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Anteil der abziehbaren Kosten eines im Keller belegenen häuslichen Arbeitszimmers

BFH 11.11.2014, VIII R 3/12

Entspricht ein häusliches Keller-Arbeitszimmer nach seiner Funktion, baulichen Beschaffenheit, Lage und Ausstattung dem Standard eines Wohnraumes, gehört es zu den Haupträumen der Wohnung, so dass der Anteil der darauf entfallenden Gebäudekosten nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Fläche der reinen Wohnfläche zzgl. des Arbeitszimmers zu ermitteln ist. Die Fläche der übrigen im Keller belegenen (Neben-)Räume bleibt bei der Kostenaufteilung unberücksichtigt.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger nahm nach sei­ner Pen­sio­nie­rung eine selb­stän­dige Tätig­keit als Gut­ach­ter auf. Neben sei­nen Ver­sor­gungs­be­zü­gen sowie den Ein­künf­ten aus selb­stän­di­ger Tätig­keit erzielte er noch gering­fü­g­ige wei­tere Ein­künfte aus der Ver­mie­tung einer Eigen­tums­woh­nung sowie aus Kapi­tal­ver­mö­gen. Für seine Gut­ach­ter­tä­tig­keit nutzte er ein Arbeits­zim­mer im Kel­ler sei­nes pri­va­ten Ein­fa­mi­li­en­hau­ses. Das Arbeits­zim­mer ver­fügte über zwei Fens­ter, die zur bes­se­ren Tages­lich­t­aus­nut­zung aus­ge­kof­fert und mit Licht­schäch­ten ver­se­hen waren. Der mit Büro­möbeln aus­ge­stat­tete Raum war an das Hei­zungs­sys­tem des Hau­ses ange­sch­los­sen und mit für Wohn­räume übli­chen Boden- und Wand­be­lä­gen ver­se­hen.

Der Klä­ger machte bei der Ermitt­lung sei­ner Ein­künfte aus selb­stän­di­ger Tätig­keit nach einer Gegen­über­stel­lung der Fläche des Arbeits­zim­mers zur Wohn­fläche des Erd­ge­schos­ses zzgl. des Arbeits­zim­mers 16,51 Pro­zent der gesam­ten Gebäu­de­kos­ten als auf das Arbeits­zim­mer ent­fal­lende Betriebs­aus­ga­ben gel­tend. Das Finanz­amt erkannte die Auf­wen­dun­gen nur i.H.v. 1.250 € an, da das Arbeits­zim­mer nicht den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit des Klä­gers gebil­det habe.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage teil­weise statt und ließ Auf­wen­dun­gen i.H.v. 2.242,89 € zum Abzug zu. Dabei ging es davon aus, dass das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit des Klä­gers dar­s­telle, aber ledig­lich 10,98 Pro­zent der gesam­ten Gebäu­de­kos­ten abzugs­fähig seien. Neben der Wohn­fläche des Erd­ge­schos­ses sei auch die gesamte Kel­ler­fläche - nicht nur die Fläche des Arbeits­zim­mers selbst - bei der Ermitt­lung des Kos­ten­an­teils des Arbeits­zim­mers zu berück­sich­ti­gen.

Die Revi­sion des Finanzamts hatte vor dem BFH kei­nen Erfolg. Auf die Revi­sion des Klä­gers hob der BFH das Urteil auf und gab der Klage voll­um­fäng­lich statt.

Die Gründe:
Das FG ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass das häus­li­che Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit des Klä­gers bil­det, so dass die Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer in vol­ler Höhe als Betriebs­aus­ga­ben des Klä­gers abzugs­fähig sind. Bei der Ermitt­lung der Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer sind die übri­gen im Kel­ler bele­ge­nen Räume jedoch ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FG nicht in die Berech­nung der antei­li­gen Fläche des Arbeits­zim­mers ein­zu­be­zie­hen.

Im Grund­satz kön­nen Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den. Dies besagt § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 1 EStG. Eine Aus­nahme gilt nach Satz 2 die­ser Vor­schrift, wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht; in die­sem Fall ist der Abzug aller­dings auf 1.250 € beg­renzt. Diese Beschrän­kung der Abzugs­höhe gilt wie­derum dann nach Satz 3 der Vor­schrift nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit bil­det. Die letzt­ge­nannte Rege­lung war vor­lie­gend anzu­wen­den.

Zu Recht hat das FG auch einen Kel­l­er­raum, soweit er - wie hier - in die häus­li­che Sphäre ein­ge­bun­den ist, als häus­li­ches Arbeits­zim­mer aner­kannt. Das "Kel­ler-Arbeits­zim­mer" bil­dete auch den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit des Klä­gers. Dabei waren die Ver­sor­gungs­be­züge des Klä­gers nicht in die vor­zu­neh­mende Gesamt­be­trach­tung der ein­zel­nen betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­kei­ten ein­zu­be­zie­hen. Es sind nur sol­che Ein­künfte zu berück­sich­ti­gen, die grund­sätz­lich ein Tätig­wer­den des Steu­erpf­lich­ti­gen im Ver­an­la­gungs­zei­traum erfor­dern; das ist bei Ver­sor­gungs­be­zü­gen nicht der Fall. Den wei­te­ren Ein­künf­ten des Klä­gers kam ver­g­li­chen mit der Gut­ach­ter­tä­tig­keit kein nen­nens­wer­tes qua­li­ta­ti­ves Gewicht zu, so dass auch diese im Urteils­fall außer Acht gelas­sen wer­den konn­ten.

Aller­dings sind die auf ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer antei­lig ent­fal­len­den Betriebs­aus­ga­ben nach dem Ver­hält­nis der Fläche des Arbeits­zim­mers zu der Wohn­fläche der Woh­nung zu ermit­teln. Nicht zur Wohn­fläche gehö­ren laut Wohn­flächen­ver­ord­nung die Grund­flächen von Zube­hör­räu­men, ins­be­son­dere u.a. Kel­l­er­räu­men. Dient ein Raum aller­dings unmit­tel­bar sei­ner Funk­tion nach dem Woh­nen und ist er nach sei­ner bau­li­chen Beschaf­fen­heit (z.B. Fens­ter), Lage (Ver­bin­dung zu übri­gen Wohn­räu­men) und Aus­stat­tung (Wand- und Boden­be­lag, Hei­zung) dem Stan­dard eines Wohn­raums und nicht dem eines Zube­hör­raums ver­g­leich­bar und zum dau­ern­den Auf­ent­halt von Men­schen geeig­net, so ist die Lage im Kel­ler nicht von Bedeu­tung.

Im Streit­fall war dem­nach die Gesamt­wohn­fläche, beste­hend aus Erd­ge­schoss und "Kel­ler-Arbeits­zim­mer", ins Ver­hält­nis zur Fläche des Arbeits­zim­mers selbst zu set­zen; die übri­gen Zube­hör­räume im Kel­ler­ge­schoss durf­ten nicht in die Berech­nung ein­be­zo­gen wer­den.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
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