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Besondere Ausgleichsregelung für stromkosten- und handelsintensive Unternehmen verabschiedet

Nach­dem die EU-Kom­mis­sion in der Dis­kus­sion um die EU-Rechts­kon­for­mität von Be­frei­un­gen strom­in­ten­si­ver Un­ter­neh­men von der Um­lage nach dem Er­neu­er­bare-En­er­gien-Ge­setz (EEG) ein­lenkte, legte die Bun­des­re­gie­rung am 7.5.2014 den Ge­setz­ent­wurf zu ei­ner Be­son­de­ren Aus­gleichs­re­ge­lung vor, der am 27.6.2014 im Rah­men des re­for­mier­ten EEG 2014 vom Bun­des­tag ver­ab­schie­det und am 11.7.2014 durch den Bun­des­rat ge­bil­ligt wurde.

Zum re­for­mier­ten Er­neu­er­bare-En­er­gien-Ge­setz steht Ih­nen auch eine Bro­schüre zur Verfügung:

Die EU-Kom­mis­sion hatte zum Jah­res­wech­sel eine Prüfung ein­ge­lei­tet, ob die (Teil-) Be­frei­un­gen strom­in­ten­si­ver Be­triebe von der Um­lage nach dem Er­neu­er­bare-En­er­gien-Ge­setz (EEG-Um­lage) ge­gen EU-Bei­hil­fe­vor­schrif­ten ver­stoßen (vgl. no­vus Ja­nuar/Fe­bruar 2014, S. 18). Zwi­schen­zeit­lich konnte die Bun­des­re­gie­rung auf EU-Ebene einen Kon­sens er­zie­len, wo­nach Staa­ten be­stimm­ten Bran­chen Ra­batte bei der EEG-Um­lage einräumen dürfen.

In den am 9.4.2014 von der EU-Kom­mis­sion ver­ab­schie­de­ten Eu­ropäischen Um­welt- und En­er­gie­bei­hil­fe­leit­li­nien (EEAG), die sich der­zeit noch in der for­ma­len Um­set­zung be­fin­den, sind prin­zi­pi­ell Be­frei­un­gen vor­ge­se­hen, wie sie in Deutsch­land bei der EEG-Um­lage be­reits gewährt wer­den.

Um die Kon­for­mität der am 8.4.2014 von der Bun­des­re­gie­rung be­schlos­se­nen Re­form des EEG (EEG 2014) mit den EEAG si­cher zu stel­len, hat die Bun­des­re­gie­rung in ih­rer Sit­zung am 7.5.2014 dem „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Re­form der Be­son­de­ren Aus­gleichs­re­ge­lung für strom­kos­ten- und han­dels­in­ten­sive Un­ter­neh­men“ zu­ge­stimmt, der an­schließend am 2.6.2014 mit der EEG-No­velle zu einem Ge­setz zu­sam­men­geführt wurde. Die­ses am 27.6.2014 im Bun­des­tag ver­ab­schie­dete EEG 2014 re­gelt nun­mehr auch die bis­lang nicht ent­hal­te­nen Be­stim­mun­gen zur teil­wei­sen Be­frei­ung strom­kos­ten- und han­dels­in­ten­si­ver Un­ter­neh­men in Form der Be­son­de­ren Aus­gleichs­re­ge­lung.

Da nun auch der Bun­des­rat am 11.7.2014 das EEG 2014 bil­ligte und die No­ti­fi­zie­rung durch die EU-Kom­mis­sion am 23.7.2014 er­folgte, kann die­ses am 1.8.2014 in Kraft tre­ten. Die Neu­re­ge­lung zur Be­son­de­ren Aus­gleichs­re­ge­lung soll im In­ter­esse der Rechts­si­cher­heit be­reits für das An­trags­jahr 2014 für die Be­gren­zung in 2015 vor­sorg­lich an­zu­wen­den sein.

Hinweis

Zur Er­leich­te­rung der Sys­tem­um­stel­lung wird die An­trags­frist ein­ma­lig im Jahr 2014 vom 30.6.2014 auf den 30.9.2014 verlängert. Diese Verlänge­rung ist je­doch ent­spre­chend dem von Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trolle (BAFA) am 9.5.2014 bzw. am 27.5.2014 her­aus­ge­ge­be­nen Hin­wei­sen eine Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung und mit der For­de­rung ver­bun­den, die An­trag­stel­lung im Jahr 2014 nur noch nach dem EEG 2014 durch­zuführen. An­trag­stel­lun­gen nach dem EEG 2012 wird das BAFA nicht prüfen, son­dern sie nach dem In­kraft­tre­ten des EEG 2014 als nicht aus­rei­chend be­wer­ten und neue Wirt­schaftsprüfer­be­schei­ni­gun­gen bzw. Bestäti­gun­gen nach den An­for­de­run­gen des EEG 2014 ver­lan­gen und de­ren Ein­rei­chung bis zum 30.9.2014 for­dern.

Das re­for­mierte EEG 2014 sieht zunächst vor, dass wie bis­her grundsätz­lich nur sol­che Un­ter­neh­men an­trags­be­rech­tigt sind, die für das vor­an­ge­gan­gene Ge­schäfts­jahr einen Strom­ver­brauch von min­des­tens ei­ner Gi­ga­watt­stunde nach­wei­sen können.

Neu ge­re­gelt wird der Kreis der An­trags­be­rech­tig­ten. Während das EEG 2012 die An­trag­stel­lung auf Un­ter­neh­men des pro­du­zie­ren­den Ge­wer­bes be­schränkt, sieht das EEG 2014 vor, dass nur sol­che Un­ter­neh­men un­ter die Be­son­dere Aus­gleichs­re­ge­lung fal­len, die in den EEAG als strom­kos­ten- und han­dels­in­ten­siv ein­ge­stuft wer­den. Eine ab­schließende Auf­stel­lung, wel­che Bran­chen (ins­ge­samt 62) hier­un­ter fal­len, be­fin­det sich auch in den Lis­ten 1 und 2 der An­lage 4 des Ge­setz­ent­wurfs, die in das re­for­mierte EEG 2014 über­nom­men wur­den.

Wei­ter­hin wird die Ein­tritts­schwelle in die Be­son­dere Aus­gleichs­re­ge­lung an­ge­ho­ben. Während bis­her eine An­trags­be­rech­ti­gung vor­lag, wenn der An­teil der Strom­kos­ten an der Brut­to­wert­schöpfung, also die Strom­kos­ten­in­ten­sität, mit 14 % nach­ge­wie­sen wer­den konnte, muss künf­tig der An­teil bei Un­ter­neh­men ei­ner Bran­che der Liste 1 16 % (bzw. ab dem An­trags­jahr 2015 17 %) und bei Un­ter­neh­men ei­ner Bran­che der Liste 2 20 % be­tra­gen.

Hinweis

Die Er­mitt­lung der Brut­to­wert­schöpfung er­folgt nach der De­fi­ni­tion des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes aus dem Jahr 2007. Die Kos­ten für Leih­ar­beit­neh­mer dürfen da­bei nicht mehr in Ab­zug ge­bracht wer­den. Zu­dem ist auf die „Brut­to­wert­schöpfung zu Fak­tor­kos­ten“ ab­zu­stel­len, bei wel­cher im Ge­gen­satz zur bis­her ver­wand­ten „Brut­to­wert­schöpfung ohne Um­satz­steuer“ auch die sons­ti­gen in­di­rek­ten Steu­ern ab­ge­zo­gen und die Sub­ven­tio­nen für lau­fende Pro­duk­tion wie­der hinzu ad­diert wer­den müssen.

Erfüllt das Un­ter­neh­men diese Vor­ga­ben muss es un­abhängig vom Strom­ver­brauch zusätz­lich ein zer­ti­fi­zier­tes En­er­gie- oder Um­welt­ma­nage­ment­sys­tem vor­wei­sen können.
Die auf die­ser Grund­lage pri­vi­le­gier­ten Un­ter­neh­men zah­len für die er­ste Gi­ga­watt­stunde die EEG-Um­lage un­verändert in vol­ler Höhe (sog. Selbst­be­halt) und darüber hin­aus grundsätz­lich 15 % der EEG-Um­lage. Die sich dar­aus er­ge­bende Be­las­tung der Un­ter­neh­men soll nach dem EEG 2014 in Übe­rein­stim­mung mit den EEAG je­doch ins­ge­samt auf 4 % („Cap“) bzw. auf 0,5 % („Su­per-Cap“) der Brut­to­wert­schöpfung des je­wei­li­gen Un­ter­neh­mens be­grenzt wer­den. Die „Su­per-Cap“ Re­ge­lung soll nach den EEAG nur für Un­ter­neh­men mit ei­ner Strom­kos­ten­in­ten­sität von mehr als 20 % zur An­wen­dung kom­men. Die so be­grenzte EEG-Um­lage darf ins­ge­samt 0,1 Cent pro Ki­lo­watt­stunde nicht un­ter­schrei­ten.

Zur Ab­mil­de­rung der sich den­noch ggf. er­ge­ben­den Mehr­be­las­tung für Un­ter­neh­men be­inhal­tet das re­for­mierte EEG 2014 Überg­angs­re­ge­lun­gen. So darf sich die zu leis­tende EEG-Um­lage bis zum Jahr 2019 von Jahr zu Jahr höchs­tens ver­dop­peln. Wei­ter­hin wird die EEG-Um­lage für bis­her pri­vi­le­gierte Un­ter­neh­men, wel­che ih­ren Sta­tus durch die Neu­re­ge­lung ver­lie­ren, ab dem Jahr 2015 ohne Aus­nah­me­re­ge­lung un­be­fris­tet auf 20 % re­du­ziert, wo­bei für die er­ste Gi­ga­watt­stunde die volle EEG-Um­lage zu ent­rich­ten ist.

Hinweis

Es ist zu be­ob­ach­ten, ob die No­ti­fi­zie­rung bei der EU-Kom­mis­sion und die da­mit in Zu­sam­men­hang ste­hende Sperr- oder Still­hal­te­frist ein In­kraft­tre­ten des re­for­mier­ten EEG 2014 zum 1.8.2014 tatsäch­lich ermöglicht.

Das BMWi hat in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung vom 4.7.2014 ver­laut­bart, dass die Gebühren­ver­ord­nung zur Be­son­de­ren Aus­gleichs­re­ge­lung (BA­GebV) vom 18.3.2013 auf­grund des Re­form­ge­set­zes zum EEG an­ge­passt wer­den soll, da­mit auch wei­ter­hin die begüns­tig­ten strom­in­ten­si­ven Un­ter­neh­men und Schie­nen­bah­nen selbst den Auf­wand fi­nan­zie­ren, der durch die Be­gren­zung ih­rer EEG-Um­lage ent­steht. Zu die­sem Zweck ist ge­plant, die Gebührensätze ins­ge­samt an­zu­he­ben und an die Begüns­ti­gungs­wir­kung der Be­son­de­ren Aus­gleichs­re­ge­lung nach dem EEG 2014 an­zu­pas­sen. Da­bei soll wei­ter­hin der Grund­satz gel­ten, dass die An­trag­stel­ler den größten Bei­trag zur De­ckung der Kos­ten zu leis­ten ha­ben, die am stärks­ten von der Be­gren­zung der EEG-Um­lage pro­fi­tie­ren. Im Ver­gleich zur gel­ten­den Gebühren­ver­ord­nung sol­len die Sätze je­doch dif­fe­ren­zier­ter aus­ge­stal­tet wer­den und so dem Um­stand Rech­nung tra­gen, dass der Ver­wal­tungs­auf­wand für die Begüns­ti­gung der strom­in­ten­si­ven In­dus­trie stärker an­ge­stie­gen ist als im Be­reich der Schie­nen­bah­nen.

Hin­weis

Die Anhörung der Länder so­wie der kom­mu­na­len Spit­zen­verbände und Zen­tral- und Ge­samt­verbände zu dem Re­fe­ren­ten­ent­wurf vom 3.7.2014 wurde ein­ge­lei­tet. Die Ände­run­gen sol­len noch im Au­gust in Kraft tre­ten.

 

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