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Finanzverwaltung wendet Sanierungserlass in Altfällen weiter an

Nachdem der Große Senat des BFH den Sanierungserlass mit Beschluss vom 28.11.2016 (Az. GrS 1/15, BStBl. II 2017, S. 393) wegen Verstoßes gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung als rechtswidrig beurteilte, wies das BMF die Finanzämter mit Schreiben vom 27.4.2017 (BStBl. II 2017, S. 393) an, den Sanierungserlass gleichwohl in sog. Altfällen weiter anzuwenden.

Hier­un­ter fal­len Sanie­run­gen, bei denen die Gläu­bi­ger bis (ein­sch­ließ­lich) 8.2.2017 (Zeit­punkt der Ver­öf­f­ent­li­chung des BFH-Beschlus­ses) end­gül­tig auf ihre For­de­run­gen ver­zich­tet haben.

Dage­gen wandte sich der BFH und ent­schied mit Urtei­len vom 23.8.2017 (Az. I R 52/14, DB 2017, S. 2519, und Az. X R 38/15, DStR 2017, S. 2326), dass der Sanie­rung­s­er­lass auch in die­sen Alt­fäl­len nicht ange­wen­det wer­den darf.

Hin­weis

In einem der Ver­fah­ren wurde zwi­schen­zeit­lich Ver­fas­sungs­be­schwerde ein­ge­legt (Az. 2 BvR 2637/17).

Die Finanz­ver­wal­tung wen­det diese ableh­nen­den Urteile des BFH jedoch nicht über die ent­schie­de­nen Ein­zel­fälle hin­aus an (BMF-Sch­rei­ben vom 29.3.2018, Az. IV C 6 - S 2140/13/10003, DStR 2018, S. 680). Zur Begrün­dung wird dar­auf ver­wie­sen, dass der Gesetz­ge­ber im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens zur Neu­re­ge­lung der Steu­er­f­rei­heit von Sanie­rungs­ge­win­nen aus­drück­lich auf die Ver­trau­ens­schutz­re­ge­lung der Finanz­ver­wal­tung Bezug genom­men und diese damit gebil­ligt hat. Somit ver­fährt die Finanz­ver­wal­tung in Alt­fäl­len wei­ter­hin nach den Vor­ga­ben des Sanie­rung­s­er­las­ses.

Hin­weis

Für Schul­de­n­er­lasse nach dem 8.2.2017 kommt die Anwen­dung der Steu­er­be­f­rei­ung­s­tat­be­stände für Sanie­rungs­ge­winne in Betracht (§ 3a EStG und § 7b GewStG). Deren Inkraft­t­re­ten steht aller­dings unter dem Vor­be­halt des von der EU-Kom­mis­sion noch ein­zu­ho­len­den Beschlus­ses, dass darin keine staat­li­che Bei­hilfe gese­hen wird.



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