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Corona- und Wirtschafts-Krise: Worauf Geschäftsführer achten müssen

Produktionsstillstand, Ausgangsbeschränkungen, Veranstaltungs- und Kontaktverbote. Das Coronavirus hat die Wirtschaft mehr als sieben Wochen lahmgelegt - für das zweite Quartal 2020 wird mit einer schweren Rezession gerechnet.

Doch geht es um weit mehr als „nur“ eine Corona-Lock­down-Krise. Schon 2019 kün­digte sich eine Ein­tr­übung der welt­wei­ten Kon­junk­tur an: In den Schwel­len­märk­ten ließ die Nach­frage nach, in Europa ver­lang­samte sich die Kon­junk­tur, und im Dezem­ber 2019 gab es in den USA Tur­bu­len­zen auf dem Repo-Markt. Nun tref­fen zusätz­lich die Aus­wir­kun­gen der Corona Pan­de­mie die Wirt­schaft. Vor die­sem Hin­ter­grund stellt sich die Frage, wie sich Geschäfts­füh­rer im gegen­wär­ti­gen Umfeld ver­hal­ten soll­ten.

Corona- und Wirtschafts-Krise: Worauf Geschäftsführer achten müssen© iStock

Kri­sen­ma­na­ge­ment

In Zei­ten von Corona kann ein Unter­neh­men auf­grund nicht selbst beein­fluss­ba­rer Rah­men­be­din­gun­gen in die Krise gera­ten. Gerade jetzt ist eine bedachte Unter­neh­mens­steue­rung unab­ding­bar. Hierzu gehört auch und gerade in unsi­che­ren Zei­ten eine Unter­neh­mens­pla­nung. Dass vie­les der­zeit nicht plan­bar erscheint, sollte nicht dazu ver­lei­ten, gänz­lich von Pla­nung abzu­se­hen. Als Min­dest­stan­dard sollte eine rol­lie­rende 13-Wochen-Pla­nung selbst­ver­ständ­lich sein. Damit kann ein zen­tra­­les betrieb­s­­wir­t­­schaf­t­­li­ches Instru­­ment der Kri­­sen­­über­wa­chung und -steu­e­rung imp­le­men­tiert wer­den. In einer sol­chen Pla­nung sind die erwar­­ten Zah­­lungs­­­ströme unter Berück­­si­ch­­ti­­gung bes­te­hen­­der Kre­­dit­­li­­nien und Fin­an­­zie­rungs­­zu­­­sa­­gen sowie der fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten zu erfas­­sen. Diese Liqui­­di­täts­vor­­­schau sollte durch die Ein­rich­­tung eines Liqui­­di­täts­­büros flan­kiert wer­den, das für die tages­­ge­naue Über­wa­chung der Liqui­­di­tät ver­­an­t­wor­t­­lich ist. Aus den Erkenn­t­­nis­­sen der Pla­nung sind dann ent­­­sp­­re­chende Maß­­nah­­men zur Liqui­­di­täts­­steu­e­rung und -siche­rung abzu­­­lei­­ten. Zug­leich sollte für ein akti­ves Wor­king-Capi­tal Mana­ge­ment gesorgt wer­den.

Was tun in der Akut­krise?

Tritt der akute Kri­­sen­­fall ein und wird das Unter­­neh­­men zah­­lung­s­un­­fähig bzw. über­­schu­l­­det, bestand bis­lang die Pflicht für die Geschäfts­­­füh­rung, bin­­nen drei Wochen einen Insol­ven­z­an­­trag zu stel­­len. Mit dem sog. Corona-Insol­venz-Aus­­­set­zungs­­­ge­­setz (Cor­In­­sAG) hat der Gesetz­ge­ber jedoch wäh­­rend der aktu­el­­len Pan­­de­­mie­lage die Insol­ven­z­an­­tragspf­­licht - gegen­wär­tig bis Ende Sep­tem­ber 2020 - außer Kraft gesetzt, es sei denn, die Insol­ven­z­­reife ist nicht auf die Aus­­wir­kun­­gen der Corona-Pan­­de­­mie zurück­zu­­­füh­­ren und es bes­te­hen keine Aus­­­si­ch­­ten, eine ein­­ge­t­­re­­tene Zah­­lung­s­un­­fähi­g­keit zu besei­­ti­­gen. Zur Erleich­te­rung der Fest­stel­lung hat der Gesetz­ge­ber ein Stich­tag­s­prin­zip ein­ge­führt. Danach gilt: War das Unter­neh­men zum 31.12.2019 zah­lungs­fähig, wird ver­mu­tet, dass die Insol­venz­reife auf den Aus­wir­kun­gen der Corona-Pan­de­mie beruht und Aus­sich­ten dar­auf beste­hen, eine beste­hende Zah­lung­s­un­fähig­keit zu besei­ti­gen. Solange die Insol­venz­an­tragspf­licht aus­ge­setzt ist, gel­ten flan­kie­rend deut­li­che Haf­tung­s­er­leich­te­run­gen für den Geschäfts­füh­rer bei der Vor­nahme von Zah­lun­gen.  

Wie der Kri­sen­fall ver­mie­den wer­den kann

Um den Fort­be­stand des Unter­neh­mens zu sichern, sollte ggf. die Bean­tra­gung der staat­li­cher­seits bereit­ge­s­tell­ten Über­brü­ckungs­mög­lich­kei­ten wegen der Corona-Krise in Betracht gezo­gen wer­den. Dies vor allem auch des­halb, weil das Mana­ge­ment die Pflicht hat, alles Erfor­der­li­che zu tun, um einen Fort­be­stand des Unter­neh­mens zu sichern. Zu die­sen Maß­nah­men kön­nen auch die Bean­tra­gung von Kurz­ar­beit, Per­so­nal­ab­bau­maß­nah­men oder Umstruk­tu­rie­run­gen zäh­len. Kei­nes­wegs darf abge­war­tet wer­den, bis die gesamte Liqui­di­tät ver­braucht ist. Die Hin­zu­zie­hung von Exper­ten ist spä­tes­tens ab die­sem Sta­dium drin­gend zu raten.

Unter­neh­mens­krise auch ohne Corona

Unter­neh­men, die schon Ende 2019 - vor Hin­zu­t­re­ten der Corona-Pan­de­mie - in Schwie­rig­kei­ten gera­ten sind und für die des­halb die Insol­venz­an­tragspf­licht nicht bis Ende Sep­tem­ber aus­ge­setzt ist, ist sch­nel­les Han­deln gebo­ten. Dazu gehö­ren auch die gericht­li­chen Restruk­tu­rie­rungs­for­men wie Eigen­ver­wal­tung und Schutz­schirm­ver­fah­ren nach dem Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men (ESUG), die eine eigen­stän­dige Restruk­tu­rie­rung unter Auf­sicht eines vor­läu­fi­gen Sach­wal­ters ermög­li­chen. Dem­nächst wird ein wei­te­res förm­li­ches Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­ren hin­zu­kom­men. Sobald die sog. „Restruk­tu­rie­rungs­richt­li­nie“ (Richt­li­nie (EU) 2019/1023) umge­setzt ist, wird Unter­neh­men in Deut­sch­land ein vor­in­sol­venz­li­ches Sanie­rungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen. Kern des künf­ti­gen Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­rens bil­det der sog. Restruk­tu­rie­rungs­plan. Die­ser ähnelt dem Insol­venz­plan, setzt jedoch nicht die Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens vor­aus, son­dern ist gerade auf die Ver­mei­dung der Insol­venz gerich­tet.

An die Sta­ke­hol­der den­ken!

Zu jeder Zeit einer Unter­neh­mens­krise ist ein akti­ves Sta­ke­hol­der-Mana­ge­ment wich­tig. Die Bedeu­tung von recht­zei­ti­ger, offe­ner und tran­s­pa­ren­ter Kom­mu­ni­ka­tion kann gar nicht hoch genug ein­ge­schätzt wer­den. Gesell­schaf­ter, Ban­ken, Kre­dit­ver­si­che­rer sowie Lie­fe­r­an­ten und Kun­den sind ins Boot zu holen. Will man in einer aku­ten Krise noch etwas bewir­ken, kann dies nur auf Grund­lage von Ver­trauen in die han­deln­den Per­so­nen gesche­hen. Ein­mal ver­lo­re­nes Ver­trauen ist kaum wie­der her­zu­s­tel­len.

Risi­ken begeg­nen und Chan­cen nut­zen

Genug der Schwarz­ma­le­rei: Denn auch eine Krise kann Chan­cen mit sich brin­gen; etwa für Ver­än­de­run­gen, zu denen man sonst nicht bereit gewe­sen wäre. Zug­leich sind Kri­sen­zei­ten Zei­ten der Markt­be­r­ei­ni­gung. Und viel­leicht trifft es ja den Wett­be­wer­ber. Es lohnt sich, nach Über­nah­me­kan­di­da­ten Aus­schau zu hal­ten.

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