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Zur fiktiven Abrechnung eines Kfz-Sachschadens bei geringeren als durch den Sachverständigen angesetzten Reparaturkosten

BGH 3.12.2013, VI ZR 24/13

Lässt der Ge­schädigte einen Kfz-Sach­scha­den fach­ge­recht in dem Um­fang re­pa­rie­ren, den der Sach­verständige für not­wen­dig ge­hal­ten hat, und un­ter­schrei­ten die Re­pa­ra­tur­kos­ten die von dem Sach­verständi­gen an­ge­setz­ten Kos­ten, so beläuft sich auch im Rah­men ei­ner fik­ti­ven Ab­rech­nung der zur Her­stel­lung er­for­der­li­che Geld­be­trag auf die tatsäch­lich an­ge­fal­le­nen Brut­to­kos­ten. Der Ge­schädigte hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung des vom Sach­verständi­gen an­ge­setz­ten Net­to­be­trags zzgl. der tatsäch­lich ge­zahl­ten Um­satz­steuer, so­weit die­ser Be­trag die tatsäch­lich ge­zahl­ten Brut­to­re­pa­ra­tur­kos­ten über­steigt.

Der Sach­ver­halt:
Der be­klagte Haft­pflicht­ver­si­che­rer er­setzte hat dem Kläger un­strei­tig den bei einem Ver­kehrs­un­fall im Ok­to­ber 2010 ent­stan­de­nen Fahr­zeug­scha­den zu er­set­zen. Nach Ein­ho­lung ei­nes Sach­verständi­gen­gut­ach­tens, in dem die Re­pa­ra­tur­kos­ten auf brutto rd. 8.350 € (netto rd. 7.000 €) be­zif­fert wur­den, ließ der Kläger sein Fahr­zeug auf der Grund­lage des Gut­ach­tens bei der Firma O nach Maßgabe des Gut­ach­tens sach- und fach­ge­recht in­stand set­zen.

Die Firma O stellte dem Kläger Re­pa­ra­tur­kos­ten i.H.v. brutto rd. 7.500 € (netto rd. 6.300 €) in Rech­nung. Der Kläger rech­nete den Scha­den ge­genüber der Be­klag­ten auf der Grund­lage des Gut­ach­tens ab. Diese re­gu­lierte den Scha­den un­ter Zu­grun­de­le­gung der tatsäch­lich auf­ge­wen­de­ten Re­pa­ra­tur­kos­ten i.H.v. 7.500 €.

Mit der Klage ver­langt der Kläger wei­te­ren Scha­dens­er­satz i.H.v. rd. 700 €. Die­sen An­spruch er­rech­net er un­ter Zu­grun­de­le­gung des vom Gut­ach­ter fest­ge­stell­ten Net­to­re­pa­ra­tur­auf­wan­des i.H.v. 7.000 € und der von ihm tatsäch­lich für die In­stand­set­zung ge­zahl­ten Mehr­wert­steuer i.H.v. rd. 1.200 €, wo­bei er die von der Be­klag­ten ge­zahl­ten Re­pa­ra­tur­kos­ten i.H.v. rd. 7.500 € in Ab­zug bringt.

AG und LG ga­ben der Klage statt. Auf die Re­vi­sion der Be­klag­ten hob der BGH das Be­ru­fungs­ur­teil auf und wies die Klage ab.

Die Gründe:
Bei der fik­ti­ven Ab­rech­nung ei­nes Kfz-Sach­scha­dens darf der Ge­schädigte grundsätz­lich die übli­chen Stun­den­ver­rech­nungssätze ei­ner mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt zu­grunde le­gen. Al­ler­dings ist u.U. ein Ver­weis des Schädi­gers auf eine güns­ti­gere Re­pa­ra­turmöglich­keit in ei­ner an­de­ren mar­ken­ge­bun­de­nen oder "freien" Fach­werk­statt möglich, wenn der Schädi­ger dar­legt und ggf. be­weist, dass eine Re­pa­ra­tur in die­ser Werk­statt vom Qua­litäts­stan­dard her der Re­pa­ra­tur in ei­ner mar­ken­ge­bun­de­nen Fach­werk­statt ent­spricht und diese für den Ge­schädig­ten nicht un­zu­mut­bar ist. Kann die Schädi­ger­seite die zu­mut­bare Möglich­keit der In­an­spruch­nahme ei­ner preis­wer­te­ren Werk­statt aus­rei­chend dar­le­gen/be­wei­sen, ist auf der Grund­lage der preis­wer­te­ren Re­pa­ra­turmöglich­keit ab­zu­rech­nen.

An­ge­sichts die­ser Rechts­lage ver­steht es sich von selbst, dass auf der Grund­lage ei­ner preis­wer­te­ren Re­pa­ra­turmöglich­keit ab­zu­rech­nen ist, wenn ein Ver­weis der Schädi­ger­seite dar­auf nicht ein­mal er­for­der­lich ist, weil der Ge­schädigte die Möglich­keit ei­ner vollständi­gen und fach­ge­rech­ten, aber preis­wer­te­ren Re­pa­ra­tur selbst dar­legt und so­gar wahr­ge­nom­men hat. Der Vor­trag des Ge­schädig­ten, trotz­dem sei der vom Sach­verständi­gen an­ge­ge­bene Be­trag zur Her­stel­lung er­for­der­lich, ist dann un­schlüssig. Eine ab­wei­chende Be­trach­tung würde dazu führen, dass der Ge­schädigte an dem Scha­dens­fall ver­dient, was dem Ver­bot wi­der­spräche, sich durch Scha­dens­er­satz zu be­rei­chern.

Aus die­sem Grunde beläuft sich auch im Rah­men ei­ner fik­ti­ven Ab­rech­nung der zur Her­stel­lung er­for­der­li­che Geld­be­trag auf die tatsäch­lich an­ge­fal­le­nen Brut­to­kos­ten, wenn der Ge­schädigte sei­nen Kfz-Sach­scha­den sach- und fach­ge­recht in dem Um­fang re­pa­rie­ren lässt, den der ein­ge­schal­tete Sach­verständige für not­wen­dig ge­hal­ten hat, und die von der be­auf­trag­ten Werk­statt be­rech­ne­ten Re­pa­ra­tur­kos­ten die von dem Sach­verständi­gen an­ge­setz­ten Kos­ten un­ter­schrei­ten. Der Ge­schädigte hat in die­sem Fall kei­nen An­spruch auf Zah­lung des vom Sach­verständi­gen an­ge­setz­ten Net­to­be­trags zzgl. der tatsäch­lich ge­zahl­ten Um­satz­steuer, so­weit die­ser Be­trag die tatsäch­lich ge­zahl­ten Brut­to­re­pa­ra­tur­kos­ten über­steigt.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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