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9. Branchendialog Agrar & Ernährung: Top-Entscheider aus der Industrie im Gespräch mit Finanz-Experten

Rund 150 hoch­karätige Teil­neh­mer aus In­dus­trie und Fi­nanz­wirt­schaft wa­ren der Ein­la­dung von Eb­ner Stolz nach Düssel­dorf ge­folgt, um sich nach drei Jah­ren Pan­de­mie-be­ding­ter Pause erst­mals wie­der vor Ort zu den ak­tu­el­len Pro­ble­men, neuen Ent­wick­lun­gen und künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie aus­zu­tau­schen.

Die Mo­de­ra­to­ren Chris­toph Ha­ver­mann und Klaus-Mar­tin Fi­scher, Part­ner der Eb­ner Stolz Ma­nage­ment Con­sul­tants, begrüßten die Gäste des 9. Bran­chen­dia­logs Agrar & Ernährung vor dem Hin­ter­grund ei­ner Viel­zahl von Kri­sen, die sich für Deutsch­land und Eu­ropa ak­tu­ell zu einem per­fek­ten Sturm zu­sam­men­zu­brauen schei­nen: der Ukraine-Krieg, eine noch nicht über­wun­dene Pan­de­mie, in­sta­bile Lie­fer­ket­ten, hohe In­fla­tion und im Zen­trum des Sturms eine Ent­wick­lung der En­er­gie­preise, die nur eine Rich­tung kennt - nach oben.

Für viele Ak­teure der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie ist vor al­lem diese Kos­ten­ex­plo­sion bei En­er­gie und Roh­stof­fen eine enorme Be­las­tung. Gleich­zei­tig stel­len der Green Deal und die da­mit ver­bun­de­nen Nach­hal­tig­keits­ziele die Un­ter­neh­men vor ge­wal­tige Her­aus­for­de­run­gen. An­de­rer­seits zei­gen sich auch Wachs­tums­chan­cen für die Un­ter­neh­men, u.a. im Be­reich al­ter­na­ti­ver Pro­teine. Es gab also aus­rei­chend Dis­kus­si­ons­be­darf un­ter den Teil­neh­mern.

Die Welt muss ernährt werden

Mit sei­nem Vor­trag zum Sta­tus Quo und den Zu­kunfts­per­spek­ti­ven der deut­schen Mol­ke­rei­in­dus­trie gab Det­lef Latka, CEO von Hoch­wald Foods, einen um­fas­sen­den Zu­stands­be­richt zur ak­tu­el­len Si­tua­tion der Bran­che ab. Auch Deutsch­lands viertgrößte Mol­ke­rei­gruppe hat mit den Fol­gen der ak­tu­el­len Preis­spi­rale bei En­er­gie und Roh­stof­fen zu kämp­fen. Die ste­tig stei­gen­den Kos­ten für Pro­dukte der weißen Li­nie - Trink­milch, Sahne, Jo­ghurt und But­ter - müssen an die Ver­brau­cher durch­ge­reicht wer­den und führen bei der preis­sen­si­ti­ven Kund­schaft zu ei­ner zu­neh­men­den Kauf­zurück­hal­tung.

Darüber hin­aus wer­den re­gu­la­to­ri­sche und po­li­ti­sche Ein­fluss­fak­to­ren die Mil­ch­in­dus­trie in den kom­men­den Jah­ren ebenso verändern wie das wei­ter wach­sende Be­wusst­sein für den Kli­ma­schutz. Hoch­wald Foods trägt dem mit der Um­set­zung des Nach­hal­tig­keits­kon­zepts „Milch­Plus“ Rech­nung und hat mit der Einführung ei­ner um­fas­sen­den Kreis­lauf­wirt­schaft be­reits wich­tige Schritte um­ge­setzt. Das Un­ter­neh­men setzt kon­se­quent auf eine di­ver­si­fi­zierte Pro­dukt­pa­lette und sieht sich des­halb gut gerüstet für die Her­aus­for­de­run­gen der Zu­kunft, denn „die Welt muss ernährt wer­den“, wie es Det­lef Latka in sei­ner Schluss­be­mer­kung zu­sam­men­fasste.

The Future of Food Momentum: Pflanzliche Proteine für eine nachhaltige Ernährung

“Wir müssen of­fen dafür sein, man­che Dinge nicht mehr ge­nau so zu tun können wie in der Ver­gan­gen­heit,” ist die Grundüber­zeu­gung von Kris­tal Go­lan, Head of New Pro­tein So­lu­ti­ons der BayWa AG. Dazu gehören vor al­lem In­no­va­tio­nen in der Hu­ma­nernährung, wie zum Bei­spiel die Pro­duk­tion ve­ga­ner Eier aus Erb­sen­pro­tei­nen, de­ren Ent­wick­lung die BayWa in Ko­ope­ra­tion mit an­de­ren wich­ti­gen Play­ern der Agrar- und Ernährungs­wirt­schaft ak­tiv vor­an­treibt. Darüber hin­aus spielt aber auch das Verständ­nis ver­schie­de­ner Tech­no­lo­gien zur Ge­win­nung von Pro­tei­nen eine wich­tige Rolle für nach­hal­tige Ernährungs­stra­te­gien, so etwa der Sor­ten­fort­schritt bei vor­han­de­nen Kul­tur­pflan­zen (Le­gu­mi­no­sen­an­bau) in­klu­sive ei­ner ef­fi­zi­en­ten Pro­tein­ex­trak­tion, die Her­stel­lung fer­men­tier­ter Pro­teine mit­tels Mi­kro­or­ga­nis­men, die Pro­duk­tion zell­ba­sier­ter Pro­teine (Fleisch­pro­duk­tion) oder die Ge­win­nung in­sek­ten­ba­sier­ter Pro­teine als Fut­ter­mit­tel.

Kris­tal Go­lan be­tonte, dass der ge­mein­same Auf­bau ef­fi­zi­en­ter Wert­schöpfungs­ket­ten im noch jun­gen, neu ent­ste­hen­den Markt für al­ter­na­tive Pro­teine das Ziel al­ler Wett­be­wer­ber sein sollte. Denn die Chan­cen für die Markt­teil­neh­mer - vom Land­wirt bis zum Pro­du­zen­ten al­ter­na­ti­ver Pro­teine - sind enorm. Ihr Ap­pell: „Im Be­reich der al­ter­na­ti­ven Pro­teine soll­ten wir ko­ope­rie­ren, weil der Markt groß ge­nug ist und wir die be­ste­hen­den Kun­denwünsche hin­sicht­lich Ge­schmack, Preis, Nähr­werte, Tier­wohl- und Um­weltas­pekte in Pro­dukt­an­for­de­run­gen um­wan­deln müssen.“

It’s never been more delicious to save our planet

Mit Hans-Ge­org Hölle­rer, Vice Pre­si­dent Busi­ness De­ve­lop­ment & Ope­ra­ti­ons beim Food-Start-Up Bluu GmbH, tauchte der diesjährige Bran­chen­dia­log tief in die Pro­duk­tion zell­ba­sier­ter Fi­sche ab. Der Markt für diese Al­ter­na­tive zum Wild­fisch und zur Aqua­kul­tur steckt zwar vor al­lem in Eu­ropa noch in den Kin­der­schu­hen, ver­spricht aber großes Po­ten­zial für die Zu­kunft. Ins­be­son­dere, da die Nach­frage auf­grund ei­ner ste­tig wach­sen­den Welt­bevölke­rung wei­ter stei­gen und die natürli­chen Res­sour­cen der Meere end­lich sind. Den­noch rech­net die Fi­sche­rei-Bran­che bis 2035 mit ei­ner Ver­dopp­lung des Um­sat­zes auf rund USD 1 Bio.

Ab­hilfe könnte hier die Pro­duk­tion zell­ba­sier­ter Fi­sche schaf­fen, zu­mal auch die Kos­ten ana­log zur Ver­brei­tung an­de­rer Tech­no­lo­gien mit der Zeit sin­ken wer­den. Der Schlüssel ist des­halb vor al­lem die Ak­zep­tanz der Ver­brau­cher. „Je jünger, desto of­fe­ner“, wie Hans-Ge­org Hölle­rer die Zu­stim­mung un­ter den po­ten­zi­el­len Kon­su­men­ten auf der Ba­sis jüngs­ter Um­fra­gen zu­sam­men­fasste. Bei einem ge­schätz­ten Markt­vo­lu­men für Mee­resfrüchte von USD 25,4 Mrd. in Eu­ropa er­schei­nen die Per­spek­ti­ven für zell­ba­sierte Fisch­pro­dukte viel­ver­spre­chend.

From Farm to Fork: Mühlenindustrie unter Druck

„Wir spüren die ak­tu­el­len wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Ver­wer­fun­gen durch die Corona-Pan­de­mie, den Ukraine-Krieg, die ho­hen Kos­ten für En­er­gie und Roh­stoffe so­wie die lo­gis­ti­schen Pro­bleme sehr deut­lich“, be­schrieb Chris­toph Klöpper, Ge­schäftsführer der Good­mills Deutsch­land GmbH, die zahl­rei­chen Her­aus­for­de­run­gen für die deut­sche Mühlen­wirt­schaft, die sich auf­grund der stei­gen­den In­fla­tion zu­dem mit kurz­fris­ti­gen Verände­run­gen im Kon­su­men­ten­ver­hal­ten aus­ein­an­der­set­zen muss. Die Si­tua­tion der Bran­che glei­che dem Bild des „schi­zo­phre­nen Müllers“, denn die Mühlen­in­dus­trie be­wege sich in einem beständi­gen Span­nungs­feld zwi­schen dem Druck durch das Agri­busi­ness, den Wett­be­werb und die Kun­den und habe zu­dem die all­ge­meine wirt­schaft­li­che Si­tua­tion so­wie die po­li­ti­schen Ri­si­ken zu berück­sich­ti­gen. „Preis und Menge müssen im Fo­kus ste­hen, um Wert­schöpfung zu er­zie­len“, erläuterte Klöpper wei­ter.

Den­noch sind die Aus­sich­ten für die Mühlen­in­dus­trie lang­fris­tig gut. Denn pflanz­li­che Pro­teine wer­den in Zu­kunft einen im­mer größeren An­teil der mensch­li­chen Ernährung aus­ma­chen, vor al­lem in gesättig­ten Märk­ten wie Eu­ropa und den USA. Die Kon­su­men­ten dort ach­ten zu­neh­mend auf As­pekte wie Tier­schutz, Um­welt und Ge­sund­heit, so dass der Fleisch­kon­sum zu­guns­ten von Er­satz­pro­duk­ten ste­tig zurück­geht. „Die­sen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del zu ei­ner nach­hal­ti­gen, ge­sun­den und ge­nuss­rei­chen Ernährung der Zu­kunft, in der pflanz­li­che Pro­dukte eine im­mer größere Rolle spie­len, wol­len wir wei­ter vor­an­trei­ben“, fasste Klöpper das Ziel von Deutsch­lands größtem Mühlen­un­ter­neh­men ab­schließend zu­sam­men.

Agrarhandel in Krisenzeiten: Quo vadis Getreidepreise?

Lud­wig Striewe, Ge­schäftsführer der BAT Agrar GmbH & Co. KG, ana­ly­sierte die ak­tu­elle Si­tua­tion auf den glo­ba­len Ge­trei­demärk­ten und erläuterte aus Sicht ei­nes der größten deut­schen Agrarhänd­ler de­tail­liert die Gründe für die jüngste Preis­ex­plo­sion. „Der Schlüssel für die wei­tere Ent­wick­lung der Ge­trei­de­preise liegt der­zeit vor al­lem im Kreml“, so die Ein­stiegsthese des In­si­ders mit Blick auf den welt­wei­ten Teil­markt für Wei­zen. Al­ler­dings sei dies nur die halbe Wahr­heit, denn bei der gründ­li­chen Ana­lyse al­ler Fak­ten fällt auch auf, dass die Lücke zwi­schen den vor­han­de­nen Re­ser­ven und dem ak­tu­el­len Ver­brauchs­ni­veau be­reits vor dem Krieg in Ost­eu­ropa sehr klein war. Der Kon­flikt verstärke die­sen Ef­fekt je­doch, da den Weltmärk­ten da­mit größere Ge­trei­de­men­gen aus Russ­land und der Ukraine ent­zo­gen wer­den und die Re­ser­ven der an­de­ren Ex­portländer bzw. -re­gio­nen auf nied­ri­gem Ni­veau ver­harr­ten.

Als Folge der Ent­wick­lung agiert der Agrar­han­del der­zeit sehr zurück­hal­tend und fährt nur kleine Po­si­tio­nen. „Denn die Märkte sind von Fak­to­ren abhängig, die nicht ein­zu­schätzen sind“, so Striewe. Die größte Her­aus­for­de­rung sei da­her auch die Fi­nan­zie­rung des Be­stan­des, die ein deut­lich erhöhtes Fi­nanz­vo­lu­men benötige, während das Hed­ging größere Fi­nan­zie­rungs­re­ser­ven er­for­dere. Al­ler­dings sei zum Bei­spiel BAT so auf­ge­stellt, dass ein wei­te­rer Preis­an­stieg beim Ge­treide auf­ge­fan­gen wer­den könne. „Die ober­ste Prämisse im Agrar­han­del ist und bleibt: ‚Kenne dei­nen Ver­trags­part­ner‘.“

Ausblick: Branchendialog Agrar & Ernährung 2023 schon in Vorbereitung

Der 9. Bran­chen­dia­log Agrar & Ernährung knüpfte für Chris­toph Ha­ver­mann naht­los an die Ver­an­stal­tun­gen der Vor­jahre an: „Un­ser Ziel ist es im­mer, al­len Teil­neh­mern einen Über­blick über die ge­samte Bran­che ent­lang der Wert­schöpfungs­kette zu ge­ben. Dies ist uns auch in die­sem Jahr wie­der gut ge­lun­gen. Als führen­der Be­ra­ter der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie freuen wir uns auf die Fort­set­zung des Dia­logs.“

„Wir hat­ten ein­mal mehr starke Vorträge und leb­hafte Dis­kus­sio­nen zu zahl­rei­chen ak­tu­el­len The­men und wir hof­fen, auch 2023 wie­der wich­tige Im­pulse für die Bran­che set­zen zu können“, freute sich Klaus-Mar­tin Fi­scher be­reits auf die Ju­biläum­saus­gabe des Bran­chen­dia­logs Agrar & Ernährung im kom­men­den Jahr in Düssel­dorf.

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