deen
Nexia Ebner Stolz

Verpackungsgesetz: Neuerungen und Pflichten ab 2019

Mit dem Verpackungsgesetz kommen ab 1.1.2019 neue Pflichten auf Unternehmen zu, die Verpackungen in Deutschland in den Verkehr bringen. Dies beinhaltet u. a. eine Vollständigkeitserklärung, die von einem registrierten Sachverständigen zu prüfen ist.

Am 1.1.2019 löst das Gesetz zur Fort­ent­wick­lung der haus­halts­na­hen Get­renn­ter­fas­sung von wert­stoff­hal­ti­gen Abfäl­len vom 12.7.2017 (Ver­pa­ckungs­ge­setz, kurz Ver­packG) die der­zeit gül­tige Ver­pa­ckungs­ver­ord­nung ab. Mit den neuen gesetz­li­chen Vor­ga­ben müs­sen sich alle Ver­t­rei­ber, die Ver­pa­ckun­gen erst­mals gewerbs­mä­ßig in Deut­sch­land in den Ver­kehr brin­gen (sog. Her­s­tel­ler), bei­spiels­weise natio­nale Pro­du­zen­ten, Importeure und Online-Händ­ler, aus­ein­an­der­set­zen. § 7 des Geset­zes regelt eine Sys­tem­be­tei­li­gungspf­licht und zwar ohne Baga­tell­g­ren­zen. Zur Über­wa­chung die­ser Verpf­lich­tung wurde gemäß § 24 des Geset­zes eine rechts­fähige Stif­tung des bür­ger­li­chen Rechts als sog. Zen­trale Stelle ein­ge­rich­tet, die ein sog. Ver­pa­ckungs­re­gis­ter auf­baut bzw. führt. Bei die­ser Zen­tra­len Stelle (www.ver­pa­ckungs­re­gis­ter.org) muss sich jeder Her­s­tel­ler vor dem erst­ma­li­gen Inver­kehr­brin­gen regi­s­trie­ren und eine Regi­s­trie­rungs­num­mer bean­tra­gen. § 9 Abs. 2 Ver­packG regelt in die­sem Zusam­men­hang die hier­für erfor­der­li­chen Anga­ben, deren Mit­tei­lung an das Ver­pa­ckungs­re­gis­ter nicht an Dritte dele­giert wer­den kann:

  • Voll­stän­dige Fir­men- und Kon­takt­da­ten,
  • natio­nale Kenn­num­mer ein­sch­ließ­lich der euro­päi­schen oder natio­na­len Steu­er­num­mer,
  • Mar­ken­na­men, unter denen der Her­s­tel­ler seine sys­tem­be­tei­li­gungspf­lich­ti­gen Ver­pa­ckun­gen in den Ver­kehr bringt und
  • die Erklär­ung, dass die gesetz­li­che Sys­tem­be­tei­li­gungspf­licht erfüllt ist und die Anga­ben wahr­heits­ge­mäß gemacht wur­den.

Ansch­lie­ßend sind nach § 10 Ver­packG höchst­per­sön­lich abzu­ge­bende monat­li­che bzw. quar­tals­weise Daten­mel­dun­gen an die Zen­trale Stelle und wie ggf. bis­her auch an Sys­teme (z. B. Grü­ner Punkt, Bel­land­vi­sion) vor dem Inver­kehr­brin­gen der Ver­pa­ckun­gen erfor­der­lich. Diese Mel­dun­gen sind nach der­zei­ti­gem Kennt­nis­stand elek­tro­nisch vor­zu­neh­men, genaue Vor­ga­ben wird die Zen­trale Stelle recht­zei­tig bekannt geben. Bei ent­sp­re­chen­der Sys­tem­be­tei­li­gung wird jedoch vor­aus­sicht­lich eine dop­pelte Mel­dung nicht not­wen­dig wer­den, da zwi­schen der Zen­tra­len Stelle und dem Sys­tem ein Daten­ab­g­leich mög­lich sein soll. Dem­ent­sp­re­chend ergibt sich für Her­s­tel­ler, die bereits bei den bis­he­ri­gen Sys­te­men regi­s­triert sind, durch das neue Ver­packG zunächst nur die Regi­s­trie­rungspf­licht bei der Zen­tra­len Stelle.

Zudem müs­sen die Her­s­tel­ler bis zum 15.5. des Fol­ge­jah­res - also erst­mals am 15.5.2019 für das Jahr 2018 - der Zen­tra­len Stelle bzw. wie bis­her dem Sys­tem eine Voll­stän­dig­keit­s­er­klär­ung über­mit­teln, sofern die in § 11 Abs. 4 Ver­packG genann­ten Frei­g­ren­zen über­schrit­ten wer­den:

  • Mate­rial­art Glas 80 t,
  • Mate­rial­ar­ten Papier, Pappe und Kar­ton 50 t,
  • übrige Mate­rial­ar­ten grund­sätz­lich 30 t.

Diese Voll­stän­dig­keit­s­er­klär­ung ist durch einen bei der Zen­tra­len Stelle regi­s­trier­ten Sach­ver­stän­di­gen zu prü­fen und in geprüf­ter Form an die Zen­trale Stelle zu über­mit­teln. Als Sach­ver­stän­dige in Betracht kom­men u. a. Wirt­schafts­prü­fer, ver­ei­digte Buch­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter, die gemäß § 27 Abs. 2 Ver­packG in einem geson­der­ten Prü­fer­re­gis­ter geführt wer­den.

Absch­lie­ßend sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass für Mehr­weg­ver­pa­ckun­gen, Ein­weg­ver­pa­ckun­gen mit Pfandpf­licht, sys­tem­be­tei­li­gungspf­lich­tige Ver­pa­ckun­gen, die nach­weis­lich nicht im Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes an den End­ver­brau­cher abge­ge­ben wer­den, und Ver­kaufs­ver­pa­ckun­gen schad­stoff­hal­ti­ger Füll­gü­ter Aus­nah­me­re­ge­lun­gen grei­fen.

Hin­weis

Die Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers mit dem Ver­packG liegt auf der Hand: Sämt­li­che Her­s­tel­ler sol­len für die Ent­s­or­gung ihrer Ver­kaufs­ver­pa­ckun­gen selbst auf­kom­men. Zur Durch­set­zung die­ses Anspruchs bein­hal­tet das Ver­packG Buß­geld­vor­schrif­ten (§ 34 Ver­packG) mit Buß­gel­dern von bis zu 100.000 Euro.



nach oben