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Werbungskosten für Homeoffice bei Vermietung an Arbeitgeber

BFH 17.4.2018, IX R 9/17

Vermietet der Steuerpflichtige eine Einliegerwohnung als Homeoffice an seinen Arbeitgeber für dessen betriebliche Zwecke, kann er Werbungskosten nur geltend machen, wenn eine objektbezogene Prognose die erforderliche Überschusserzielungsabsicht belegt. Die zweckentfremdete Vermietung von Wohnraum an den Arbeitgeber zu dessen betrieblichen Zwecken hat der BFH nun erstmals als Vermietung zu gewerblichen Zwecken beurteilt. Er widerspricht insoweit der Auffassung der Finanzverwaltung.

Der Sach­ver­halt:

Die Klä­ger sind Eigen­tü­mer eines Gebäu­des, das sie im Ober­ge­schoss mit knapp 120 qm selbst bewoh­nen. Eine Ein­lie­ger­woh­nung von knapp 54 qm mit Büro, Besp­re­chungs­raum, Küche und Bad/WC im Erd­ge­schoss ver­mie­te­ten sie im Streit­jahr 2012 als Home­of­fice des Klä­gers für 476 € monat­lich an des­sen Arbeit­ge­ber. Der Miet­ver­trag war zeit­lich an den Arbeits­ver­trag des Klä­gers und an die Wei­sung des Arbeit­ge­bers gebun­den, die Tätig­keit in die­sen Bür­o­räu­men zu bet­rei­ben.

Mit ihrer Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung für das Streit­jahr mach­ten die Klä­ger aus der Ver­mie­tung einen Wer­bungs­kos­ten­über­schuss i.H.v. 29.900 € gel­tend. Ent­hal­ten waren hie­rin Auf­wen­dun­gen i.H.v. 25.780 € für die behin­der­ten­ge­rechte Reno­vie­rung des Bade­zim­mers mit Dusche und Bade­wanne. Das Finanz­amt ließ die Reno­vie­rungs­kos­ten nicht zum Abzug zu. Das FG gab der Klage nur teil­weise statt. Die Anmie­tung eines voll­stän­di­gen behin­der­ten­ge­rech­ten Bade­zim­mers mit Dusche und Bade­wanne sei nicht von den Arbeit­ge­ber­in­ter­es­sen gedeckt. Viel­mehr sei ledig­lich das Vor­han­den­sein einer Toi­lette nebst Wasch­be­cken betrieb­lich erfor­der­lich.

Auf die Revi­sion der Klä­ger hob der BFH das Urteil auf und wies die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.

Gründe:

Das FG hat nicht erkannt, dass es sich bei den ver­mie­te­ten Räum­lich­kei­ten um eine Gewer­be­im­mo­bi­lie han­delt, und hat dem­ent­sp­re­chend die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht der Klä­ger nicht durch eine objekt­be­zo­gene Über­schus­s­prog­nose im Ein­zel­fall über­prüft.

Auf­grund der im Miet­ver­trag ver­ein­bar­ten Nut­zung han­delt es sich nicht um die Ver­mie­tung von Wohn­raum, son­dern (zwe­ck­ent­f­rem­det) um die Ver­mie­tung zu gewerb­li­chen Zwe­cken, da die Räume dem Arbeit­ge­ber zur aus­sch­ließ­li­chen Erfül­lung von des­sen betrieb­li­chen Zwe­cken über­las­sen wur­den und der Klä­ger hin­sicht­lich der Nut­zung dem Wei­sungs­recht sei­nes Arbeit­ge­bers unter­lag. Zu berück­sich­ti­gen war dabei auch die Kop­pe­lung des Miet­ver­tra­ges an das Beste­hen des Dienst­ver­hält­nis­ses.

Nach der BFH-Recht­sp­re­chung wird bei der Ver­mie­tung zu gewerb­li­chen Zwe­cken die Absicht des Steu­erpf­lich­ti­gen, auf Dauer einen Über­schuss der Ein­nah­men über die Aus­ga­ben erzie­len zu wol­len, nicht ver­mu­tet. Die zwe­ck­ent­f­rem­dete Ver­mie­tung von Wohn­raum an den Arbeit­ge­ber zu des­sen betrieb­li­chen Zwe­cken hat der BFH nun erst­mals als Ver­mie­tung zu gewerb­li­chen Zwe­cken beur­teilt. Er wider­spricht inso­weit der Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung (BMF-Sch­rei­ben vom 13.12.2005 - IV C 3-S 2253-112/05, BStBl I 2006, 4).

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
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