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EuGH: Einfrieren der Gelder der Melli Bank wegen mutmaßlicher Unterstützung der Verbreitung von Atomwaffen im Iran rechtmäßig

Urteil des EuGH vom 14.3.2012 - C-380/09 P

Der Rat hat zu Recht ent­schie­den, die Gelder der Melli Bank ein­zu­frie­ren. Der EuGH hat das Rechts­mit­tel ge­gen das Ur­teil des EuG zurück­ge­wie­sen, mit dem die Auf­nahme die­ser bri­ti­schen Toch­ter­ge­sell­schaft der Bank Melli Iran in die Liste der an der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion be­tei­lig­ten Ein­rich­tun­gen bestätigt wurde.

Der Sach­ver­halt:
Melli Bank ist eine in Großbri­tan­nien ein­ge­tra­gene Ak­ti­en­ge­sell­schaft, die von der Auf­sichts­behörde für Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen im Ver­ei­nig­ten König­reich zu­ge­las­sen und be­auf­sich­tigt wird. Sie steht vollständig im Ei­gen­tum von Bank Melli Iran (BMI), ei­ner vom ira­ni­schen Staat kon­trol­lier­ten ira­ni­schen Bank.

Im Jahr 2007 er­ließ der Rat zur Um­set­zung ei­ner Re­so­lu­tion des UN-Si­cher­heits­rats im Rah­men der Maßnah­men ge­gen den Iran zur Ver­hin­de­rung der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion eine Ver­ord­nung, die das Ein­frie­ren be­stimm­ter Gelder vor­sah. Es han­delt sich um die Gelder der Ein­rich­tun­gen, die vom Si­cher­heits­rat be­zeich­net wur­den oder nach den Fest­stel­lun­gen des Ra­tes der EU an der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion be­tei­ligt sind, so­wie die Gelder der im Ei­gen­tum oder un­ter der Kon­trolle die­ser Ein­rich­tun­gen ste­hen­den Ein­rich­tun­gen. Die be­trof­fe­nen Ein­rich­tun­gen wur­den in ei­ner Liste im An­hang der Ver­ord­nung auf­geführt.

Im Juni 2008 er­ließ der Rat einen Be­schluss, wo­nach die BMI und ihre Toch­ter­ge­sell­schaf­ten, dar­un­ter Melli Bank, in diese Liste auf­ge­nom­men wur­den, was das Ein­frie­ren ih­rer Gelder zur Folge hatte. Der Rat warf BMI "Be­reit­stel­lung bzw. Bemühun­gen zur Be­reit­stel­lung von Fi­nanz­mit­teln für Un­ter­neh­men, die Güter für Irans Nu­klear- und Ra­ke­ten­pro­gramm be­schaf­fen oder an de­ren Be­schaf­fung be­tei­ligt sind" vor und erklärte, sie diene "als Ver­mitt­ler für Irans sen­si­ble Ge­schäfte". Melli Bank er­hob ge­gen die­sen Be­schluss Nich­tig­keits­klage beim EuG.

Das EuG wies die Klage ab. Das hier­ge­gen ge­rich­tete Rechts­mit­tel von Melli Bank hatte vor dem EuGH kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Das EuG hat rich­ti­ger­weise fest­ge­stellt, dass das Uni­ons­recht den Rat dazu ver­pflich­tet, die Gelder ei­ner Ein­rich­tung ein­zu­frie­ren, die "im Ei­gen­tum oder un­ter der Kon­trolle" ei­ner Ein­rich­tung steht, von der fest­ge­stellt wor­den ist, dass sie an der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion be­tei­ligt ist. Da­her mus­ste das Ein­frie­ren der Gelder von Melli Bank - die zu 100 Pro­zent im Ei­gen­tum von BMI, ei­ner an der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion be­tei­lig­ten Ein­rich­tung, steht - nicht da­mit begründet wer­den, dass Melli Bank selbst an der Pro­li­fe­ra­tion be­tei­ligt ist.

Dem EuG ist auch darin zu­zu­stim­men, dass das Ein­frie­ren der Gelder von Melli Bank mit dem Verhält­nismäßig­keits­grund­satz in Ein­klang steht. Wenn die Gelder ei­ner Ein­rich­tung ein­ge­fro­ren wer­den, von der fest­ge­stellt wurde, dass sie an der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion be­tei­ligt ist, be­steht eine nicht un­er­heb­li­che Ge­fahr, dass sie auf die ihr gehören­den oder von ihr kon­trol­lier­ten Ein­rich­tun­gen Druck ausübt, um die Aus­wir­kun­gen der ge­gen sie ge­rich­te­ten Maßnah­men zu un­ter­lau­fen. Un­ter die­sen Umständen ist das Ein­frie­ren der Gelder von Ein­rich­tun­gen, die im Ei­gen­tum oder un­ter der Kon­trolle ei­ner an der nu­klea­ren Pro­li­fe­ra­tion be­tei­lig­ten Ein­rich­tung ste­hen, er­for­der­lich und an­ge­mes­sen, um die Wirk­sam­keit der ge­gen die letzt­ge­nannte Ein­rich­tung er­las­se­nen Maßnah­men zu gewähr­leis­ten.

Das EuG hat auch zu Recht fest­ge­stellt, dass es keine an­ge­mes­se­nen al­ter­na­ti­ven Maßnah­men gibt, um die­ses Ziel zu er­rei­chen. An­ge­sichts der fun­da­men­ta­len Be­deu­tung der Wah­rung des Welt­frie­dens und der in­ter­na­tio­na­len Si­cher­heit ste­hen die Ein­schränkun­gen der Frei­heit zur Ausübung ei­ner wirt­schaft­li­chen Tätig­keit und des Ei­gen­tums­rechts an ei­ner Bank durch das Ein­frie­ren von Gel­dern auch nicht außer Verhält­nis zu den an­ge­streb­ten Zie­len. Zu­dem war die Begründung des strei­ti­gen Be­schlus­ses im Hin­blick auf das Uni­ons­recht hin­rei­chend.

Link­hin­weis:

Für den auf den Web­sei­ten des EuGH veröff­ent­lich­ten Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.

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