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Eintragung des Zeichens "Golden Balls" als Gemeinschaftsmarke im Hinblick auf die zuvor eingetragene Marke "Ballon d' Or"

EuGH 20.11.2014, C-581/13 P u.a.

Der EuGH hat die Ur­teile des EuG über die Ein­tra­gung des Zei­chens "Gol­den Balls" als Ge­mein­schafts­marke teil­weise auf­ge­ho­ben. Das HABM hat nun er­neut zu prüfen, ob das Zei­chen ein­ge­tra­gen wer­den kann, und hat da­bei die Frage zu berück­sich­ti­gen, ob der ge­ringe Grad der Ähn­lich­keit mit der Marke "Bal­lon d' Or" dafür aus­reicht, dass das Pu­bli­kum ge­dank­lich einen Zu­sam­men­hang zwi­schen den bei­den Zei­chen her­stellt.

Hin­ter­grund:
Nach der Ge­mein­schafts­mar­ken­ver­ord­nung kann eine an­ge­mel­dete Marke nicht ein­ge­tra­gen wer­den, wenn we­gen ih­rer Iden­tität oder Ähn­lich­keit mit ei­ner älte­ren Marke und der von den bei­den Mar­ken be­an­spruch­ten Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen für die Ver­brau­cher die Ge­fahr von Ver­wechs­lun­gen be­steht. Wenn die bei­den Mar­ken iden­ti­sch oder ähn­lich sind, muss außer­dem die Ein­tra­gung der neuen Marke selbst dann ver­wei­gert wer­den, wenn sich die be­trof­fe­nen Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen un­ter­schei­den, so­fern es sich bei der älte­ren Marke um eine in der Union oder in einem Mit­glied­staat be­kannte Marke han­delt und die Be­nut­zung der neuen Marke diese Wert­schätzung ohne recht­fer­ti­gen­den Grund in un­lau­te­rer Weise aus­nut­zen oder be­einträch­ti­gen würde.

Der Sach­ver­halt:
Die bri­ti­sche Ge­sell­schaft Gol­den Balls be­an­tragte im Juni und im Ok­to­ber 2007 beim Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt (HABM) für ver­schie­dene Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen die Ein­tra­gung des Wort­zei­chens Gol­den Balls als Ge­mein­schafts­marke. Die französi­sche Ge­sell­schaft In­tra-Presse, Ver­an­stal­te­rin des Bal­lon d' Or (ei­ner an den bes­ten Fußbal­ler des Jah­res ver­ge­be­nen Aus­zeich­nung), legte Wi­der­spruch ge­gen diese An­mel­dun­gen ein. Die Wi­der­sprüche wa­ren je­weils auf die Ge­mein­schafts­wort­marke Bal­lon d' Or gestützt, die das HABM be­reits im Jahr 2006 für In­tra-Presse ein­ge­tra­gen hatte.

Das HABM gab den Wi­der­sprüchen mit zwei Ent­schei­dun­gen teil­weise statt und trug die Marke Gol­den Balls nur für Wa­ren ein, die sich von den durch die Marke Bal­lon d' Or er­fass­ten Wa­ren un­ter­schei­den. Nach Auf­fas­sung des HABM wei­sen die bei­den Wort­zei­chen zu­min­dest eine starke be­griffli­che Ähn­lich­keit auf, die beim Pu­bli­kum zu Ver­wechs­lun­gen führen könnte, wenn die Zei­chen für ähn­li­che oder iden­ti­sche Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen ver­wen­det würden. Gol­den Balls wen­det sich mit zwei Auf­he­bungs­kla­gen ge­gen diese Ent­schei­dun­gen des HABM. In­tra-Presse hat dem­ge­genüber die Auf­he­bung die­ser Ent­schei­dun­gen be­an­tragt, da das HABM ihre Wi­der­sprüche zu Un­recht teil­weise zurück­ge­wie­sen habe.

Das EuG wies die Kla­gen ab. Die Marke Bal­lon d' Or stehe der Ein­tra­gung des Zei­chens Gol­den Balls als Ge­mein­schafts­marke nicht ent­ge­gen. Die Zei­chen wie­sen nur eine schwa­che be­griffli­che Ähn­lich­keit auf und könn­ten da­her man­gels Ver­wechs­lungs­ge­fahr selbst für iden­ti­sche oder ähn­li­che Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen ein­ge­tra­gen wer­den. Die Rechts­mit­tel von In­tra-Presse hat­ten vor dem EuGH teil­weise Er­folg.

Die Gründe:
Die Rechts­mit­tel hat­ten kei­nen Er­folg, so­weit sie die Ein­tra­gung der Marke Gol­den Balls für Wa­ren be­tref­fen, die mit den von der Marke Bal­lon d' Or er­fass­ten Wa­ren iden­ti­sch oder die­sen ähn­lich sind, da in­so­fern keine Ver­wechs­lungs­ge­fahr vor­liegt. Die Ent­schei­dun­gen des HABM war auf­zu­he­ben, so­weit mit ih­nen die Wi­der­sprüche von In­tra-Presse ge­gen die Ein­tra­gung der Marke Gol­den Balls für an­dere als die von der Marke Bal­lon d' Or er­fass­ten Wa­ren zurück­ge­wie­sen wur­den.

Es be­steht eine schwa­che be­griffli­che Ähn­lich­keit zwi­schen den bei­den ein­an­der ge­genüber­ste­hen­den Zei­chen. Das EuG hätte da­her in Be­zug auf die von der Marke Gol­den Balls er­fass­ten Wa­ren, die sich von den durch die Marke Bal­lon d' Or er­fass­ten un­ter­schei­den, klären müssen, ob der ge­ringe Grad der Ähn­lich­keit auf­grund des Vor­lie­gens an­de­rer maßgeb­li­cher Be­ur­tei­lungs­kri­te­rien (etwa der no­to­ri­schen Be­kannt­heit oder der Wert­schätzung der älte­ren Marke) den­noch dafür aus­reicht, dass das Pu­bli­kum ge­dank­lich einen Zu­sam­men­hang zwi­schen den bei­den Zei­chen her­stellt. Das EuG hat also in­so­fern einen Rechts­feh­ler be­gan­gen, weil es diese Kri­te­rien nicht gewürdigt hat. Folg­lich wa­ren die Ur­teile des EuG auf­zu­he­ben, so­weit mit ih­nen die Auf­he­bungs­anträge von In­tra-Presse zurück­ge­wie­sen wur­den.

Der EuGH konnte selbst in der Sa­che ent­schei­den. Das HABM hätte, da die Wi­der­sprüche von In­tra-Presse auch an­dere als sie von Gol­den Balls be­an­spruch­ten Wa­ren be­tref­fen, prüfen müssen, ob die Marke Bal­lon d' Or in der Union oder einem Mit­glied­staat be­kannt ist und ob diese Wert­schätzung durch die Ein­tra­gung der neuen Marke be­einträch­tigt wer­den kann, weil das Pu­bli­kum mögli­cher­weise ge­dank­lich einen Zu­sam­men­hang zwi­schen den bei­den Zei­chen her­stellt. Diese Prüfung hat das HABM je­doch un­ter­las­sen und so­mit die Wi­der­sprüche von In­tra-Presse nicht vollständig geprüft.

Da­her war auch die Ent­schei­dun­gen des HABM auf­zu­he­ben, so­weit mit ih­nen die Wi­der­sprüche von In­tra-Presse ge­gen die Ein­tra­gung der Marke Gol­den Balls für an­dere als die von der Marke Bal­lon d' Or er­fass­ten Wa­ren zurück­ge­wie­sen wur­den. Das HABM wird nun er­neut zu prüfen ha­ben, ob das Zei­chen ein­ge­tra­gen wer­den kann. Es hat da­bei die Frage zu berück­sich­ti­gen, ob der ge­ringe Grad der Ähn­lich­keit mit der Marke "Bal­lon d' Or" dafür aus­reicht, dass das Pu­bli­kum ge­dank­lich einen Zu­sam­men­hang zwi­schen den bei­den Zei­chen her­stellt.

Link­hin­weis:

Für die auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lichte Pres­se­mit­tei­lung mit wei­terführen­dem Link zum eng­lisch­spra­chi­gen Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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