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Schwächelnde Konjunktur: Worauf Geschäftsführer achten müssen

Herausfordernde Zeiten für Unternehmen und deren Geschäftsführer - denn insb. die Corona-Krise setzt der Konjunktur stark zu. Auf Geschäftsführer kommen dadurch umfassende Aufgaben zu.

Gegen­wär­tig ist die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung für Unter­neh­men eher unge­wiss. Die Kon­junk­tu­r­aus­sich­ten haben sich welt­weit ein­ge­tr­übt. Der Han­dels­st­reit mit den USA schwelt. Die Fol­gen des Bre­x­its sind nach wie vor unge­wiss. Auch kann nicht abge­se­hen wer­den, wel­che Fol­gen die Aus­b­rei­tung des Coro­na­vi­rus auf die Welt­wirt­schaft haben wird. Hinzu kom­men sys­te­mi­sche Ent­wick­lun­gen. Die Digi­ta­li­sie­rung greift tief in die Geschäfts­mo­delle von Unter­neh­men ein. Ban­ken wer­den vor­sich­ti­ger und Ratin­ga­gen­tu­ren rech­nen mit mehr Insol­ven­zen. Wie müs­sen sich Geschäfts­füh­rer im gegen­wär­ti­gen Umfeld ver­hal­ten?

Schwächelnde Konjunktur: Worauf Geschäftsführer achten müssen© Jan Hendrik Groß, Rechtsanwalt und Partner bei Ebner Stolz in Köln

Grund­sätz­lich gilt, dass Geschäfts­füh­rer früh­zei­tig die rich­ti­gen Wei­chen stel­len müs­sen, um einer aku­ten Krise vor­zu­beu­gen. Denn Unter­neh­men gera­ten immer dann in schwie­ri­ges Fahr­was­ser, wenn sie Ver­än­de­run­gen in Markt oder Bran­che nicht oder zu spät erken­nen.  Unter­neh­mens­len­ker müs­sen daher das Geschäfts­mo­dell lau­fend und mit Weit­blick auf den Prüf­stand stel­len. Dies gebie­tet die Sorg­faltspf­licht eines ordent­li­chen Geschäfts­man­nes. Sie soll­ten Trends in der Bran­che erken­nen und dar­auf rea­gie­ren, wie etwa in den Berei­chen Elek­tro­mo­bi­li­tät, die Ent­wick­lung zur Platt­formö­ko­no­mie, Kli­ma­schutz und Nach­hal­tig­keit. Wer­den sol­che Ent­wick­lun­gen „ver­schla­fen“, kann dies den Fort­be­stand des Unter­neh­mens gefähr­den.

Wich­tig ist dazu vor allem ein wirk­sa­mes Frühwarn­sys­tem, um Ertrags- und Liqui­di­täts­kri­sen recht­zei­tig zu erken­nen. Dazu gehört zumin­dest eine rol­lie­rende 13-Wochen-Pla­nung auf Basis der Mit­tel­frist­pla­nung. Ist die Liqui­di­tät bereits knapp und droht die Zah­lung­s­un­fähig­keit, lau­tet das Gebot der Stunde: Sch­nell han­deln - aber mit Bedacht. Jetzt hat das Mana­ge­ment die Pflicht zur Sanie­rung. Kei­nes­wegs darf abge­war­tet wer­den, bis die gesamte Liqui­di­tät ver­braucht ist. Die Hin­zu­zie­hung von Exper­ten ist spä­tes­tens ab die­sem Sta­dium drin­gend zu raten.

Zu jeder Zeit ist ein akti­ves Sta­ke­hol­der-Mana­ge­ment wich­tig. Die Bedeu­tung von recht­zei­ti­ger, offe­ner und tran­s­pa­ren­ter Kom­mu­ni­ka­tion kann gar nicht hoch genug ein­ge­schätzt wer­den. Gesell­schaf­ter, Ban­ken, Kre­dit­ver­si­che­rer sowie Lie­fe­r­an­ten und Kun­den sind ins Boot zu holen. Will man in einer aku­ten Krise noch etwas bewir­ken, kann dies nur auf Grund­lage von Ver­trauen in die han­deln­den Per­so­nen gesche­hen. Ein­mal ver­lo­re­nes Ver­trauen ist kaum wie­der­her­zu­s­tel­len.

Um in einer Akut­krise hand­lungs­fähig zu blei­ben, emp­fiehlt es sich, sich vor­her bereits Gedan­ken über ein sol­ches Sze­na­rio zu machen. Hierzu zäh­len eine alter­na­tive Liqui­di­täts­si­che­rung und ein akti­ves Wor­king-Capi­tal Mana­ge­ment.

Alle Alter­na­ti­ven für eine Sanie­rung sind aus­zu­lo­ten, ein­sch­ließ­lich gericht­li­cher Restruk­tu­rie­rungs­for­men wie Eigen­ver­wal­tung und Schutz­schirm­ver­fah­ren nach dem Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men (ESUG), die eine eigen­stän­dige Restruk­tu­rie­rung unter Auf­sicht eines vor­läu­fi­gen Sach­wal­ters ermög­li­chen. Dem­nächst wird ein wei­te­res förm­li­ches Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­ren hin­zu­kom­men. Sobald die sog. „Restruk­tu­rie­rungs­richt­li­nie“ (Richt­li­nie (EU) 2019/1023) umge­setzt ist, wird Unter­neh­men in Deut­sch­land ein vor­in­sol­venz­li­ches Sanie­rungs­ver­fah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen. Kern des künf­ti­gen Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­rens bil­det der sog. Restruk­tu­rie­rungs­plan. Die­ser ähnelt dem Insol­venz­plan, setzt jedoch nicht die Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens vor­aus, son­dern ist gerade auf die Ver­mei­dung der Insol­venz gerich­tet.

Sobald ein Unter­neh­men ins Sch­lin­gern gerät, sind die Haf­tungs­ri­si­ken für Geschäfts­füh­rer hoch. Sie müs­sen lau­fend prü­fen, ob das Unter­neh­men zah­lung­s­un­fähig oder über­schul­det ist.  Die Prü­fung der Über­schul­dung ver­langt regel­mä­ßig, sich Gedan­ken über die Fort­be­ste­hen­s­prog­nose zu machen. Diese ist grund­sätz­lich nur dann posi­tiv, wenn das Unter­neh­men für das lau­fende und das fol­gende Geschäfts­jahr durch­fi­nan­ziert ist.

Liegt Zah­lung­s­un­fähig­keit oder Über­schul­dung vor, muss inn­er­halb von drei Wochen ein Insol­venz­an­trag ges­tellt wer­den. Ande­ren­falls droht dem Geschäfts­füh­rer zivil- und straf­recht­li­che Haf­tung.

Im Sta­dium der Insol­venz­reife haf­tet der Geschäfts­füh­rer per­sön­lich zudem für alle Zah­lun­gen der Gesell­schaft - u. U. auch für Abt­re­tun­gen, Auf­rech­nun­gen oder die Stel­lung von Sicher­hei­ten. Es gibt nur wenige Aus­nah­me­fälle (Arbeit­neh­me­r­an­teile zur Sozial­ver­si­che­rung, zwin­gend erfor­der­li­che Zah­lun­gen zur Auf­rech­t­er­hal­tung des Geschäfts­be­triebs, u. a.). Aber Vor­sicht: Falls der Geschäfts­füh­rer den Arbeit­neh­me­r­an­teil nicht abführt, macht er sich straf­bar. Wenn er aber nach Ein­tritt der Zah­lung­s­un­fähig­keit den vol­len Sozial­ver­si­che­rungs­bei­trag zahlt, haf­tet er per­sön­lich für den Arbeit­ge­ber­an­teil.

Ange­sichts der hohen und weit­rei­chen­den Haf­tungs­ri­si­ken soll­ten Geschäfts­füh­rer über den Abschluss einer D&O-Ver­si­che­rung nach­den­ken. Die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen soll­ten aber sorg­fäl­tig geprüft wer­den. Nicht jede Ver­si­che­rung bie­tet aus­rei­chend Schutz für Kri­sen­fälle.

Genug der Schwarz­ma­le­rei: Denn auch eine Krise kann Chan­cen mit sich brin­gen; etwa für Ver­än­de­run­gen, zu denen die Beleg­schaft viel­leicht ansons­ten nicht bereit wäre. Zug­leich sind Kri­sen­zei­ten Zei­ten der Markt­be­r­ei­ni­gung. Und viel­leicht trifft es ja den Wett­be­wer­ber. Es lohnt sich, nach Über­nah­me­kan­di­da­ten Aus­schau zu hal­ten.

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