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Neue Bestätigungsvermerke des Abschlussprüfers

Die Reform der Abschlussprüfung durch die EU und das entsprechende deutsche Umsetzungsgesetz (Abschlussprüfungsreformgesetz) hat auch eine veränderte Berichterstattung des Abschlussprüfers im Bestätigungsvermerk zur Folge.

Mit dem Ziel die Aus­sa­ge­kraft des Bestä­ti­gungs­ver­merks zu stei­gern, Miss­ver­ständ­nisse über Auf­ga­ben und Inhalt der Abschluss­prü­fung („sog. expec­ta­tion gap“) zu ver­mei­den und eine inter­na­tio­nal ein­heit­li­che Berich­t­er­stat­tung sicher­zu­s­tel­len, wur­den die ent­sp­re­chen­den inter­na­tio­na­len Stan­dards des IAASB in deut­sches Recht ein­ge­führt.

Neue Bestätigungsvermerke des Abschlussprüfers© Thinkstock

Als wesent­li­che Merk­male der künf­ti­gen Berich­t­er­stat­tung sind her­vor­zu­he­ben:

  • Vor­an­stel­lung des Prü­fung­s­ur­teils
  • Stär­kere Unter­g­lie­de­rung des Bestä­ti­gungs­ver­merks
  • Ergän­zende Anfor­de­run­gen zum Bestä­ti­gungs­ver­merk für kapi­tal­markt­no­tierte u.a. sog. PIE-Unter­neh­men (Key Audit Mat­ters)
  • Hier­ar­chie­bil­dung zwi­schen den ver­schie­de­nen Stan­dards zum Bestä­ti­gungs­ver­merk

Vor­an­stel­lung des Prü­fung­s­ur­teils

Im Unter­schied zur bis­he­ri­gen deut­schen Rege­lung wird in den neuen Bestä­ti­gungs­ver­mer­ken das Urteil über den Abschluss stets vor­an­ge­s­tellt. Ent­ge­gen den ursprüng­lich ver­öf­f­ent­lich­ten Ent­wür­fen des Prü­fungs­stan­dards IDW PS 400 prä­fe­riert das IDW nach Durch­füh­rung des Kon­sul­ta­ti­on­s­pro­zes­ses nun­mehr eine Zusam­men­fas­sung des Prü­fung­s­ur­teils mit dem Urteil zum Lage­be­richt. Dies stellt eine Abwei­chung zum inter­na­tio­na­len Vor­ge­hen nach ISA 700 dar, mit der die beson­dere Bedeu­tung des Lage­be­richts in Deut­sch­land her­aus­ge­s­tellt wer­den soll.

Stär­kere Unter­g­lie­de­rung des Bestä­ti­gungs­ver­merks

Der gegen­über der bis­he­ri­gen Pra­xis noch­mals erwei­terte Text­um­fang des Bestä­ti­gungs­ver­merks führt dazu, dass der Bestä­ti­gungs­ver­merk künf­tig stär­ker unter­g­lie­dert wird. Nach den Prü­fung­s­ur­tei­len fol­gen sepa­rate Abschnitte zu den Grund­la­gen für die Prü­fung­s­ur­teile, Key Audit Mat­ters, ggfs. zur Dar­stel­lung von Unsi­cher­hei­ten bzgl. Going Con­cern, sodann zu den Ver­ant­wort­lich­kei­ten für den Abschluss und den­je­ni­gen des Abschluss­prü­fers und ggfs. zu sons­ti­gen Berichtspf­lich­ten.

Key Audit Mat­ters

Das Kon­zept der Key Audit Mat­ters ist nach der EU-Ver­ord­nung für alle Prü­fun­gen von sog. Pub­lic Inte­rest Enti­ties, also kapi­tal­markt­no­tierte Unter­neh­men und bestimmte Ban­ken und Ver­si­che­run­gen, vor­ge­schrie­ben, nach den ISAs (ISA 701) wei­ter­ge­hend für alle Prü­fun­gen von Abschlüs­sen bör­sen­no­tier­ter Unter­neh­men.

Der Begriff Key Audit Mat­ters (KAM) stammt aus der inter­na­tio­na­len Prü­fungs­pra­xis und besch­reibt die wich­tigs­ten Sach­ver­halte einer Prü­fung, die der Wirt­schafts­prü­fer auch mit den Auf­sicht­s­or­ga­nen des Unter­neh­mens bespro­chen hat. Ein­zel­ur­teile und Ergän­zun­gen not­wen­di­ger Abschlus­s­an­ga­ben sind nicht als Inhalt von Key Audit Mat­ters anzu­se­hen. Es sind viel­mehr spe­zi­fi­sche Infor­ma­tio­nen über die Prü­fungs­durch­füh­rung bzw. über beson­dere Prü­fungs­schwer­punkte dar­zu­s­tel­len.

Nicht unpro­b­le­ma­tisch ist die Abg­ren­zung von Key Audit Mat­ters, da es keine feste Regel gibt, wel­che Infor­ma­tio­nen auf­zu­neh­men bzw. auch nicht dar­ge­s­tellt wer­den sol­len. Diese Ermes­sens­spiel­räume sind eben­falls in Hin­blick auf haf­tungs­recht­li­che Fol­gen von gro­ßer Bedeu­tung. Ebenso könnte die for­mel­hafte Wie­der­ho­lung von sol­chen Key Audit Mat­ters bei auf­ein­an­der­fol­gen­den Abschlüs­sen ein Pro­b­lem dar­s­tel­len, da sich in die­sem Kon­text eine sog. Boi­ler Plate Lan­guage eta­b­lie­ren könnte. Fai­rer­weise wird man erst eine gewisse Zeit abwar­ten müs­sen, um fun­dierte Aus­sa­gen zu tref­fen, ob sich diese gele­gent­lich arti­ku­lierte Ver­mu­tung bewahr­hei­tet.

Die Aus­wahl von Key Audit Mat­ters muss man sich wie einen Fil­ter vor­s­tel­len, bei dem der Wirt­schafts­prü­fer sich aus der Menge der The­men, mit den zur Über­wa­chung beru­fe­nen Unter­neh­men­s­or­ga­nen in einem schritt­wei­sen Pro­zess die­je­ni­gen Infor­ma­tio­nen her­aus­fil­tert, die für die Prü­fung als Sach­ver­halte mit größ­ter Bedeu­tung zu klas­si­fi­zie­ren sind:

Ebner Stolz - Key Audit Matters

Typi­sche Prü­fungs­ge­biete, die Gegen­stand von Key Audit Mat­ters sein kön­nen, sind etwa Ent­wick­lungs­kos­ten, Good­will, Latente Steu­ern, Umsatz­rea­li­sie­rung und hohe Ein­zel­rück­stel­lun­gen, z. B. aus Pro­zess­ri­si­ken.

Hier­ar­chie­bil­dung der ver­schie­de­nen Stan­dards zum Bestä­ti­gungs­ver­merk

Im Unter­schied zur bis­he­ri­gen deut­schen Pra­xis wer­den die Vor­ga­ben zum Bestä­ti­gungs­ver­merk künf­tig auf meh­rere Stan­dards auf­ge­teilt. Dies bedingt die Not­wen­dig­keit, die Bedeu­tung der ein­zel­nen Stan­dards zu dif­fe­ren­zie­ren. Wie sich aus der nach­ste­hen­den Gra­phik ergibt, fol­gen auf den Grund­la­gen­stan­dard (PS 400) die Rege­lun­gen zu Modi­fi­zie­run­gen des BestV (Ein­schrän­kun­gen und Ver­sa­gun­gen), sodann die prü­fe­ri­schen Aus­sa­gen bei Going Con­cern Fra­ge­stel­lun­gen, dem wie­derum die Aus­füh­run­gen zu Key Audit Mat­ters und zu den sog. Hin­wei­sen nach­ge­ord­net sind.

Ebner Stolz - IDW PS 450 n.F. Prüfungsbericht

Anwen­dungs­zeit­punkt

Die Ver­ab­schie­dung der ent­sp­re­chen­den IDW Prü­fungs­stan­dards ist für Dezem­ber 2017 vor­ge­se­hen. Bei sog. PIE-Unter­neh­men muss die Berich­t­er­stat­tung bereits für Geschäfts­jahre, die nach dem 16.6.2017 enden, nach neuem For­mat erfol­gen. Bei allen ande­ren Unter­neh­men ist die erst­ma­lige Anwen­dung spä­tes­tens zum 31.12.2018 vor­ge­se­hen.


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