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Niedersächsisches FG zur Steuerfreiheit von Umsätzen aus der Kryokonservierung weiblicher Eizellen

Urteil des Niedersächsischen FG vom 14.3.2013 - 5 K 9/11

Umsätze aus der Kryo­kon­ser­vie­rung (kühle La­ge­rung) weib­li­cher Ei­zel­len un­ter­lie­gen auch dann der Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 14 UStG, wenn die Ei­zel­len nach er­folg­rei­cher ers­ter Schwan­ger­schaft zur Durchführung von wei­te­ren Schwan­ger­schaf­ten vor­ge­hal­ten wer­den. Die über den Zeit­punkt der erst­ma­li­gen Schwan­ger­schaft hin­aus­ge­hende La­ge­rung der Ei­zel­len dient der Her­beiführung ei­ner wei­te­ren Schwan­ger­schaft und da­mit wei­ter­hin the­ra­peu­ti­schen Zwecken.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin führt künst­li­che Be­fruch­tun­gen durch. Dazu wer­den der Pa­ti­en­tin Ei­zel­len ent­nom­men, be­fruch­tet, kryo­kon­ser­viert und in einem späte­ren Zy­klus wie­der ein­ge­setzt. Über­schüssige Ei­zel­len wer­den für die Her­beiführung von wei­te­ren Schwan­ger­schaf­ten vor­ge­hal­ten. Die Kläge­rin be­han­delte sämt­li­che Umsätze aus der Kryo­kon­ser­vie­rung als steu­er­frei.

Dem­ge­genüber un­ter­schied das Fi­nanz­amt da­nach, ob die Ei­zel­len für eine erst­ma­lige oder wei­tere Schwan­ger­schaft ver­wen­det würden. Nur so­weit die Kon­ser­vie­rung im Zu­sam­men­hang mit ei­ner kon­kre­ten Frucht­bar­keits­be­hand­lung dazu diene, überzählige Ei­zel­len auf­zu­be­wah­ren und in einem späte­ren Zy­klus ein­zu­set­zen, könne sie Teil ei­ner steu­er­freien Heil­be­hand­lung sein. Die Kon­ser­vie­rungs­leis­tun­gen nach ei­ner (ers­ten) Schwan­ger­schaft stünden aber in kei­nem Zu­sam­men­hang mit der Ver­hin­de­rung ei­ner Krank­heit bzw. ei­ner the­ra­peu­ti­schen Maßnahme.

Das FG gab der hier­ge­gen ge­rich­te­ten Klage statt. Die Re­vi­sion zum BFH wurde zu­ge­las­sen, weil die auf­ge­wor­fene Rechts­frage grundsätz­li­che Be­deu­tung hat und höchstrich­ter­lich noch nicht geklärt ist.

Die Gründe:
Auch die Umsätze aus der Kryo­kon­ser­vie­rung nach er­folg­rei­cher ers­ter Schwan­ger­schaft un­ter­fal­len der Be­frei­ungs­vor­schrift des § 4 Nr. 14 UStG.

Die La­ge­rung der Ei­zel­len zur Her­beiführung ei­ner Schwan­ger­schaft dient ins­ge­samt the­ra­peu­ti­schen Zwecken. Dies gilt un­abhängig da­von, ob die ver­wahr­ten Ei­zel­len für eine erst­ma­lige oder für wei­tere Schwan­ger­schaf­ten ver­wen­det wer­den. Verträge über die Kryo­kon­ser­vie­rung schließt die Kläge­rin nur ab, wenn bei einem der bei­den fort­pflan­zungs­wil­li­gen Part­ner eine or­ga­ni­sch be­dingte Ste­ri­lität vor­liegt. Die or­ga­ni­sch be­dingte Ste­ri­lität ist die Krank­heit, die von der Kläge­rin be­han­delt wird. Der un­erfüllte Kin­der­wunsch ist die Krank­heits­folge.

Diese Krank­heits­folge kann durch die er­folg­rei­che ärzt­li­che Her­beiführung ei­ner ers­ten Schwan­ger­schaft ge­lin­dert wer­den. Dies ändert je­doch nichts daran, dass die or­ga­ni­sch be­dingte Ste­ri­lität als Krank­heit ohne zeit­li­che Un­ter­bre­chung hin­aus fort­dau­ert. Die über den Zeit­punkt der erst­ma­li­gen Schwan­ger­schaft hin­aus­ge­hende La­ge­rung der Ei­zel­len dient in­so­fern der Her­beiführung ei­ner wei­te­ren Schwan­ger­schaft und da­mit wei­ter­hin the­ra­peu­ti­schen Zwecken.

Da­bei ist die Kryo­kon­ser­vie­rung der be­reits ein­mal ge­won­ne­nen Ei­zel­len un­ter dem Ge­sichts­punkt der Verhält­nismäßig­keit das mil­deste Mit­tel im Ver­gleich mit dem Auf­wand und den Ri­si­ken, die mit der er­neu­ten Ent­nahme von Ei­zel­len ver­bun­den wären. Die Kryo­kon­ser­vie­rung dient so­mit der Lin­de­rung der or­ga­ni­sch be­ding­ten Ste­ri­lität.

Link­hin­weis:

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