de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

Zur Einziehung des Geschäftsanteils eines GmbH-Gesellschafters wegen eines tiefgreifenden Zerwürfnisses der Gesellschafter

BGH 24.9.2013, II ZR 216/11

Ein wichtiger Grund zum Ausschluss eines Gesellschafters im Falle eines tiefgreifenden Zerwürfnisses der Gesellschafter setzt voraus, dass das Zerwürfnis von dem betroffenen Gesellschafter zumindest überwiegend verursacht worden ist. Zudem dürfen in der Person des oder der die Ausschließung betreibenden Gesellschafter keine Umstände vorliegen, die deren Ausschließung oder die Auflösung der Gesellschaft rechtfertigen.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger und drei wei­tere Gesell­schaf­ter grün­de­ten die beklagte GmbH, die ein Kino bet­reibt. Alle Gesell­schaf­ter waren mit jeweils 25 Pro­zent an der Beklag­ten betei­ligt und allein­ver­t­re­tungs­be­rech­tigte Geschäfts­füh­rer. Jeder Gesell­schaf­ter hatte bestimmte Leis­tun­gen als Bei­trag zur För­de­rung des Gesell­schafts­zwecks zu erbrin­gen. Zu den Auf­ga­ben des Klä­gers gehör­ten die Bet­reu­ung der Aus­zu­bil­den­den und die Über­nahme ein­zel­ner Woche­n­end­di­enste. Nach­dem die per­sön­li­che Bezie­hung des Klä­gers mit der Mit­ge­sell­schaf­te­rin L geschei­tert war, tra­ten zwi­schen den Gesell­schaf­tern Span­nun­gen auf. Dabei wurde dem Klä­ger die Ver­let­zung sei­ner Pflich­ten als Geschäfts­füh­rer und Gesell­schaf­ter vor­ge­wor­fen.

Ende 2005 wurde der Klä­ger drei­mal wegen der Ver­nach­läs­si­gung sei­ner Geschäfts­füh­r­erpf­lich­ten anwalt­lich abge­mahnt. In einer Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung am 16.12.2005 einig­ten sich die Gesell­schaf­ter dar­auf, dass der Klä­ger bis auf wei­te­res bezahl­ten Urlaub neh­men dürfe und sich wäh­rend die­ser Zeit jed­we­der Geschäfts­füh­r­er­tä­tig­keit ent­hal­ten solle. Hieran hielt sich der Klä­ger nicht. In der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung vom 22.2.2006 wurde der Klä­ger als Geschäfts­füh­rer abbe­ru­fen. In der Ver­samm­lung vom 16.3.2006 besch­los­sen die Gesell­schaf­ter der Beklag­ten in Abwe­sen­heit des Klä­gers ein­stim­mig, des­sen Geschäft­s­an­teile aus wich­ti­gem Grund ein­zu­zie­hen und den Klä­ger aus­zu­sch­lie­ßen; sein wei­te­res Ver­b­lei­ben in der Gesell­schaft sei auf­grund sei­nes Ver­hal­tens für die übri­gen Gesell­schaf­ter untrag­bar.

§ 15 des Gesell­schafts­ver­trags der Beklag­ten, der die Ein­zie­hung von Geschäft­s­an­tei­len regelt, lau­tet u.a.:
  • 1. Die Gesell­schaf­ter kön­nen die Ein­zie­hung von Geschäft­s­an­tei­len mit Zustim­mung des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters jeder­zeit besch­lie­ßen.
  • 2. Der Zustim­mung des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters bedarf es nicht, wenn in sei­ner Per­son ein ande­rer wich­ti­ger Grund, der seine Aus­sch­lie­ßung aus der Gesell­schaft recht­fer­tigt, gege­ben ist. Ein sol­cher wich­ti­ger Grund liegt vor, wenn ein wei­te­res Ver­b­lei­ben des betrof­fe­nen Gesell­schaf­ters in der Gesell­schaft für diese untrag­bar ist, ins­be­son­dere, In allen die­sen Fäl­len erfolgt die Beschluss­fas­sung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung mit einer Mehr­heit von 75 v.H. der abge­ge­be­nen Stim­men; der betrof­fene Gesell­schaf­ter hat kein Stimm­recht mehr.
  • Das LG wies die Klage, mit der der Klä­ger bean­tragte, die Beschlüsse vom 16.3.2006 für nich­tig zu erklä­ren, ab. Das OLG gab hat ihr statt. Auf die Revi­sion der Beklag­ten hob der BGH das Beru­fung­s­ur­teil auf und wies die Beru­fung des Klä­gers gegen das Urteil des LG zurück.

    Die Gründe:
    Nach dem tief­g­rei­fen­den Zer­würf­nis der Gesell­schaf­ter, das den Fest­stel­lun­gen des OLG zufolge über­wie­gend vom Klä­ger ver­ur­sacht wor­den ist, waren die Mit­ge­sell­schaf­ter des Klä­gers berech­tigt, des­sen Geschäft­s­an­teil auf der Grund­lage von § 15 Nr. 2 der Sat­zung der Beklag­ten ein­zu­zie­hen, weil ein wich­ti­ger Grund in der Per­son des Klä­gers vor­lag, der seine Aus­sch­lie­ßung aus der Gesell­schaft recht­fer­tigte. Die gegen­tei­lige Wür­di­gung des OLG ist aus Rechts­grün­den zu bean­stan­den.

    Die Ein­zie­hung von Geschäft­s­an­tei­len ist nach § 34 Abs. 2 GmbHG ohne Zustim­mung des Anteils­be­rech­tig­ten nur dann zuläs­sig, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der­sel­ben vor dem Zeit­punkt, in wel­chem der Berech­tigte den Geschäft­s­an­teil erwor­ben hat, im Gesell­schafts­ver­trag fest­ge­setzt waren. Vor­lie­gend knüpft § 15 Nr. 2 der Sat­zung der Beklag­ten die Zwang­s­ein­zie­hung in zuläs­si­ger Weise an das Vor­lie­gen eines wich­ti­gen Grun­des in der Per­son des Gesell­schaf­ters, der seine Aus­sch­lie­ßung aus der Gesell­schaft recht­fer­tigt. Die Wür­di­gung des OLG, dass ein sinn­vol­les Zusam­men­wir­ken der Gesell­schaf­ter nicht mehr zu erwar­ten ist, weil es an der für das Funk­tio­nie­ren einer per­so­na­lis­tisch aus­ge­stal­te­ten GmbH erfor­der­li­chen ersprieß­li­chen Zusam­men­ar­beit und der Ach­tung vor dem ande­ren fehle, ist zwar nicht zu bean­stan­den. Das OLG meint jedoch fäl­sch­li­cher­weise, die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen, die den Aus­schluss des Klä­gers unter die­sem Gesichts­punkt und damit die Ein­zie­hung sei­nes Geschäft­s­an­teils recht­fer­ti­gen könn­ten, seien nicht sämt­lich gege­ben.

    Nach der Recht­sp­re­chung des Senats setzt ein wich­ti­ger Grund zum Aus­schluss eines Gesell­schaf­ters im Falle eines tief­g­rei­fen­den Zer­würf­nis­ses der Gesell­schaf­ter vor­aus, dass das Zer­würf­nis von dem betrof­fe­nen Gesell­schaf­ter zumin­dest über­wie­gend ver­ur­sacht wor­den ist und in der Per­son des oder der die Aus­sch­lie­ßung bet­rei­ben­den Gesell­schaf­ter keine Umstände vor­lie­gen, die deren Aus­sch­lie­ßung oder die Auflö­sung der Gesell­schaft recht­fer­ti­gen. Vor­lie­gend ist nicht ersicht­lich, dass den Mit­ge­sell­schaf­tern ein ihren eige­nen Aus­schluss recht­fer­ti­gen­des Ver­hal­ten vor­zu­wer­fen wäre. Das OLG hat viel­mehr allein Ver­hal­tens­wei­sen des Klä­gers fest­ge­s­tellt, die die Ach­tung vor sei­nen Mit­ge­sell­schaf­tern ver­mis­sen las­sen und einer ersprieß­li­chen Zusam­men­ar­beit im Wege ste­hen. Wei­ter hat es ange­nom­men, dass durch die Ver­hal­tens­wei­sen des Klä­gers die Zer­rüt­tung zwi­schen den Gesell­schaf­tern zumin­dest ver­tieft wurde. Damit ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des OLG aber hin­rei­chend dar­ge­legt, dass das Zer­würf­nis inn­er­halb der Gesell­schaft über­wie­gend vom Klä­ger ver­ur­sacht wor­den ist.

    Das Schei­tern der Lebens­ge­mein­schaft des Klä­gers und der Mit­ge­sell­schaf­te­rin L ist für die Beant­wor­tung der Frage, wer das inn­er­ge­sell­schaft­li­che Zer­würf­nis über­wie­gend ver­ur­sacht hat, nur dann und soweit von Bedeu­tung, wie der dar­aus resul­tie­rende per­sön­li­che Kon­f­likt von den Betei­lig­ten in die Gesell­schaft hin­ein­ge­tra­gen wurde. Das OLG hat jedoch nur in Bezug auf den Klä­ger fest­ge­s­tellt, dass seine Pflicht­ver­let­zun­gen in Fort­set­zung sei­ner in die Gesell­schaft hin­ein­ge­tra­ge­nen per­sön­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Mit­ge­sell­schaf­te­rin L began­gen wur­den. Dass die Mit­ge­sell­schaf­ter in ver­g­leich­ba­rer Weise die per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Klä­ger und der Gesell­schaf­te­rin L in die Gesell­schaft hin­ein­ge­tra­gen oder in ande­rer Weise zum Zer­würf­nis der Gesell­schaf­ter bei­ge­tra­gen haben, hat das OLG dage­gen nicht fest­ge­s­tellt.

    Link­hin­weis:

    • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH ver­öf­f­ent­licht.
    • Um direkt zum Voll­text zu kom­men, kli­cken Sie bitte hier.
    nach oben