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Zum Vertrieb des Originalerzeugnisses unter mehreren Handelsmarken

OLG Frankfurt a.M. 23.11.2017, 6 U 224/16

Wird ein vom sel­ben Her­stel­ler stam­men­des Er­zeug­nis in er­heb­li­chen Stück­zah­len von meh­re­ren Han­dels­un­ter­neh­men un­ter un­ter­schied­li­chen Wort­mar­ken ver­trie­ben, steht dies man­gels wett­be­werb­li­cher Ei­gen­art einem ergänzen­den Leis­tungs­schutz des Er­zeug­nis­ses gem. § 4 Nr. 3 UWG grundsätz­lich ent­ge­gen.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin kon­stru­ierte und ge­stal­tete einen mit C be­zeich­ne­ten We­cker. Sie lie­ferte rd. 41.000 Stück an den Dis­coun­ter A nach Deutsch­land. Von A wurde der We­cker mit der auf dem Zif­fern­blatt an­ge­brach­ten, A gehören­den Marke D wei­ter­ver­trie­ben. Die We­cker der Kläge­rin wur­den außer­dem un­ter den Mar­ken E und F ver­kauft.

Die Be­klagte lie­ferte einen We­cker eben­falls an den Dis­coun­ter A. Auch die­sen We­cker ver­trieb A un­ter der auf dem Zif­fern­blatt an­ge­brach­ten Marke D. Die Kläge­rin mahnte die Be­klagte we­gen Ver­let­zung ei­nes Ge­mein­schafts­ge­schmacks­mus­ters und we­gen Ver­stoßes ge­gen §§ 3 Abs. 1, 4 Nr. 9 UWG a.F. ab. Nach er­neu­ter er­folg­lo­ser Ab­mah­nung er­hob die Kläge­rin Klage und ver­langte die Un­ter­las­sung des Ver­triebs des an­ge­grif­fe­nen We­ckers, Aus­kunft, und Scha­dens­er­satz so­wie die Er­stat­tung von Ab­mahn­kos­ten.

Das LG wies die Klage ab. Das OLG wies die Be­ru­fung der Kläge­rin zurück.

Die Gründe:
Die Kläge­rin hat ge­gen die Be­klagte kei­nen An­spruch auf Un­ter­las­sung des Ver­triebs des an­ge­grif­fe­nen We­ckers aus §§ 3, 8 Abs. 1, 4 Nr. 3 UWG bzw. § 4 Nr. 9 UWG a.F. Das LG hat zu Recht an­ge­nom­men, dass es dem We­cker der Kläge­rin an der er­for­der­li­chen Ei­gen­art fehlt. Zu­dem ist der An­spruch verjährt.

Je größer die wett­be­werb­li­che Ei­gen­art und je höher der Grad der Über­nahme sind, desto ge­rin­gere An­for­de­run­gen sind da­bei an die be­son­de­ren Umstände, die die Un­lau­ter­keit begründen, zu stel­len und um­ge­kehrt. Nach die­sem Grund­satz würde für das Vor­lie­gen ei­nes Un­ter­las­sungs­an­spruchs ge­gen die an­ge­grif­fene Form ein ge­rin­ger Grad an wett­be­werb­li­cher Ei­gen­art aus­rei­chen. Denn nach dem Ge­samt­ein­druck der bei­den Pro­dukte der Par­teien ist von ei­ner na­hezu iden­ti­schen Über­nahme aus­zu­ge­hen.

Vor­aus­set­zung für eine wett­be­werb­li­che Ei­gen­art ei­nes Pro­dukts ist, dass seine kon­krete Aus­ge­stal­tung oder be­stimmte Merk­male ge­eig­net sind, die in­ter­es­sier­ten Ver­kehrs­kreise auf seine be­trieb­li­che Her­kunft oder seine Be­son­der­hei­ten hin­zu­wei­sen. Es kommt auf den Ge­samt­ein­druck an. Im Streit­fall geht die Kläge­rin zu­tref­fend da­von aus, dass der Ge­samt­ein­druck nach Auf­fas­sung des Ver­kehrs­krei­ses der Ver­brau­cher durch die sym­me­tri­schen Merk­male des Pro­dukts geprägt wird und dass da­durch ein schlich­ter, auf das We­sent­li­che re­du­zier­ter Ein­druck ent­steht. Die Ge­stal­tungs­merk­male sind auch grundsätz­lich ge­eig­net eine ge­ringe wett­be­werb­li­che Ei­gen­art zu begründen.

Eine wett­be­werb­li­che Ei­gen­art - für die die Kläge­rin dar­le­gungs- und be­weis­pflich­tig ist - liegt aber im Streit­fall nicht vor, da die Ori­gi­nal­ge­stal­tung der Kläge­rin in Deutsch­land in großem Um­fang un­ter ver­schie­de­nen Mar­ken ver­trie­ben wird. Der Ori­gi­nal­we­cker der Kläge­rin wurde wie der an­ge­grif­fene We­cker von A un­ter der Marke D ver­trie­ben so­wie von an­de­ren Han­dels­kon­zer­nen un­ter der Marke E und F ver­kauft. Der an­ge­spro­chene Ver­kehrs­kreis kann da­durch die prägen­den Ge­stal­tungs­merk­male des Pro­dukts nicht (mehr) einem be­stimm­ten Her­stel­ler oder ei­ner be­stimm­ten Ware zu­ord­nen. Es kommt zwar nicht dar­auf an, ob der Ver­kehr den Her­stel­ler der Ware na­ment­lich kennt. Es ist aber er­for­der­lich, dass der ver­kehr an­nimmt, die Ware stamme von einem be­stimm­ten Her­stel­ler, oder sei von einem mit die­sem ver­bun­de­nen Un­ter­neh­men in Ver­kehr ge­bracht wor­den. Der Ver­kehr sieht in den Mar­ken D, E und F Her­steller­zei­chen.

Et­was an­de­res könnte dann gel­ten, wenn der Ver­brau­cher auf­grund be­son­de­rer Umstände von der marke ei­nes Han­dels­kon­zerns aus­ge­hen müsste. Dies könnte dann der Fall sein, wenn die Mar­ken D und F wa­ren­grup­penüberg­rei­fend für eine Viel­zahl un­ter­schied­lichs­ter Pro­dukte der je­wei­li­gen Han­dels­kette be­nutzt wer­den und dem Ver­kehr ent­spre­chend häufig in den Märk­ten der be­tref­fen­den Kette be­geg­nen würden. Dies ist vor­lie­gend je­doch nicht der Fall.

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