woh­nung am Beschäf­ti­gung­s­ort in den ers­ten Mona­ten nur sehr spär­lich ein­ge­rich­tet war, der Klä­ger das Zim­mer im Eltern­haus jedoch wei­test­ge­hend selbst ein­ge­rich­tet und die Möbel über­wie­gend selbst finan­ziert hatte.

Der Klä­ger war auf­grund der Auf­nahme sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit wirt­schaft­lich unab­hän­gig und ver­mit­telte den Ein­druck, sich bereits von einem Leben "als Kind im eige­nen Eltern­haus abgena­belt" zu haben. Er hatte sein Stu­dium zwar erst zu Beginn des Jah­res 2009 abge­sch­los­sen, war aber nicht mit dem jun­gen Aus­zu­bil­den­den zu ver­g­lei­chen, der nach der Aus­bil­dung wei­ter­hin in sei­nem Eltern­haus wohnt und dort in den Haus­halt ein­ge­g­lie­dert ist.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text des Urteils ist erhält­lich unter www.nrwe.de - Recht­sp­re­chungs­da­ten­bank des Lan­des NRW.

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