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Roundtable „Transformation im Agribusiness": Neue Spielregeln entlang der Wertschöpfungskette

Nach den er­folg­rei­chen Vorläufern Plant Meat und Plant Milk rich­tete sich der Fo­kus beim drit­ten di­gi­ta­len Round­ta­ble von Eb­ner Stolz und der NORD/LB auf die Ver­ede­lungs­wirt­schaft, die vor ei­ner Zei­ten­wende steht: Kli­ma­ziele, Tier­wohl und Kenn­zeich­nungs­pflich­ten sind nur ei­nige der zen­tra­len Her­aus­for­de­run­gen, an de­nen der Um­bau der Tier­pro­duk­tion in Deutsch­land und der Eu­ropäischen Union sich zukünf­tig aus­rich­ten wird.

Mit Im­pul­sen von Mat­thias Schulze Stein­mann, Chef­re­dak­teur des Fach­ma­ga­zins top agrar, Jo­sef Hem­pen, Ge­schäftsführer der Gold­schmaus-Gruppe, so­wie Cord Schi­plage, ge­schäftsführen­des Vor­stands­mit­glied der GS agri, dis­ku­tier­ten über 40 Teil­neh­mer die ak­tu­el­len Fra­gen und Per­spek­ti­ven der Wert­schöpfungs­kette der Bran­che:

Roundtable Transformation im Agribusiness

Wie kann die Trans­for­ma­tion hin zu ei­ner nach­hal­ti­gen und wett­be­werbsfähi­gen Wert­schöpfungs­kette vom Stall bis zum Tel­ler er­folg­reich ge­stal­tet wer­den? Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen ste­hen Tier­hal­ter und die wei­ter­ver­ar­bei­tende In­dus­trie? Wel­che Aus­wir­kun­gen auf die Trans­for­ma­ti­onspläne sind vom Krieg in der Ukraine und den da­mit ver­bun­de­nen Ver­wer­fun­gen auf den in­ter­na­tio­na­len Agrarmärk­ten zu er­war­ten? Kurz: Wie kann und soll es ge­hen?

Grüner wird es nicht!?

Die Trends und Trei­ber ent­lang der Wert­schöpfungs­kette des Agri­busi­ness sind vielfältig. Zu den äußeren Ein­fluss­fak­to­ren wie der Corona-Pan­de­mie oder dem Krieg in Ost­eu­ropa kommt die an­hal­tende po­li­ti­sche Dis­kus­sion um The­men wie Kli­ma­schutz, Tier­wohl und Bio­di­ver­sität. Da­bei de­fi­niert vor al­lem die EU-Kom­mis­sion durch ihr Ziel ei­nes kli­ma­neu­tra­len Kon­ti­nents bis 2050 („Green Deal“) die zen­tra­len Leit­plan­ken für eine koh­len­stoff­arme eu­ropäische Land­wirt­schaft, während der Han­del den Wunsch vie­ler Kun­den nach mehr Nach­hal­tig­keit di­rekt an die Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie wei­ter­gibt (Tier­hal­tungs­nach­weis, Frisch­fleischi­nitia­ti­ven) und die Bran­che zu ein­schnei­den­den An­pas­sun­gen in der Pro­duk­tion drängt. „Die Land­wirt­schaft wird sich verändern. Ne­ben die tra­di­tio­nel­len Kon­zepte tre­ten neue, al­ter­na­tive Ge­schäfts­mo­delle. Der Strauß wird bun­ter: Wind- und So­lar­en­er­gie, re­ge­ne­ra­tive Land­wirt­schaft und Kon­zepte wie Car­bon Far­ming ge­win­nen an Be­deu­tung“, zählt Mat­thias Schulze Stein­mann ei­nige der Zu­kunfts­trends in der Bran­che auf.

Auslaufmodell mit Zukunftsvisionen

„Wir müssen die Land­wirt­schaft ändern, die verfügba­ren Res­sour­cen nut­zen und die Wert­schöpfungs­kette ins­ge­samt bes­ser dar­stel­len“, sagt Jo­sef Hem­pen, der 1988 mit der Gründung der Er­zeu­ger­ge­mein­schaft für Schlacht­vieh (EZB) Bösel die Keim­zelle der heu­ti­gen Gold­schmaus Gruppe schuf. Die „Marke der Bau­ern“ eta­blierte sich seit­dem als ei­ner der führen­den deut­schen Fleisch­pro­du­zen­ten und legte da­bei be­son­de­ren Wert auf die größtmögli­che Trans­pa­renz sei­ner Ver­ar­bei­tungs­pro­zesse - von der Be­sich­ti­gung ein­zel­ner Bau­ernhöfe bis hin zur fir­men­ei­ge­nen Grill- und Koch­schule. „Wir sind uns der Be­deu­tung von Nach­hal­tig­keit und Kli­ma­schutz be­wusst. Die ge­samte Wert­schöpfungs­kette muss in­ein­an­der­grei­fen und da­bei die In­ter­es­sen von Men­sch und Tier glei­chermaßen berück­sich­ti­gen. Dafür muss die Po­li­tik klare Rah­men­be­din­gun­gen schaf­fen“, for­dert der Ma­na­ger alle Sei­ten zu ak­ti­vem Han­deln auf.

Neubestimmung der eigenen Position - Beispiel GS agri

Ero­die­rende Zah­len beim Schlacht­vieh, stei­gende An­for­de­run­gen an Hal­tungs­for­men, Her­kunft und Fut­ter, eine sin­kende Wett­be­werbsfähig­keit der deut­schen Land­wirt­schaft im EU-Bin­nen­markt so­wie die von der Po­li­tik aus­ge­ru­fene Agrar­wende zur Förde­rung des Öko­land­baus, vo­la­tile Roh­stoffmärkte und an­ge­spannte Lie­fer­ket­ten - die tie­ri­sche Wert­schöpfungs­kette ändert sich der­zeit in ra­san­ter Ge­schwin­dig­keit und zwingt auch große Agrarhänd­ler wie GS agri zu ei­ner stra­te­gi­schen Neu­ori­en­tie­rung. Die nord­deut­sche Wa­ren­ge­nos­sen­schaft mit dem Schwer­punkt Fut­ter­mit­tel­pro­duk­tion trägt die­sen Her­aus­for­de­run­gen Rech­nung: „Wir ver­su­chen seit ei­ni­gen Jah­ren un­sere Kräfte durch Al­li­an­zen und Ko­ope­ra­tio­nen zu bündeln, die Di­gi­ta­li­sie­rung vor­an­zu­trei­ben und un­se­ren Roh­wa­ren­be­zug zu di­ver­si­fi­zie­ren“, erläutert Cord Schi­plage. „Wir sind be­reit die Trans­for­ma­tion mit­zu­ge­stal­ten und ihre Chan­cen zu nut­zen, aber die Po­li­tik muss die Leit­plan­ken für eine nach­hal­tige und in­te­grierte Wert­schöpfungs­kette in der Agrar­wirt­schaft länger­fris­tig vor­ge­ben.“

Eb­ner Stolz und die NORD/LB wer­den die er­folg­rei­che Ko­ope­ra­tion mit wei­te­ren The­men aus der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie fort­set­zen. Chris­toph Ha­ver­mann, Part­ner bei Eb­ner Stolz, zieht denn auch ein po­si­ti­ves Fa­zit für die ge­mein­same Ver­an­stal­tungs­reihe: „Als führen­des Be­ra­tungs­un­ter­neh­men der Bran­che sind wir dem Agri­busi­ness tra­di­tio­nell eng ver­bun­den. Wir freuen uns auf den wei­te­ren Dia­log und ste­hen al­len Markt­teil­neh­mern mit un­se­rer langjähri­gen Er­fah­rung ent­lang der ge­sam­ten Wert­schöpfungs­kette gern als Spar­rings­part­ner zur Verfügung.“

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