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Erhöhung des Gegenstandswerts eines Kindergeldverfahrens um den Jahreswert nach § 52 Abs. 3 GKG

FG Münster 19.2.2014, 4 K 4115/14 Kg (PKH)

Das FG Müns­ter hat sich in die­ser Ent­schei­dung zum Kos­ten­recht mit der Erhöhung des Ge­gen­stands­werts ei­nes Kin­der­geld­ver­fah­rens um den Jah­res­wert nach der ab dem 16.7.2014 gülti­gen Fas­sung des § 52 Abs. 3 GKG be­fasst.

Der Sach­ver­halt:
In der Haupt­sa­che strei­ten die An­trag­stel­le­rin und die Fa­mi­li­en­kasse über die Höhe der für ein Ein­spruchs­ver­fah­ren zu er­stat­ten­den Kos­ten. Die Fa­mi­li­en­kasse lehnte den An­trag der An­trag­stel­le­rin auf Gewährung von Kin­der­geld für die volljährige Toch­ter T zunächst ab Juli 2014 ab, weil die Toch­ter nicht mehr bei der Ar­beits­ver­mitt­lung als ar­beits­su­chend geführt werde. Hier­ge­gen legte die An­trag­stel­le­rin Ein­spruch ein. Die­ser Ein­spruch hatte in der Sa­che Er­folg. Mit Be­scheid von Ok­to­ber 2014 setzte die Fa­mi­li­en­kasse Kin­der­geld für T ab Juli 2014 lau­fend fest. Zu­gleich lehnte sie die Er­stat­tung der Auf­wen­dun­gen des Ein­spruchs­ver­fah­rens ab, weil die für die Ent­schei­dung not­wen­di­gen Un­ter­la­gen erst während des Ein­spruchs­ver­fah­rens ein­ge­reicht wor­den seien.

Ge­gen die Kos­ten­ent­schei­dung legte die An­trag­stel­le­rin Ein­spruch ein, weil der Fa­mi­li­en­kasse alle not­wen­di­gen Un­ter­la­gen be­reits mit dem Kin­der­geld­an­trag über­mit­telt wor­den seien. Auch die­sem Ein­spruch half die Fa­mi­li­en­kasse ab und er­ließ eine po­si­tive Kos­ten­grund­ent­schei­dung. Die An­trag­stel­le­rin be­an­tragte dar­auf­hin die Er­stat­tung von Kos­ten i.H.v. rd. 335 €, die sie nach einem Ge­gen­stands­wert von rd. 2.950 € be­rech­nete. Die Fa­mi­li­en­kasse setzte die zu er­stat­ten­den Kos­ten dem­ge­genüber le­dig­lich auf rd. 148 € fest. Da­bei ging sie von einem Ge­gen­stands­wert i.H.v. 1.000 € aus. Da der Ab­hil­fe­be­scheid eine Re­ge­lung über Kin­der­geld für vier Mo­nate á 184 € treffe, be­trage der Ge­gen­stands­wert le­dig­lich 736 €. Da der Min­dest­streit­wert von 1.000 € un­ter­schrit­ten werde, komme die­ser zum Tra­gen.

Hier­ge­gen legte die An­trag­stel­le­rin Ein­spruch ein, den sie da­mit begründete, dass dem Ge­gen­stands­wert für vier Mo­nate noch ein Jah­res­be­trag nach § 52 Abs. 3 GKG hin­zu­zu­rech­nen sei. Dies er­gebe sich dar­aus, dass der Kin­der­geld­an­trag of­fen­sicht­lich ab­seh­bare Aus­wir­kun­gen auf künf­tige Geld­leis­tun­gen ge­habt habe. Über­dies wies die An­trag­stel­le­rin dar­auf hin, dass der Min­dest­streit­wert nicht 1.000 €, son­dern 1.500 € be­trage. Die Fa­mi­li­en­kasse wies den Ein­spruch als un­begründet zurück. Nach der ab dem 1.8.2013 gel­ten­den Neu­re­ge­lung des GKG sei der Jah­res­be­trag des Kin­der­gel­des nicht mehr hin­zu­zu­rech­nen. Der Min­dest­wert von 1.500 € gelte nach der ausdrück­li­chen Re­ge­lung in § 52 Abs. 4 Nr. 1 GKG für Ver­fah­ren in Kin­der­geld­an­ge­le­gen­hei­ten nicht. Hier­ge­gen er­hob die An­trag­stel­le­rin Klage, für die sie Pro­zess­kos­ten­hilfe be­an­tragt hat.

Das FG gab dem An­trag auf Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hilfe statt.

Die Gründe:
Nach der ge­bo­te­nen sum­ma­ri­schen Prüfung hat die An­trag­stel­le­rin einen An­spruch auf Er­stat­tung von Kos­ten in der be­an­trag­ten Höhe von 335 €.

Der maßgeb­li­che Ge­gen­stands­wert dürfte ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Fa­mi­li­en­kasse 2.950 € be­tra­gen. Gem. § 23 Abs. 1 S. 1 RVG sind für die Be­stim­mung des Ge­gen­stands­werts in ge­richt­li­chen Ver­fah­ren die Vor­schrif­ten des GKG maßgeb­lich. Diese Wert­vor­schrif­ten gel­ten gem. § 23 Abs. 1 S. 3 RVG ent­spre­chend für die Tätig­keit außer­halb ei­nes ge­richt­li­chen Ver­fah­rens, wenn der Ge­gen­stand der Tätig­keit auch Ge­gen­stand ei­nes ge­richt­li­chen Ver­fah­rens sein könnte. Hier­von dürfte bei einem außer­ge­richt­li­chen Vor­ver­fah­ren in Kin­der­geld­an­ge­le­gen­hei­ten aus­zu­ge­hen sein. Für fi­nanz­ge­richt­li­che Ver­fah­ren be­misst sich der Streit­wert nach § 52 GKG. Be­trifft der An­trag eine be­zif­ferte Geld­leis­tung oder einen hier­auf be­zo­ge­nen Ver­wal­tungs­akt, ist gem. § 52 Abs. 3 S. 1 GKG de­ren Höhe maßge­bend.

Hat der An­trag of­fen­sicht­lich ab­seh­bare Aus­wir­kun­gen auf künf­tige Geld­leis­tun­gen oder auf noch zu er­las­sende, auf der­ar­tige Geld­leis­tun­gen be­zo­gene Ver­wal­tungs­akte, ist die Höhe des sich aus Satz 1 er­ge­ben­den Streit­werts um den Be­trag der of­fen­sicht­lich ab­seh­ba­ren zukünf­ti­gen Aus­wir­kun­gen an­zu­he­ben, wo­bei die Summe das Drei­fa­che des Werts nach Satz 1 nicht über­stei­gen darf (§ 52 Abs. 3 S. 2 GKG). Durch Art. 7 Nr. 7 Buchst. a des Ge­set­zes zur Durchführung der Ver­ord­nung (EG) Num­mer 1215/2012 so­wie zur Ände­rung sons­ti­ger Vor­schrif­ten vom 8.7.2014 (Ände­rungs­ge­setz) wurde § 52 Abs. 3 GKG ein S. 3 an­gefügt, der fol­gen­den Wort­laut hat: "In Ver­fah­ren in Kin­der­geld­an­ge­le­gen­hei­ten vor den Ge­rich­ten der Fi­nanz­ge­richts­bar­keit ist § 42 Abs. 1 S. 1 und Abs. 3 ent­spre­chend an­zu­wen­den; an die Stelle des drei­fa­chen Jah­res­be­trags tritt der ein­fa­che Jah­res­be­trag."

Diese Vor­schrift gilt seit dem 16.7.2014, da das Ände­rungs­ge­setz am 15.7.2014 im Bun­des­ge­setz­blatt verkündet wurde (Art. 15 Abs. 2 des Ände­rungs­ge­set­zes), und ist da­mit auf den Streit­fall an­wend­bar. Der Ver­weis auf § 42 Abs. 1 S. 1 GKG führt dazu, dass bei An­sprüchen auf wie­der­keh­rende Leis­tun­gen der ein­fa­che Jah­res­be­trag maßge­bend ist. Da im Streit­fall nicht nur über den Kin­der­geld­an­spruch für die Mo­nate Juli bis Ok­to­ber 2014 ent­schie­den wurde, son­dern darüber hin­aus auch eine lau­fende Kin­der­geld­fest­set­zung be­an­tragt war und er­folgt ist, ist dem Wert nach § 52 Abs. 3 S. 1 GKG (4 Mo­nate * 184 € = 736 €) der ein­fa­che Jah­res­be­trag (12 * 184 € = 2.208 €) nach § 52 Abs. 3 S. 3 i.V.m. § 42 Abs. 1 S. 1 GKG hin­zu­zu­rech­nen. Bei einem Ge­schäfts­wert von 2.944 € beträgt die ein­fa­che Gebühr nach § 13 Abs. 1 S. 3 i.V.m. An­lage 2 RVG 201 € und die 1,3-fa­che Gebühr da­mit rd. 260 €. Zzgl. der Pau­schale für Post und Te­le­kom­mu­ni­ka­tion gem. Nr. 7002 VV RVG (20 €) und der Um­satz­steuer i.H.v. 19 Pro­zent (Nr. 7008 VV RVG) be­tra­gen die zu er­stat­ten­den Kos­ten 335 €.

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