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Photovoltaikanlagen liefernde Unternehmen schulden die Umsatzsteuer für die Leistungen ihrer Subunternehmer

Hessisches FG 26.9.2013, 1 K 2198/11

Ein Un­ter­neh­mer, der an seine Kun­den be­triebs­be­reite Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen lie­fert, kann nicht den Vor­steu­er­ab­zug aus den Rech­nun­gen sei­ner Sub­un­ter­neh­mer gel­tend ma­chen. Viel­mehr schul­det er nach den Vor­schrif­ten zur sog. um­ge­kehr­ten Steu­er­schuld­ner­schaft die Um­satz­steuer für die Leis­tun­gen der Sub­un­ter­neh­mer.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin ist ein auf den Ver­trieb und den Auf­bau schlüssel­fer­ti­ger Pho­to­vol­ta­ik­dach­an­la­gen spe­zia­li­sier­tes Un­ter­neh­men, das sich auch der Hilfe von Sub­un­ter­neh­mern be­diente. Das Fi­nanz­amt ließ zu Las­ten des Un­ter­neh­mens den Vor­steu­er­ab­zug aus den Rech­nun­gen sei­ner Sub­un­ter­neh­mer nicht zu.

Viel­mehr sei das Un­ter­neh­men im Streit­jahr 2010 Steu­er­schuld­ner für die Umsätze der Sub­un­ter­neh­mer i.H.v. rd. 1,5 Mio. €. Denn es habe mit sei­nen Kun­den Verträge über die Lie­fe­rung voll funk­ti­onsfähi­ger So­lar­an­la­gen ab­ge­schlos­sen und in­so­weit Werklie­fe­run­gen an die End­kun­den und da­mit auch Bau­leis­tun­gen er­bracht, was nach dem UStG zur sog. um­ge­kehr­ten Steu­er­schuld­ner­schaft führe.

Das FG wies die hier­ge­gen ge­rich­tete Klage ab. Das Ur­teil ist noch nicht rechtskräftig. Die Re­vi­sion wird beim BFH un­ter dem Az. XI R 3/14 geführt.

Die Gründe:
Das Fi­nanz­amt ist zu Recht von ei­ner Steu­er­schuld­ner­schaft der Kläge­rin für die ent­spre­chen­den Umsätze aus­ge­gan­gen. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 13 b UStG lie­gen vor.

Die Kläge­rin hat ge­genüber sei­nen Kun­den eine um­fas­sende Leis­tung er­bracht. Ne­ben der An­brin­gung der Pho­to­vol­ta­ik­an­lage auf dem Dach hat es String­lei­tun­gen vom Mo­dul zum Wech­sel­rich­ter ver­legt, den Wech­sel­rich­ter an die Zähler­an­lage an­ge­schlos­sen, die Zähler­an­lage er­neu­ert oder um­ge­baut, einen Blitz­schutz an­ge­bracht, Ka­bel­tras­sen ver­klei­det und die Un­ter­kon­struk­tion für die Wech­sel­rich­ter her­ge­stellt und mon­tiert.

Hier­bei han­delt es sich um Bau­leis­tun­gen i.S.d. § 13 b Abs. 2 S. 1 Nr. 4 UStG, die im Zu­sam­men­hang mit einem Bau­werk aus­geführt wor­den sind. Glei­ches gilt für die kon­kre­ten Leis­tun­gen der Sub­un­ter­neh­mer. Nach der ak­tu­el­len Recht­spre­chung des EuGH ist der Be­griff der Bau­leis­tun­gen weit zu ver­ste­hen und kann auch - wie hier - in der bau­werks­be­zo­ge­nen Lie­fe­rung von Ge­genständen be­ste­hen. Ent­schei­dend ist, dass so­wohl das kla­gende Un­ter­neh­men selbst als auch die Sub­un­ter­neh­mer Bau­leis­tun­gen er­bracht ha­ben.

Da zu der Frage, ob die Lie­fe­rung und Mon­tage von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen Bau­leis­tun­gen sind, bis­her keine höchstrich­ter­li­che Recht­spre­chung vor­liegt, war die Re­vi­sion zum BFH zu­zu­las­sen.

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