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Steuerberatung

Wesentlich in der Unternehmensbesteuerung - die Verlustnutzung

Damit Unternehmen wirtschaftlich schwierige Zeiten gut überstehen und eine leistungsgerechte Besteuerung sichergestellt ist, ist die Verlustnutzung ein wesentliches Element des Steuersystems. Dies wird derzeit in der Corona-Krise deutlich, in der Unternehmen durch einen erweiterten Verlustrücktrag notwendige liquide Mittel verschafft werden sollen.

Aller­dings sehen die steu­er­recht­li­chen Vor­ga­ben eine Reihe von Ein­schrän­kun­gen der Ver­lust­nut­zung vor, so dass erlit­tene Ver­luste nicht unbe­g­renzt mit Gewin­nen in ande­ren Wirt­schafts­pe­rio­den aus­ge­g­li­chen wer­den kön­nen. Zudem kann es in bestimm­ten Kon­s­tel­la­tio­nen sogar dazu kom­men, dass Ver­luste steu­er­lich unbe­rück­sich­tigt blei­ben.

Ver­lu­st­rück­trag

Prin­zi­pi­ell kön­nen für ertrag­steu­er­li­che Zwe­cke Ver­luste eines Unter­neh­mens mit Gewin­nen in ande­ren Wirt­schafts­jah­ren aus­ge­g­li­chen wer­den. Aller­dings sehen die Steu­er­ge­setze hier einige Ein­schrän­kun­gen vor.

So ist sowohl im Bereich der Ein­kom­men­steuer als auch der Kör­per­schaft­steuer ein Rück­trag des Ver­lus­tes in den unmit­tel­bar vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­an­la­gungs­zei­traum und ent­sp­re­chend die Ver­rech­nung mit dem im Vor­jahr erziel­ten Gewinn mög­lich. Im Rah­men der Corona-Steu­er­hil­fe­ge­setz­ge­bung wurde das Ver­lu­st­rück­trags­vo­lu­men für Ver­luste der Ver­an­la­gungs­zei­träume 2020 und 2021 von bis­lang 1 Mio. Euro auf 10 Mio. Euro erhöht. In die­sem Umfang kön­nen Ver­luste ins Vor­jahr zurück­ge­tra­gen und vom Gesamt­be­trag der Vor­jah­res­ein­künfte abge­zo­gen wer­den. Bei gemein­sam zur Ein­kom­men­steuer ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten gilt sogar eine Beg­ren­zung von 20 Mio. Euro. Ab dem Ver­an­la­gungs­zei­traum 2022 ist der Ver­lu­st­rück­trag wie­der auf 1 Mio. Euro bzw. 2 Mio. Euro beg­renzt.

Im Bereich der Gewer­be­steuer ist hin­ge­gen kein Ver­lu­st­rück­trag vor­ge­se­hen. Hier kommt nur eine Ver­rech­nung gewer­be­steu­er­li­cher Fehl­be­träge mit einem posi­ti­ven Gewer­be­er­trag in den Fol­ge­jah­ren in Betracht.

Ver­lust­vor­trag

Ver­b­leibt trotz des Ver­lu­st­rück­trags ein unge­nutz­ter Ver­lust, kann die­ser mit Gewin­nen in den Fol­ge­jah­ren ver­rech­net wer­den. Dabei ist eine betrag­li­che Beg­ren­zung sowohl für ein­kom­men­steu­er­li­che, kör­per­schaft­steu­er­li­che und gewer­be­steu­er­li­che Zwe­cke vor­ge­se­hen. Ein Abzug des Ver­lusts ist nur bis zu 1 Mio. Euro unbe­schränkt, dar­über hin­aus bis zu 60 % des 1 Mio. Euro über­s­tei­gen­den steu­erpf­lich­ti­gen Gewinns bzw. Gesamt­be­trags der Ein­künfte mög­lich (sog. Min­dest­be­steue­rung). Es kann somit trotz noch nicht voll­stän­dig genutz­ter Ver­luste der Vor­jahre in einem Gewinn­jahr zu einer Steu­er­be­las­tung kom­men.

Ver­luste bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten

Sofern an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft Gesell­schaf­ter betei­ligt sind, die für Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft nur beschränkt haf­ten, ist eine wei­tere Ver­lust­nut­zungs­be­schrän­kung vor­ge­se­hen. Insb. der Kom­man­di­tist einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft kann dem ihn zuzu­rech­nen­den Ver­lu­st­an­teil nur bis zur Höhe sei­ner Ein­lage, mit der er haf­tet, mit ande­ren posi­ti­ven Ein­künf­ten aus­g­lei­chen. Mög­lich ist zudem eine Ver­rech­nung mit künf­ti­gen Gewin­nen aus die­ser Betei­li­gung.

Ver­luste bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten

Wer­den bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft inn­er­halb von fünf Jah­ren mehr als 50 % der Anteile an einen Erwer­ber oder eine Erwer­ber­gruppe ver­äu­ßert, geht ein Ver­lust­vor­trag unter (sog. schäd­li­cher Betei­li­gung­s­er­werb). Betei­ligt sich z. B. ein Inves­tor mit 51 % an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, kön­nen deren kör­per­schaft­steu­er­li­che und gewer­be­steu­er­li­che Ver­lust­vor­träge nicht mehr steu­er­min­dernd genutzt wer­den.

Ein sol­cher Ver­lust­un­ter­gang kann ver­mie­den wer­den, wenn eine Aus­nah­me­re­ge­lung greift, nament­lich die sog. Kon­zern­klau­sel, Stille-Reser­ven-Klau­sel oder Sanie­rungs­klau­sel. Alter­na­tiv kann bean­tragt wer­den, den Ver­lust­vor­trag als sog. fort­füh­rungs­ge­bun­de­nen Ver­lust­vor­trag zu behan­deln. Wird der seit Grün­dung oder zumin­dest seit drei Jah­ren vor dem Ver­lust­jahr beste­hende Geschäfts­be­trieb fort­ge­führt, kann der Ver­lust­vor­trag auch künf­tig noch genutzt wer­den. Ein noch beste­hen­der Ver­lust­vor­trag geht hin­ge­gen grund­sätz­lich unter, wenn z. B. die Zweck­be­stim­mung des Geschäfts­be­triebs geän­dert, ein zusätz­li­cher Geschäfts­be­trieb auf­ge­nom­men wird oder sich die Kör­per­schaft an einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft betei­ligt.

Ver­luste bei Umstruk­tu­rie­run­gen

Erfol­gen bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft Umstruk­tu­rie­run­gen, wie z. B. eine Ver­sch­mel­zung auf eine Per­so­nen­ge­sell­schaft oder auf eine natür­li­che Per­son oder der Form­wech­sel in eine Per­so­nen­ge­sell­schaft, gehen bis­lang nicht genutzte Ver­luste und Ver­lust­vor­träge sowohl für ein­kom­men­steu­er­li­che, kör­per­schaft­steu­er­lich als auch gewer­be­steu­er­li­che Zwe­cke voll­stän­dig unter. In Kri­sen­zei­ten erlit­tene Ver­luste kön­nen damit nach der Umwand­lung nicht mehr steu­er­min­dernd gel­tend gemacht wer­den. Wer­den nach der Umstruk­tu­rie­rung wie­der Gewinne erwirt­schaf­tet, sind diese unver­min­dert zu ver­steu­ern. Ent­sp­re­chen­des gilt auch bei der Ver­sch­mel­zung von Kör­per­schaf­ten. Auch hier gehen Ver­lust­vor­träge und nicht aus­ge­g­li­chene nega­tive Ein­künfte nicht auf die auf­neh­mende Kapi­tal­ge­sell­schaft über.

Bringt ein Per­so­nen­un­ter­neh­men sei­nen Betrieb oder Teil­be­trieb in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft ein oder wird eine Per­so­nen­ge­sell­schaft in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft form­ge­wech­selt, kön­nen ebenso wenig die bis­lang erziel­ten Ver­luste mit künf­ti­gen Gewin­nen der Kapi­tal­ge­sell­schaft ver­rech­net wer­den. Somit kann die Belas­tung mit Kör­per­schaft­steuer oder Gewer­be­steuer der Kapi­tal­ge­sell­schaft nicht durch Ver­luste, die vor der Umstruk­tu­rie­rung ange­fal­len sind, gemin­dert wer­den. 

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