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Steuerberatung

Investmentsteuerreform - Auswirkungen auf die Steuererklärungen 2018

Die durch die Investmentsteuerreform grundlegend geänderten Vorgaben für die Besteuerung von Investmentfonds sind erstmals im Rahmen der Steuererklärung 2018 zu berücksichtigen. Was konkret im Rahmen der - bei Erstellung durch einen Steuerberater spätestens bis 29.2.2020 beim zuständigen Finanzamt einzureichenden - Steuererklärung zu beachten ist, dazu steht Manuela Wänger, Steuerberaterin und Partnerin bei Ebner Stolz in Stuttgart Rede und Antwort.

Frau Wän­ger, auch nach der Ein­füh­rung der Abgel­tung­steuer muss­ten Pri­vat­an­le­ger zumin­dest die aus­schüt­tungs­g­lei­chen Erträge aus­län­di­scher Invest­ment­fonds in ihren Steue­r­er­klär­un­gen ange­ben. Gilt dies noch für die Steue­r­er­klär­ung 2018?

Manuela Wänger, Steuerberater, Ebner Stolz, Kronenstraße 30, 70174 Stuttgart

Die bis­he­ri­gen aus­schüt­tungs­g­lei­chen Erträge wur­den durch die sog. Vor­ab­pau­schale ersetzt. Nach dem Gesetz gilt die Vor­ab­pau­schale am ers­ten Werk­tag des fol­gen­den Kalen­der­jah­res als zuge­f­los­sen. Für das Jahr 2018 ist dies der 2.1.2019, daher ist in den Steue­r­er­klär­un­gen für 2018 inso­fern nichts zu erfas­sen.

Aber auch in den fol­gen­den Steue­r­er­klär­un­gen ist eine Dekla­ra­tion der Vor­ab­pau­scha­len nur in Aus­nah­me­fäl­len erfor­der­lich. Sofern die Invest­ment­fond­s­an­teile bei einem inlän­di­schen Kre­di­t­in­sti­tut ver­wahrt wer­den, hat der Anle­ger der Bank grund­sätz­lich die Liqui­di­tät zur Abfüh­rung der Kapi­ta­l­er­trag­steuer und des Soli­da­ri­täts­zu­schlags sowie ggf. der Kir­chen­steuer auf die Vor­ab­pau­schale zur Ver­fü­gung zu stel­len. In die­sem Fall besteht auf­grund des abgel­ten­den Steue­r­ein­be­halts regel­mä­ßig keine Verpf­lich­tung mehr, die Erträge in der Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung des Anle­gers anzu­ge­ben. Nur bei Bank­be­zie­hun­gen zu aus­län­di­schen Finan­z­in­sti­tu­ten müs­sen Pri­vat­an­le­ger wei­ter­hin tätig wer­den.

Heißt das, dass Pri­vat­an­le­ger, die nur bei inlän­di­schen Finan­z­in­sti­tu­ten Kon­ten und Depots unter­hal­ten, künf­tig keine Erträge von Invest­ment­fonds mehr zu dekla­rie­ren haben?

Das ist fast rich­tig. Aller­dings gibt es zwei Aus­nah­men, die Steu­erpf­lich­tige stets im Hin­ter­kopf haben soll­ten und eine Ver­an­la­gung vor­teil­haft ist. Falls Anle­ger bestands­ge­schützte Alt-Anteile - also Invest­ment­fond­s­an­teile, die vor dem 1.1.2009 erwor­ben wur­den - mit Gewinn ver­äu­ßern, soll­ten sie die­sen in ihren Steue­r­er­klär­un­gen ange­ben. Hin­ter­grund ist, dass für die Ver­äu­ße­rungs­ge­winne der Alt-Anteile ein Frei­be­trag in Höhe von 100.000 Euro gewährt wird, jedoch nur im Rah­men der Ver­an­la­gung und nicht schon im Steu­er­ab­zugs­ver­fah­ren. Für die Erfas­sung die­ser Ver­äu­ße­rungs­ge­winne wur­den in der Anlage KAP 2018 eine neue Zeile ein­ge­führt.

Des Wei­te­ren kön­nen Pri­vat­an­le­ger im Fall der Rück­gabe oder Ver­äu­ße­rung von aus­län­di­schen the­sau­rie­ren­den Invest­ment­fonds eine Dop­pel­be­steue­rung der ord­nungs­ge­mäß in den Vor­jah­ren in den Steue­r­er­klär­un­gen dekla­rier­ten aus­schüt­tungs­g­lei­chen Erträge nur wie bis­her im Wege der Ver­an­la­gung ver­mei­den. Denn bei der Ver­äu­ße­rung oder Rück­gabe die­ser Invest­ment­fond­s­an­teile sind von dem inlän­di­schen Finan­z­in­sti­tut auf die aus­schüt­tungs­g­lei­chen Erträge der Vor­jahre Steu­ern ein­zu­be­hal­ten. In der Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung sind dann die Kapi­ta­l­er­träge ent­sp­re­chend zu kür­zen.

Wel­che Beson­der­hei­ten gibt es bei betrieb­li­chen Anle­gern?

Hier sind meh­rere Punkte zu beach­ten. Gene­rell ist anzu­mer­ken, dass der Steu­er­ab­zug bei betrieb­li­chen Anle­gern keine abgel­tende Wir­kung hat und immer eine Dekla­ra­tion zu erfol­gen hat. Zudem ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Steu­er­ab­zug bei Antei­len von Pub­li­kums-Invest­ment­fonds im Betriebs­ver­mö­gen nach den Regeln für Pri­vat­an­le­ger erfolgt. Zum Bei­spiel wer­den auf Aus­schüt­tun­gen, Vor­ab­pau­scha­len und Ver­äu­ße­rung­s­er­geb­nisse die Teil­f­rei­stel­lungs­sätze für Pri­vat­an­le­ger ange­wen­det. Die höhe­ren Teil­f­rei­stel­lungs­sätze bei betrieb­li­chen Anle­gern von Aktien- und Misch­fonds sind in der Steue­r­er­klär­ung als außer­bi­lan­zi­elle Kor­rek­tu­ren gel­tend zu machen/anzu­set­zen. Des Wei­te­ren wer­den die Ver­äu­ße­rung­s­er­geb­nisse für den Steu­er­ab­zug nach der Fifo-Methode ermit­telt. Gemäß dem BMF-Sch­rei­ben vom 21.5.2019 kön­nen betrieb­li­che Anle­gern aber die Ver­äu­ße­rung­s­er­geb­nisse im Ver­an­la­gungs­ver­fah­ren nach der Durch­schnitts­me­thode ermit­teln. Da bei bilan­zie­ren­den Anle­gern mit Invest­ment­fond­s­an­teile in einem Giro­sam­mel­de­pot in der Han­dels­bi­lanz zwin­gend die Durch­schnitts­me­thode anzu­wen­den ist, kön­nen so Abwei­chun­gen zwi­schen der Han­dels- und der Steu­er­bi­lanz ver­mie­den wer­den.

Für den Über­gang zum neuen Recht gel­ten auch alle Invest­ment­fond­s­an­teile im Betriebs­ver­mö­gen zum 31.12.2017 als ver­äu­ßert und zum 1.1.2018 als erwor­ben. Der sich erge­bende fik­tive Ver­äu­ße­rungs­ge­winn zum 31.12.2017 ist aller­dings erst zum Zeit­punkt der tat­säch­li­chen Ver­äu­ße­rung zu ver­steu­ern. Sehr wich­tig bei betrieb­li­chen Anle­gern ist, dass sie bei der Dekla­ra­tion des fik­ti­ven Ver­äu­ße­rungs­ge­winns an die außer­bi­lan­zi­elle Kor­rek­tur um die besitz­zei­t­an­tei­li­gen Anle­ger-Akti­en­ge­winne und Anle­ger-Immo­bi­li­en­ge­winne den­ken, da diese weder in den Steu­er­be­schei­ni­gun­gen noch in den Erträg­nis­auf­stel­lun­gen der Finan­z­in­sti­tute auf­ge­führt wer­den.

Gibt es noch etwas bei der Steue­r­er­klär­ung 2018 zu berück­sich­ti­gen?

Bei der Durch­sicht der Erträg­nis­auf­stel­lun­gen 2018 von eini­gen aus­län­di­schen Finan­z­in­sti­tu­ten haben wir fest­ge­s­tellt, dass bei Ver­äu­ße­run­gen von Invest­ment­fond­s­an­tei­len in 2018 die aus­schüt­tungs­g­lei­chen Erträge zum 31.12.2017 - ins­be­son­dere bei Bil­dung eines Rumpf­ge­schäfts­jah­res - bei der Ermitt­lung des Ver­äu­ße­rung­s­er­lö­ses nicht min­dernd berück­sich­tigt wur­den. Anle­ger soll­ten daher die Daten aus den Erträg­nis­auf­stel­lun­gen nicht unge­prüft in ihre Steue­r­er­klär­un­gen über­neh­men.

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