de en
Nexia Ebner Stolz

Rechtsberatung

MI PAD kann nicht als Unionsmarke eingetragen werden

EuG 5.12.2017, T-893/16

Apple hat sich mit Er­folg ge­gen die Ein­tra­gung von "MI PAD" als Uni­ons­marke für elek­tro­ni­sche Geräte und Dienst­leis­tun­gen in der (Tele-)Kom­mu­ni­ka­tion zur Wehr ge­setzt. Das Zei­chen MI PAD kann nicht als Uni­ons­marke ein­ge­tra­gen wer­den.

Der Sach­ver­halt:
Das kla­gende chi­ne­si­sche auf Elek­tro­nik und Mo­bil­funk­geräte spe­zia­li­sierte Un­ter­neh­men Xiaomi mel­dete 2014 beim Amt der Eu­ropäischen Union für geis­ti­ges Ei­gen­tum (EU­IPO) das Wort­zei­chen MI PAD als Uni­ons­marke für elek­tro­ni­sche Geräte und Dienst­leis­tun­gen in der (Tele-)Kom­mu­ni­ka­tion an. Als In­ha­ber der älte­ren Marke IPAD, die für iden­ti­sche oder ähn­li­che Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen ein­ge­tra­gen ist, legte Apple Wi­der­spruch ge­gen die Ein­tra­gung des Zei­chens ein.

2016 gab das EU­IPO dem Wi­der­spruch von Apple mit der Begründung statt, dass die Zei­chen einen er­heb­li­chen Grad an Ähn­lich­keit auf­wie­sen. Die Un­ter­schiede, die zwi­schen ih­nen bestünden, reich­ten nicht aus, um eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr aus­zu­schließen. Die maßgeb­li­chen Ver­kehrs­kreise würden die Marke MI PAD für eine Ab­wand­lung der Marke IPAD hal­ten. Die Kläge­rin er­hob dar­auf­hin Klage auf Auf­he­bung der Ent­schei­dung des EU­IPO.

Das EuG wies die Klage ab. Ge­gen die Ent­schei­dung kann in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung ein auf Rechts­fra­gen be­schränk­tes Rechts­mit­tel beim EuGH ein­ge­legt wer­den.

Die Gründe:
Das Zei­chen MI PAD kann nicht als Uni­ons­marke ein­ge­tra­gen wer­den.

Die Fest­stel­lun­gen des EU­IPO zum Ver­gleich der Zei­chen sind nicht zu be­an­stan­den. Diese wei­sen hin­sicht­lich des Schrift­bilds einen ho­hen Grad an Ähn­lich­keit auf. IPAD ist vollständig in MI PAD ent­hal­ten, die Zei­chen ha­ben die Buch­sta­ben­folge "ipad" ge­mein und sie un­ter­schei­den sich le­dig­lich durch den zusätz­li­chen Buch­sta­ben "m" am An­fang von MI PAD. In klang­li­cher Hin­sicht wei­sen die Zei­chen für das eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum einen mitt­le­ren und für das nicht eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum einen ho­hen Grad an Ähn­lich­keit auf. Denn das eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum würde das Präfix "mi" wahr­schein­lich als das eng­li­sche Pos­ses­siv­pro­no­men "my" auf­fas­sen und das "i" in MI PAD des­halb ge­nauso aus­spre­chen wie das in IPAD. Das nicht eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum würde das "i" in MI PAD und IPAD wohl gleich aus­spre­chen.

In be­griff­li­cher Hin­sicht wei­sen die bei­den Zei­chen für das eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum einen mitt­le­ren und für das nicht eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum einen neu­tra­len Grad an Ähn­lich­keit auf. Den ge­mein­sa­men Be­stand­teil "pad" würde das eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum nämlich als Ta­blet-PC ver­ste­hen, die Be­stand­teile "mi" und "i" hin­ge­gen als Präfixe, die den ge­mein­sa­men Be­stand­teil "pad" kenn­zeich­nen, ohne des­sen se­man­ti­sche Be­deu­tung we­sent­lich zu verändern. Für das nicht eng­lisch­spra­chige Pu­bli­kum hin­ge­gen hätte der ge­mein­same Be­stand­teil "pad" über­haupt keine Be­deu­tung, so dass die bei­den Zei­chen in ih­rer Ge­samt­heit für die­sen Teil des Pu­bli­kums keine be­stimmte se­man­ti­sche Be­deu­tung ha­ben.

Das EU­IPO hat an­hand die­ses Ver­gleichs der bei­den Zei­chen und we­gen der Iden­tität oder Ähn­lich­keit der durch sie er­fass­ten Wa­ren oder Dienst­leis­tun­gen zu Recht fest­ge­stellt, dass für das Pu­bli­kum die Ge­fahr von Ver­wechs­lun­gen be­steht. Wie das EU­IPO ist das EuG der Auf­fas­sung, dass der Un­ter­schied, der zwi­schen den Zei­chen we­gen des zusätz­li­chen Buch­sta­bens am An­fang von MI PAD be­steht, nicht aus­reicht, um den ho­hen Grad an schrift­bild­li­cher und klang­li­cher Ähn­lich­keit aus­zu­glei­chen. Das Pu­bli­kum würde an­neh­men, dass die Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen von dem­sel­ben Un­ter­neh­men (bzw. von wirt­schaft­lich ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men) stam­men, und die an­ge­mel­dete Marke MI PAD für eine Ab­wand­lung der älte­ren Marke IPAD hal­ten.

Link­hin­weis:

Für die auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lichte Pres­se­mit­tei­lung kli­cken Sie bitte hier.

nach oben