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Steuerberatung

Unternehmenskauf: Steuerliche Post-Closing-Beratung

Beim Unternehmenskauf geht es auch um die steueroptimierte Strukturierung des Erwerbsvorgangs sowie die Vereinbarung einer robusten Steuerklausel im Kaufvertrag. Mindestens ebenso wichtig ist aber die Bewältigung der steuerlichen Themen nach der Transaktion („Post-Closing“).

Die­ser Aspekt wird in der Pra­xis oft ver­nach­läs­sigt.

Unternehmenskauf: Steuerliche Post-Closing-Beratung© iStock

Trotz schwächeln­den kon­junk­tu­rel­len Umfelds erf­reuen sich Unter­neh­mens­trans­ak­tio­nen wei­ter­hin einer gro­ßen Beliebt­heit. Die Gründe hier­für sind viel­fäl­tig. Auf Erwer­ber­seite hal­ten expan­si­ons­wil­lige Unter­neh­mer nach Fir­men Aus­schau, die das eigene Unter­neh­men sinn­voll ergän­zen kön­nen. Dar­über hin­aus sind stra­te­gi­sche Inves­to­ren im aktu­el­len Nie­d­rig­zin­s­um­feld ver­mehrt auf der Suche nach attrak­ti­ven Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen. Auf Ver­käu­fer­seite ver­su­chen Anteils­in­ha­ber aus der stei­gen­den Nach­frage nach Unter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen Kapi­tal zu schla­gen. Ebenso sind viele Fami­li­en­un­ter­neh­mer anzu­tref­fen, die sich alters­be­dingt von ihrer Fir­men­gruppe tren­nen, da es ihnen an (geeig­ne­ten) Nach­fol­gern aus dem Fami­li­en­kreis fehlt.

Bei jedem Unter­neh­mens­kauf - sei es in Form des Erwerbs eines gan­zen Unter­neh­mens, von Geschäft­s­an­tei­len oder von wesent­li­chen Wirt­schafts­gü­tern - muss der Erwer­ber dar­auf ach­ten, dass die finan­zi­elle Situa­tion der Ziel­ge­sell­schaft(en) vor der Trans­ak­tion einer ein­ge­hen­den Due Dili­gence unter­zo­gen wird. Dar­über hin­aus ist sicher­zu­s­tel­len, dass das zu erwer­bende Unter­neh­men auch in kul­tu­rel­ler Hin­sicht kom­p­li­ka­ti­ons­los in die beste­hende Fir­men­gruppe inte­griert wer­den kann.

Aber auch steu­er­li­che Aspekte spie­len eine ganz ent­schei­dende Rolle beim Unter­neh­men­s­er­werb. Dies bezieht sich nicht nur auf die Iden­ti­fi­zie­rung poten­zi­el­ler steu­er­li­cher Risi­ken der Ziel­ge­sell­schaft, die im Rah­men einer Tax Due Dili­gence auf­ge­deckt wer­den kön­nen. Es geht auch um die steu­er­opti­mierte Struk­tu­rie­rung des Erwerbs­vor­gangs sowie die Ver­ein­ba­rung einer robus­ten Steu­er­klau­sel im Kauf­ver­trag. Min­des­tens ebenso wich­tig ist sch­ließ­lich die Bewäl­ti­gung der steu­er­li­chen The­men nach der Trans­ak­tion („Post-Clo­sing“). Die­ser Aspekt wird in der Pra­xis oft ver­nach­läs­sigt.

Häu­fig bie­tet es sich an, die Grup­pen­struk­tur nach dem Erwerb in ertrag­steu­er­li­cher Hin­sicht zu opti­mie­ren. Hierzu wer­den ent­we­der ertrag­steu­er­li­che Org­an­schaf­ten durch den Abschluss von Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trä­gen begrün­det oder gesell­schafts­recht­li­che Umstruk­tu­rie­run­gen durch­ge­führt (z. B. eine Ver­schlan­kung der Struk­tur durch die Ver­sch­mel­zung von Gesell­schaf­ten).

In vie­len Fäl­len erfolgt der Erwerb eines Unter­neh­mens durch eine neu grün­dete Gesell­schaft oder eine zuvor ange­schaffte Vor­rats­ge­sell­schaft. In die­sem Fall geht es beim Erwer­ber in ers­ter Linie um die steu­er­opti­male Behand­lung der Trans­ak­ti­ons­kos­ten, die vor allem aus Bera­tungs­honora­ren sowie Anwalts- und Notar­ge­büh­ren beste­hen. Aus ertrag­steu­er­li­cher Sicht ist zu unter­su­chen, ob diese Kos­ten direkt gewinn­min­dernd abge­zo­gen wer­den kön­nen oder als Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten auf die neu erwor­bene Betei­li­gung akti­viert wer­den müs­sen. Ebenso wich­tig ist die Gel­tend­ma­chung des Vor­steu­er­ab­zugs. Dafür muss die Erwerbs­ge­sell­schaft als umsatz­steu­er­li­cher Unter­neh­mer qua­li­fi­zie­ren.

Zusätz­lich sind admi­ni­s­t­ra­tive Aspekte umzu­set­zen, wie bspw. die steu­er­li­che Regi­s­trie­rung der neuen Erwerbs­ge­sell­schaft beim Finanz­amt oder die not­wen­dig wer­dende Anpas­sung von ertrag­steu­er­li­chen Vor­aus­zah­lun­gen. Sofern die Erwerbs­ge­sell­schaft als umsatz­steu­er­li­cher Unter­neh­mer anzu­se­hen ist, sollte geprüft wer­den, ob eine (mög­li­cher­weise unge­wollte) umsatz­steu­er­li­che Org­an­schaft im Ver­hält­nis zu der erwor­be­nen Gesell­schaft begrün­det wird.

Wei­tere steu­er­li­che The­men ent­ste­hen, wenn der Unter­neh­men­s­er­werb von einer gesell­schafts­recht­li­chen Umstruk­tu­rie­rungs­maß­nahme beg­lei­tet wird, z. B. wenn sich Alt­ge­sell­schaf­ter rück­be­tei­li­gen möch­ten. In die­sen Fäl­len muss zur Wah­rung einer steu­er­neu­tra­len Über­tra­gung zu Buch­wer­ten eine nach­fol­gende Umwand­lungs­de­kla­ra­tion durch­ge­führt wer­den. In bestimm­ten Kon­s­tel­la­tio­nen ent­ste­hen durch steu­er­neu­trale Umwand­lun­gen Sperr­fris­ten für ein­ge­brachte oder im Gegen­zug erhal­tene Anteile. Dies kann wie­derum Nach­weispf­lich­ten für die nach­fol­gen­den sie­ben Jahre nach sich zie­hen.

Wurde unmit­tel­bar oder mit­tel­bar Grund­be­sitz erwor­ben, sind Grun­d­er­werb­steu­er­an­zei­gen und spä­ter Grun­d­er­werb­steue­r­er­klär­un­gen (ggf. nebst Bedarfs­wer­t­er­mitt­lun­gen) beim Finanz­amt ein­zu­rei­chen.

Aus Sicht des Erwer­bers sollte die Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen und wei­te­ren steu­er­li­chen Post-Clo­sing The­men, wie bspw. die Kauf­p­rei­sal­lo­ka­tion beim Erwerb von Per­so­nen­ge­sell­schaft­s­an­tei­len oder bei Asset Deals, eine hohe Prio­ri­tät ein­neh­men. Andern­falls kann die Unter­neh­mens­trans­ak­tion sch­nell zum steu­er­li­chen Fiasko wer­den.

In der Pra­xis zeigt sich häu­fig, dass auf kom­plexe Unter­neh­men­s­er­werbe spe­zia­li­sierte steu­er­li­che Bera­ter ihre Arbeit nach der Kauf­ver­trags­un­ter­zeich­nung („Sig­ning“) oder spä­tes­tens nach dem recht­li­chen Voll­zug des Kaufs („Clo­sing“) ein­s­tel­len. Zudem ist der bis­he­rige Steu­er­be­ra­ter des Ziel­un­ter­neh­mens, der die Man­dats­be­t­reu­ung auf­grund sei­ner ver­tief­ten Kennt­nisse des Unter­neh­mens grund­sätz­lich fort­set­zen soll, oft mit den steu­er­li­chen Spe­zial­the­men nach dem Unter­neh­mens­kauf über­for­dert. Inso­fern sollte bereits im Zuge der Trans­ak­tion über­legt wer­den, wer sich um die steu­er­li­chen Post-Clo­sing The­men küm­mern soll.

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