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Zugbegleiter haben keine regelmäßige Arbeitsstätte

FG Rheinland-Pfalz 23.11.2016, 2 K 2581/14

Zug-Servicemitarbeiter, die ihren Dienst täglich am selben Bahnhof beginnen und beenden, haben dort trotzdem keine regelmäßige Arbeitsstätte, weil sie ihre Haupttätigkeit im Zug erbringen. Die Fahrten zwischen Wohnung und Bahnhof sind daher keine Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte, sondern Dienstreisen.

Der Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin war im Streit­jahr 2013 als Zug-Ser­vice­mit­ar­bei­te­rin bei der DB Fern­ver­kehr AG beschäf­tigt. Für die Fahr­ten zwi­schen ihrem Wohn­ort und dem Bahn­hof Köln, wo ihr Dienst immer begann, hatte sie von der Arbeit­ge­be­rin ein Job-Ticket erhal­ten. In ihrer Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung 2013 machte die Klä­ge­rin für die Wege zwi­schen Woh­nung und  Arbeits­stätte die (vom genutz­ten Ver­kehrs­mit­tel unab­hän­gige) Wer­bungs­kos­ten­pau­schale gel­tend (= Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter x 0,30 €).

Das Finanz­amt stufte die Fahr­ten zwi­schen Wohn­ort und Bahn­hof aller­dings nicht als Wege zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ß­i­ger Arbeits­stätte, son­dern als Dienst­fahr­ten ein und erkannte wegen des Job-Tickets keine Wer­bungs­kos­ten an. Das FG wies die hier­ge­gen gerich­tete Klage ab. Die Revi­sion wurde nicht zuge­las­sen.

Die Gründe:
Obwohl die Klä­ge­rin täg­lich ihren Dienst am sel­ben Bahn­hof beginnt und been­det, hat sie keine regel­mä­ß­ige Arbeits­stätte. Ent­schei­dend ist näm­lich, wo sich der Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit befin­det. Allein die Berufs­be­zeich­nung der Klä­ge­rin spricht dafür, dass die­ser Mit­tel­punkt in den jewei­li­gen Zügen liegt. Außer­dem wird hier der Umsatz zuguns­ten der Arbeit­ge­be­rin gene­riert.

Bei den am Betriebs­sitz der Arbeit­ge­be­rin aus­ge­führ­ten Tätig­kei­ten ein­sch­ließ­lich der Ein­zah­lung der Ein­nah­men nach Fahr­tende han­delt es sich ledig­lich um arbeits­be­g­lei­tende Hand­lun­gen, die gegen­über der im Zug zu erbrin­gen­den Haupt­tä­tig­keit von nur gerin­gem Gewicht sind, wes­halb die Klä­ge­rin in den jewei­li­gen Zügen eine Aus­wärt­stä­tig­keit aus­übt. Die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Bahn­hof sind daher keine Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und regel­mä­ß­i­ger Arbeits­stätte, son­dern Dien­st­rei­sen.

Bei einer Aus­wärt­stä­tig­keit bzw. Dien­st­rei­sen könn­ten zwar grund­sätz­lich alle dadurch ver­ur­sach­ten Rei­se­kos­ten als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Weil der Klä­ge­rin aller­dings auf­grund ihres Job-Tickets keine eige­nen Auf­wen­dun­gen ent­stan­den waren, schied ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug aus.



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