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FG Baden-Württemberg zu beschränkten Abzugsfähigkeit von Versicherungsbeiträgen

Urteil des FG Baden-Württemberg vom 31.1.2013 - 9 K 242/12

Die Berück­sich­ti­gung von Ver­si­che­rungs­beiträgen zu pri­va­ten Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­run­gen, Un­fall­ver­si­che­run­gen oder Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht ge­bo­ten. Diese Ver­si­che­run­gen gehören nicht zum so­zi­al­hil­fe­recht­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mum, denn sie die­nen ge­rade nicht der Si­che­rung der bloßen Exis­tenz der Kläger, son­dern primär dem Schutz und dem Er­halt von de­ren Vermögen und Le­bens­stan­dard.

Der Sach­ver­halt:
Ver­si­che­rungs­beiträge sind nur im Rah­men ei­nes be­stimm­ten Höchst­be­trags als Son­der­aus­ga­ben steu­er­lich ab­zugsfähig. Das BVerfG hatte in sei­ner Ent­schei­dung vom Fe­bruar 2008 (Az.: 2 BvL 1/06) den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug von Beiträgen zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung für nicht aus­rei­chend ge­hal­ten und dar­auf­hin den Ge­setz­ge­ber ver­pflich­tet, die­je­ni­gen Beiträge zum Ab­zug zu­zu­las­sen, die dem Steu­er­pflich­ti­gen und sei­ner Fa­mi­lie eine so­zi­al­hil­fe­glei­che Kran­ken- und Pfle­ge­ver­sor­gung ermögli­chen.

Die Kläger im vor­lie­gen­den Fall sind Ehe­gat­ten die im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010 zu­sam­men ver­an­lagt wur­den. Der Kläger er­zielte Einkünfte aus nicht­selbständi­ger Ar­beit und Ge­wer­be­be­trieb. Die Kläge­rin er­zielt aus­schließlich Einkünfte aus Ge­wer­be­be­trieb. Ihr ge­mein­sa­mer Höchst­be­trag zum Son­der­aus­ga­ben­ab­zug war be­reits durch die Beiträge zur ge­setz­li­chen Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung über­schrit­ten. Das Fi­nanz­amt berück­sich­tigte des­halb keine Beiträge der Kläger zur Ri­siko- und Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rung so­wie zur Un­fall­ver­si­che­rung.

Die Kläger be­gehr­ten den­noch, auch die an­de­ren Ver­si­che­rungs­beiträge für die pri­va­ten Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­run­gen, Un­fall­ver­si­che­run­gen und Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen in vol­lem Um­fang zum Son­der­aus­ga­ben­ab­zug zu­zu­las­sen. Das FG wies die Klage ab. Al­ler­dings wurde auf­grund der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der strei­ti­gen Rechts­frage die Re­vi­sion zu­ge­las­sen. Das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ist beim BFH un­ter dem Az.: X R 5/13 anhängig.

Die Gründe:
Den Klägern stand kein höherer Son­der­aus­ga­ben­ab­zug zu.

Der Ge­setz­ge­ber ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht ver­pflich­tet, Beiträge zu pri­va­ten Ri­si­ko­le­bens­ver­si­che­run­gen, Un­fall­ver­si­che­run­gen oder Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen ein­kom­men­steu­er­lich in vol­lem Um­fang zum Ab­zug zu­zu­las­sen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläger han­delt es sich bei den ge­zahl­ten Beiträgen zu die­sen Ver­si­che­run­gen nicht um exis­ten­zi­ell not­wen­dige Auf­wen­dun­gen der Da­seinsfürsorge, die im Rah­men des sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zips steu­er­min­dernd zu berück­sich­ti­gen wären.

Zum Ab­schluss sol­cher Ver­si­che­run­gen be­steht - im Un­ter­scheid zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung - keine ge­setz­li­che Ver­pflich­tung. Sie gehören nicht zum so­zi­al­hil­fe­recht­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mum, denn diese Ver­si­che­run­gen die­nen ge­rade nicht der Si­che­rung der bloßen Exis­tenz der Kläger, son­dern primär dem Schutz und dem Er­halt von de­ren Vermögen und Le­bens­stan­dard. Die ab­deck­ten Ri­si­ken Al­ter, In­va­li­dität und Tod wer­den von den klas­si­schen Al­ters­vor­sor­ge­sys­te­men wie der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, den be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen und der Be­am­ten­ver­sor­gung ty­pi­scher­weise ab­ge­deckt.

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