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Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer bei nicht nutzbarem "Amtszimmer"

BFH 26.2.2014, VI R 11/12

Ein Arbeitnehmer kann die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten i.H.v. 1.250 € als Werbungskosten in Abzug bringen, wenn für seine berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Ein "anderer Arbeitsplatz" ist nach ständiger BFH-Rechtsprechung grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet ist.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger ist katho­li­scher Pfar­rer. Ihm war die im Ober­ge­schoss des Pfar­r­hofs gele­gene Woh­nung für Wohn­zwe­cke über­las­sen wor­den. In sei­ner Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für das Streit­jahr 2007 machte der Klä­ger u.a. Auf­wen­dun­gen für ein dort gele­ge­nes häus­li­ches Arbeits­zim­mer i.H.v. 635 € als Wer­bungs­kos­ten gel­tend.

Das Finanz­amt lehnte dies mit der Begrün­dung ab, dem Klä­ger habe im Erd­ge­schoss des Pfarr­hau­ses ein Arbeits­zim­mer zur Ver­fü­gung gestan­den. Dem hielt der Klä­ger ent­ge­gen, dass das Amts­zim­mer im Zuge der Pfar­r­ho­f­re­no­vie­rung nicht reno­viert wor­den sei. Das Zim­mer sei von sei­nen Vor­gän­gern nie als Amts­zim­mer genutzt wor­den. Es sei letzt­lich wegen Bau­män­geln als Arbeits­zim­mer nicht nutz­bar und diene ledig­lich als Abs­tell­raum. Es bestehe sogar Gesund­heits­ge­fahr.

Das FG wies die Klage ab. Es war der Ansicht, der Klä­ger habe die Mög­lich­keit gehabt, eines der sons­ti­gen im Erd­ge­schoss des Pfar­r­hofs vor­han­de­nen Zim­mer für sich als Büro ein­zu­rich­ten. Auf die Revi­sion des Klä­gers hob der BFH das Urteil auf und wies die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.

Die Gründe:
Zu Unrecht war das FG davon aus­ge­gan­gen, dass für die beruf­li­che Tätig­keit des Klä­gers ein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung stand.

Ein Arbeit­neh­mer kann die Kos­ten für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer als Wer­bungs­kos­ten i.H.v. 1.250 € als Wer­bungs­kos­ten in Abzug brin­gen, wenn für seine beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht (§ 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 2 u. 3 EStG). Ein "ande­rer Arbeits­platz" ist nach stän­di­ger BFH-Recht­sp­re­chung grund­sätz­lich jeder Arbeits­platz, der zur Erle­di­gung büro­mä­ß­i­ger Arbei­ten geeig­net ist. Er steht aller­dings erst dann zur Ver­fü­gung, wenn der Arbeit­ge­ber dem Arbeit­neh­mer den Arbeits­platz tat­säch­lich zuge­wie­sen hat.

Der Arbeit­neh­mer hat bei der Inan­spruch­nahme und Aus­ge­stal­tung eines "ande­ren Arbeits­plat­zes" das Direk­ti­ons­recht des Arbeit­ge­bers zu beach­ten. Fer­ner ist ein Raum nicht zur Erle­di­gung büro­mä­ß­i­ger Arbei­ten geeig­net, wenn wegen Sanie­rungs­be­darfs Gesund­heits­ge­fahr besteht. Die Frage, ob ein Steu­erpf­lich­ti­ger sei­nen ande­ren Arbeits­platz in dem kon­k­ret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­k­ret erfor­der­li­chen Art und Weise nut­zen kann, betrifft die Tat­sa­chen­fest­stel­lung.

Infol­ge­des­sen muss das FG im wei­te­ren Ver­fah­ren Fest­stel­lun­gen zur Beschaf­fen­heit des Amts­zim­mers tref­fen und inso­weit klä­ren, ob die­ser Raum tat­säch­lich zur Erle­di­gung büro­mä­ß­i­ger Arbei­ten geeig­net ist. Das ist u.a. dann nicht der Fall, wenn, wie der Klä­ger gel­tend macht, wegen Gesund­heits­ge­fähr­dung Sanie­rungs­be­darf besteht. Sollte das FG Fest­stel­lun­gen dahin­ge­hend tref­fen, dass dem Klä­ger nicht nur das sog. Amts­zim­mer, son­dern ein Zim­mer sei­ner Wahl als "ande­rer Arbeits­platz" zur Ver­fü­gung stand, wird es auch auf die Beschaf­fen­heit die­ser Räume ankom­men.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
  • Um direkt zum Voll­text zu gelan­gen, kli­cken Sie bitte hier.
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