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Steuerberatung

Drohende doppelte Besteuerung von Renten

Der BFH be­ur­teilt zwar den in 2005 voll­zo­ge­nen Sys­tem­wech­sel zur nach­ge­la­ger­ten Be­steue­rung von Al­ters­bezügen und die dazu vor­ge­se­hene Überg­angs­re­ge­lung im Grund­satz als ver­fas­sungs­kon­form. Eine dop­pelte Be­steue­rung von Ren­ten muss aber laut BFH im kon­kre­ten Ein­zel­fall ver­mie­den wer­den.

Mit Ur­teil vom 19.05.2021 (Az. XR 33/19) weist der BFH die Klage ei­nes Steu­er­be­ra­ters ab, der seit 2007 eine Al­ters­rente aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­zieht. Eine dop­pelte Be­steue­rung sei dann nicht ge­ge­ben, wenn die Summe der vor­aus­sicht­lich steu­er­frei blei­ben­den Ren­ten­zuflüsse min­des­tens so hoch ist wie die Summe der aus ver­steu­er­tem Ein­kom­men auf­ge­brach­ten Al­ters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen. Dies sah der BFH im Streit­fall an­ge­sichts der 46 %-igen Steu­er­frei­stel­lung der Ren­ten­bezüge trotz der be­grenz­ten Ab­zieh­bar­keit der Ver­si­che­rungs­beiträge als Son­der­aus­ga­ben nicht als ge­ge­ben an.

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Bei der zur Be­ur­tei­lung ei­ner et­wai­gen dop­pel­ten Be­steue­rung er­for­der­li­chen Ver­gleichs- und Pro­gno­se­rech­nung sind laut BFH die in­folge der Überg­angs­re­ge­lung vor­ge­se­he­nen Ren­ten­frei­beträge so­wohl für die Rente des Steu­er­pflich­ti­gen als auch für eine et­waige Hin­ter­blie­be­nen­rente des sta­tis­ti­sch vor­aus­sicht­lich länger le­ben­den Ehe­gat­ten an­zu­set­zen. Wei­tere Steu­er­ent­las­tun­gen, wie z. B. der Grund­frei­be­trag oder der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­beiträge, seien hin­ge­gen nicht zu berück­sich­ti­gen. Zu­dem gibt der BFH kon­krete Be­rech­nungs­pa­ra­me­ter zur Er­mitt­lung der aus ver­steu­er­tem Ein­kom­men ge­leis­te­ten Teile der Al­ters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen vor.

Hinweis

Der BFH geht da­von aus, dass un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ser Ver­gleichs- und Pro­gno­se­rech­nung spätere Rent­ner­jahrgänge in­folge des sin­ken­den Ren­ten­frei­be­trags von ei­ner dop­pel­ten Be­steue­rung ih­rer Ren­ten be­trof­fen sein dürf­ten. Me­di­en­be­rich­ten zu­folge hat sich Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Sc­holz be­reits am 31.05.2021 für eine Neu­re­ge­lung der Ren­ten­be­steue­rung in der kom­men­den Le­gis­la­tur­pe­riode aus­ge­spro­chen.

In einem zwei­ten Ur­teil vom 19.05.2021 (Az. XR 20/19) geht der BFH auf wei­tere Streit­fra­gen zur sog. dop­pel­ten Ren­ten­be­steue­rung ein. So stellt er u. a. klar, dass es bei Ren­ten aus pri­va­ten Ka­pi­tal­an­la­ge­pro­duk­ten außer­halb der Ba­sis­ver­sor­gung, die an­ders als ge­setz­li­che Al­ters­ren­ten nur mit dem Er­trags­an­teil be­steu­ert wer­den, sys­tem­be­dingt nicht zu ei­ner Dop­pel­be­steue­rung kom­men kann.

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