de en
Nexia Ebner Stolz

Aktuelles

Musterverfahren zur Gewinnminderung bei Holzeinschlag im Forstbetrieb

BFH 18.2.2015, IV R 35/11

Einschläge zur Anlegung von befestigten Wirtschaftswegen oder Lagerplätzen führen immer zur Abspaltung des auf das eingeschlagene Holz entfallenden Teils des Buchwertes. Die Anlage von (unbefestigten) Rückewegen ist allerdings als Durchforstungsmaßnahme anzusehen, die keine Minderung des Buchwertes für das stehende Holz zur Folge hat. Es handelt sich hierbei um ein Musterverfahren, das den Erwerb von Wald in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung betraf.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger hatte im Juni 2003 einen Wald in Thürin­gen erwor­ben, in dem not­wen­dige Durch­for­s­tungs­maß­nah­men schon län­ger unter­b­lie­ben waren. Bei der dar­auf­hin vom Klä­ger nach­ge­hol­ten Durch­for­s­tung muss­ten u.a. Rücke­wege frei­ge­schla­gen wer­den. Hier­bei han­delt es sich um unbe­fes­tigte forst­wirt­schaft­li­che Wege, die zum Trans­port von gefäll­ten Bäu­men durch Maschi­nen oder Pferde vom Hie­b­ort zum Auf­be­rei­tungs- und Ver­la­de­platz an einer befes­tig­ten Forst­straße die­nen. Außer­dem wur­den mit LKW befahr­bare Wirt­schafts­wege und Holz­la­ger­plätze ange­legt.

Aus dem Ver­kauf des ein­ge­schla­ge­nen Hol­zes erzielte der Klä­ger erheb­li­che Erlöse, von denen er einen Teil der Anschaf­fungs­kos­ten des Baum­be­stan­des auf­grund des vor­ge­nom­me­nen Holz­ein­schlags abzie­hen wollte. Dem folg­ten weder das Finanz­amt noch das FG. Auf die Revi­sion des Klä­gers hob der BFH das ers­t­in­stanz­li­che Urteil auf und wies die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück.

Die Gründe:
Ein sol­cher Abzug kommt beim Ein­schlag im Zusam­men­hang mit Durch­for­s­tungs­maß­nah­men nicht in Betracht, da der Wald dadurch nicht an Wert ver­liert. Durch­for­s­tungs­maß­nah­men die­nen dem Zweck, durch Ent­fer­nung forst­wirt­schaft­lich uner­wünsch­ter Bäume dem vor­han­de­nen Bestand ein wei­te­res unge­hin­der­tes Wachs­tum zu sichern und dadurch Wert­s­tei­ge­run­gen des Bestands zu errei­chen. Die Sub­stanz­min­de­rung durch den Ein­schlag fällt im Ver­g­leich zur Sub­stanz­si­che­rung des zu erhal­ten­den Baum­be­stands nicht ins Gewicht. Dies gilt auch, wenn diese Maß­nah­men in einem Jahr einen grö­ße­ren Umfang haben, weil in Vor­jah­ren davon abge­se­hen wurde. Zu Durch­for­s­tungs­maß­nah­men im vor­ste­hen­den Sinn rech­net der Senat auch den Ein­schlag nicht hiebs­rei­fer Bäume zur Anlage eines nicht befes­tig­ten Rücke­wegs.

Anders ist es bei Ein­schlä­gen, die für die Frei­räu­mung von Flächen für befes­tigte Wege und Lager­plätze erfor­der­lich wer­den. Eine sol­che Anlage führt immer zu einer Min­de­rung des Buch­wer­tes des ste­hen­den Hol­zes durch Abspal­tung eines Teil­be­trags davon. Mit dem Beginn der Befes­ti­gung eines von LKW befahr­ba­ren Wegs oder Plat­zes ent­steht ein eigen­stän­di­ges Wirt­schafts­gut. Nach BFH-Recht­sp­re­chung stel­len befes­tigte Wege unbe­we­g­li­che Gegen­stände dar, die einer eigen­stän­di­gen Bewer­tung zugäng­lich sind und auch sonst alle Vor­aus­set­zun­gen für die Annahme eines Wirt­schafts­guts erfül­len. Hof- und Platz­be­fes­ti­gun­gen, Stra­ßen­zu­fahr­ten, Befes­ti­gun­gen der Stell­plätze und Umzäu­n­un­gen von Betriebs­grund­stü­cken sind eben­falls als selb­stän­dige Wirt­schafts­gü­ter, nicht als Bestand­teile von Gebäu­den zu betrach­ten.

Mit dem Ent­ste­hen des neuen Wirt­schafts­guts ver­selb­stän­digt sich auch das auf sei­ner Fläche ste­hende Holz zu einem eigen­stän­di­gen Bestand, ohne dass die­ser eine bestimmte Min­dest­größe auf­wei­sen müsste. Dies hat zur Folge, dass sich ein ent­sp­re­chen­der Teil vom bis­he­ri­gen Wert des ste­hen­den Hol­zes abspal­tet. Der Ein­schlag des Hol­zes bei Errich­tung des befes­tig­ten Wegs oder Plat­zes führt dann zum Unter­gang die­ses Wirt­schafts­guts mit der Folge, dass der betref­fende Wert ent­we­der dem zum Umlauf­ver­mö­gen gehö­ren­den geschla­ge­nen Holz zuwächst, soweit die­ses zur wei­te­ren betrieb­li­chen Ver­wen­dung oder zum Ver­kauf vor­ge­se­hen ist, oder aber den Gewinn sofort min­dert, soweit keine Ver­wen­dung im Betrieb mehr mög­lich ist.

Das FG war von ande­ren Grund­sät­zen aus­ge­gan­gen. Es hatte bis­her einen Abzug ins­ge­s­amt für unzu­läs­sig gehal­ten und dem­ent­sp­re­chend den antei­li­gen Wert der ein­ge­schla­ge­nen Stämme nicht ermit­telt.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BFH ver­öf­f­ent­licht.
  • Um direkt zum Voll­text zu gelan­gen, kli­cken Sie bitte hier.
nach oben