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Leistungen

10. Branchendialog Agrar & Ernährung: Top-Entscheider aus der Industrie im Gespräch mit Finanz-Experten

Zum Ju­biläum der führen­den Dia­log­platt­form der Bran­che hat­ten sich auf Ein­la­dung von Eb­ner Stolz auch in die­sem Jahr wie­der rund 150 hoch­karätige Teil­neh­mer aus In­dus­trie und Fi­nanz­wirt­schaft an­ge­sagt, um sich zu den ak­tu­el­len Pro­ble­men, neuen Ent­wick­lun­gen und künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie aus­zu­tau­schen.

Klaus-Mar­tin Fi­scher und Dr. Jens Pe­ter­sen, Part­ner der Eb­ner Stolz Ma­nage­ment Con­sul­tants, führ­ten durch die Ju­biläum­saus­gabe des Bran­chen­dia­logs Agrar & Ernährung, der ein­mal mehr mit ei­ner brei­ten The­men­pa­lette auf­war­ten konnte - von den Per­spek­ti­ven der Fleisch­in­dus­trie über die Zu­kunft des Agrar­han­dels bis zum Ein­satz von Künst­li­cher In­tel­li­genz (KI) in der Nah­rungs­mit­tel­er­zeu­gung. Da­bei zo­gen sich vor al­lem die As­pekte Nach­hal­tig­keit und Di­gi­ta­li­sie­rung wie ein ro­ter Fa­den durch alle Beiträge des Ta­ges.

Die ak­tu­el­len po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen hal­ten die Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie auch wei­ter­hin in Atem - Kon­flikte und Kriege wie in der Ukraine, Fi­nanz- und Flücht­lings­kri­sen, die Nach­we­hen ei­ner Pan­de­mie, eine Hoch­in­fla­ti­ons­phase, ex­plo­die­rende Roh­stoff­preise so­wie eine Re­zes­sion in Deutsch­land ha­ben er­heb­li­che Rück­wir­kun­gen auf die ge­samte Bran­che. Vor die­sem Hin­ter­grund gab es also aus­rei­chend Dis­kus­si­ons­be­darf rund um die Frage: Wer hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren seine Haus­auf­ga­ben am bes­ten ge­macht und wel­che Chan­cen bie­ten sich auch in die­ser Si­tua­tion für Un­ter­neh­men und Fi­nan­zie­rer?

Wachstum mit Augenmaß, Kosten im Blick

„Fleisch ist grundsätz­lich ein ge­sun­des Le­bens­mit­tel“ - aus­ge­hend von die­ser These be­leuch­tete Axel Knau, Vor­stands­mit­glied der Tönnies Hol­ding und CEO der Zur Mühlen Gruppe, in sei­nem Im­puls­vor­trag die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen und Per­spek­ti­ven der deut­schen Fleisch­wirt­schaft. Ob­wohl im hei­mi­schen Markt seit Jah­ren mit einem - ent­ge­gen des glo­ba­len Trends - kon­ti­nu­ier­lich sin­ken­den Kon­sum von Rind- und Schwei­ne­fleisch kon­fron­tiert, ist die größte Teil­bran­che der deut­schen Ernährungs­in­dus­trie mit einem ak­tu­el­len Ge­samt­um­satz von mehr als EUR 47 Mrd. und rund 150.000 Be­schäftig­ten nach wie vor ein be­deu­ten­der Wirt­schafts­fak­tor.

Al­ler­dings sind für die Zu­kunft über den Ex­port hin­aus al­ter­na­tive Ge­schäfts­mo­delle und neue Stra­te­gien für die Bran­che ge­fragt. Diese müssen von der Roh­stoff­verfügbar­keit, ei­ner zu­kunfts­fes­ten Tier­hal­tung, zusätz­li­chen Kos­ten­stei­ge­run­gen und Fachkräfte­man­gel auch einen deut­li­chen Wan­del im Kon­sum­ver­hal­ten berück­sich­ti­gen. Da­her sind The­men wie Preis- und Sor­ti­ments­ge­stal­tung, Re­cruiting und Nach­hal­tig­keit für die Fleisch­wirt­schaft von be­son­de­rer Be­deu­tung. Ein wich­ti­ges Hand­lungs­feld sieht Axel Knau vor al­lem in der Kom­mu­ni­ka­tion der Bran­che: „Der Fleisch­in­dus­trie feh­len nach wie vor gute Bot­schaf­ten für Me­dien, Po­li­tik und Öff­ent­lich­keit so­wie eine of­fene Dis­kus­sion ohne Selbst­mit­leid. Da müssen wir bes­ser wer­den, ergänzt durch eine emo­tio­nale An­spra­che auch über So­cial Me­dia-Platt­for­men wie Tik­Tok und Ins­tagram.“

Landwirtschaft ist Zukunft: Agrarhandel im Wandel der Zeit

Dr. Mar­len Wie­nert, Mit­glied des Vor­stands der BayWa AG, erläuterte am Bei­spiel des ei­ge­nen Kon­zerns wie eine lang­fris­tige stra­te­gi­sche Aus­rich­tung er­folg­reich die Wei­chen für die Zu­kunft stel­len kann. Das Port­fo­lio-Un­ter­neh­men BayWa - mit einem Kon­zern-Um­satz von rund EUR 27 Mrd. ei­ner führen­den Agrarhänd­ler in Eu­ropa - setzt da­bei ne­ben der Di­ver­si­fi­zie­rung ih­rer Pro­dukte und Dienst­leis­tun­gen auf mo­derne Tech­no­lo­gien so­wie die wei­tere In­ter­na­tio­na­li­sie­rung des Kon­zerns, denn: „Wer sich nicht verändert, bleibt ste­hen und wird am Markt nicht mehr ge­braucht.“

Fest steht: Der Agrar­han­del sieht sich vor große Her­aus­for­de­run­gen ge­stellt. Um­welt und Klima sind enor­men Verände­run­gen un­ter­wor­fen, di­gi­tale Tech­no­lo­gien hal­ten auch in der Land­wirt­schaft ver­mehrt Ein­zug, die An­for­de­run­gen von Ge­sell­schaft und Po­li­tik wer­den größer und der Wett­be­werb nimmt zu. Hinzu kom­men der „Green Deal“ mit sei­nen stren­gen Vor­ga­ben für die EU-Agrar­in­dus­trie, ein ste­ti­ger Struk­tur­wan­del in den deut­schen Be­trie­ben und eine wach­sende Welt­bevölke­rung. Hier muss auch der Agrar­han­del mit neuen Ansätzen und in­no­va­ti­ven Ideen Ant­wor­ten fin­den. Die Förde­rung di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gien, die Einführung mit­tels Gen­tech­nik op­ti­mier­ter Pflan­zen und in­ter­dis­zi­plinär ent­wi­ckelte Lösun­gen für die Land­wirt­schaft sind be­reits heute wirk­same Re­zepte. Mar­len Wie­nert erklärte ab­schließend, dass die hei­mi­sche Agrar­in­dus­trie nach An­sicht des Agrar­han­dels bei al­len Her­aus­for­de­run­gen gut auf­ge­stellt ist: „Die Land­wirt­schaft in Deutsch­land wird eine Zu­kunft ha­ben, weil Deutsch­land auf­grund der Rah­men­be­din­gun­gen ein Gunst­stand­ort für die tie­ri­sche und pflanz­li­che Pro­duk­tion ist und seine Land­wirte im eu­ropäischen Ver­gleich eine ex­zel­lente Aus­bil­dung be­sit­zen.“

Nachhaltigkeit meets Digitalisierung - mit klarer Strategie zum Marktführer

Als Bernd Eßer, Ge­schäftsführer der Be­rief Food GmbH, die Führung des auf Bio- und pflanz­li­che Le­bens­mit­tel spe­zia­li­sier­ten Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens über­nahm, setzte er nach dem Vor­bild der Au­to­in­dus­trie zunächst einen weg­wei­sen­den Stra­te­gie­wech­sel in Gang - weg von der Pro­duk­to­ri­en­tie­rung, hin zum Markt­fo­kus. „Wir woll­ten künf­tig nicht mehr VW, son­dern Uber sein“, be­schreibt Eßer den neuen An­satz, der für die Be­rief GmbH zum „Game Chan­ger“ wurde. Das Un­ter­neh­men trifft da­mit den Nerv vie­ler Kun­den und hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren einen ra­san­ten Auf­stieg mit einem ak­tu­el­len Um­satz von über EUR 100 Mio. ge­nom­men.

Die er­folg­rei­che Trans­for­ma­tion der Be­rief GmbH zu einem mo­der­nen Un­ter­neh­men der Le­bens­mit­tel­in­dus­trie be­ruht ne­ben der kon­se­quen­ten Stra­te­gie­umset­zung vor al­lem auf zwei Schwer­punk­ten: der Aus­rich­tung auf Nach­hal­tig­keit und Di­gi­ta­li­sie­rung. Denn zum einen wird eine nach­hal­tige, aus­ge­wo­gene Ernährung im­mer mehr zum Schlüssel für Wirt­schaft, Um­welt und Ge­sund­heit, zum an­de­ren schaf­fen Da­ten die not­wen­dige Trans­pa­renz für die Wei­ter­ent­wick­lung des Un­ter­neh­mens. „In­no­va­tion ist ein­fach, Um­set­zung ist al­les“, fasste Bernd Eßer die Neu­aus­rich­tung der Be­rief GmbH zu­sam­men.

Künstliche kulinarische Intelligenz: Behalten wir die Kontrolle über unsere Lebensmittel?

Pu­bli­zist und Food-Ak­ti­vist Hen­drik Haase tauchte mit den Teil­neh­mern des Bran­chen­dia­logs tief in die Zu­kunfts­sze­na­rien für die Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie ein und stellte gleich zu Be­ginn die ent­schei­den­den Fra­gen: Was ist KI? Wo wirkt das ent­lang der Lie­fer­kette? Geht das wie­der weg? Die klare Ant­wort: Nein, das geht nicht mehr weg und wird uns künf­tig auch in der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie be­glei­ten.

Künst­li­che In­tel­li­genz hat in­zwi­schen in vie­len Be­rei­chen der Bran­che Ein­zug ge­hal­ten. Das Ein­satz­spek­trum der Al­go­rith­men reicht von der Pro­dukt­ana­lyse über die Ern­te­vor­her­sage bis zur in­di­vi­du­el­len Ge­stal­tung von Es­sensplänen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und der Über­wa­chung von Back­pro­zes­sen mit­tels Ge­ruchs­ana­lyse. „Es han­delt sich um einen Pa­ra­dig­men­wech­sel, wir kom­men in eine an­dere Welt hin­ein“, be­schrieb Hen­drik Haase die be­reits zahl­rei­chen An­wen­dungsmöglich­kei­ten für KI, die weit über den Be­griff der „Di­gi­ta­li­sie­rung“ hin­aus­ge­hen. Al­ler­dings gilt auch für die KI-Trans­for­ma­tion: es braucht Mut und In­ves­ti­tio­nen in die Wei­ter­ent­wick­lung und Verände­rung der Ge­schäfts­mo­delle, wenn aus Da­ten und Ideen Nut­zen ge­zo­gen wer­den soll. Vor al­lem aber: „Be­grei­fen Sie Tech­no­lo­gie als Werk­zeug und nicht als et­was, das ein­fach über uns kommt“, ap­pel­lierte Haase an das Au­di­to­rium.

Nachhaltigkeit in der Zuckerindustrie

Dr. Lars Go­ris­sen, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Nord­zu­cker AG, um­riss in sei­nem Bei­trag die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen der Zu­cker­in­dus­trie. Ganz oben auf der Agenda ste­hen auch hier der Kli­ma­wan­del, die An­for­de­run­gen von Ge­setz­ge­ber, Kun­den und Öff­ent­lich­keit so­wie die nach­hal­tige Aus­rich­tung der Bran­che. Ins­be­son­dere diese Auf­gabe ist nicht zu un­ter­schätzen, denn die Zu­cker­her­stel­lung ist ein sehr en­er­gie­in­ten­si­ver Pro­zess an des­sen Ende ein qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Pro­dukt ste­hen soll. Doch ge­rade darin liegt laut Lars Go­ris­sen das Di­lemma für die Pro­du­zen­ten: „Im Er­geb­nis wer­den die Kun­den den Un­ter­schied in der Her­stel­lung nicht spüren, aber da­hin­ter wird in we­ni­gen Jah­ren ein an­de­res Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren lie­gen - vom An­bau bis zur Ver­ar­bei­tung auf Ba­sis ei­ner neuen En­er­gie­ver­sor­gung. Un­sere Auf­gabe ist es, dies trans­pa­rent zu do­ku­men­tie­ren und zu kom­mu­ni­zie­ren.“

Nord­zu­cker strebt an, die CO2-Emis­sio­nen ent­lang sei­ner ge­sam­ten Wert­schöpfungs­kette bis 2030 deut­lich zu re­du­zie­ren - um über 50 % in der ei­ge­nen Pro­duk­tion und bei zu­ge­kauf­ter En­er­gie so­wie bei vor- und nach­ge­la­ger­ten Pro­zes­sen um 30 % - und bis 2050 ein kli­ma­neu­tra­les Un­ter­neh­men zu sein. Aber da­mit nicht ge­nug: Ge­mein­sam mit sei­nen rund 12.000 Er­zeu­ger­be­trie­ben ar­bei­tet der Kon­zern un­ter Berück­sich­ti­gung von Klima-, Was­ser- und Bo­den­schutz so­wie von Bio­di­ver­sität und we­ni­ger Pflan­zen­schutz an in­no­va­ti­ven Lösun­gen für den Rübe­nan­bau von mor­gen. Im Pro­jekt „Smart Beet In­itia­tive“ hat Nord­zu­cker seine verstärkte An­bau­be­ra­tung für die Land­wirte gebündelt, während die „Green Data Base“ die di­gi­tale Land­wirt­schaft auf Da­ten­ba­sis vor­an­treibt. Zu­sam­men­fas­send stellte Lars Go­ris­sen fest: „Die Bran­che verfügt über ein her­vor­ra­gen­des An­ge­bot: Zu­cker ist bei al­ler Kri­tik ein wert­vol­les Le­bens­mit­tel, seine Her­stel­ler sind re­gio­nal fest ver­an­kert und mit Blick in die Zu­kunft ge­nießen Kli­ma­schutz und Nach­hal­tig­keit hohe Prio­rität.“

Fortsetzung folgt: Branchendialog Agrar & Ernährung auch 2024 wieder in Düsseldorf

Die Ju­biläum­saus­gabe des Bran­chen­dia­logs Agrar & Ernährung setzte ein­mal mehr wich­tige Im­pulse für die Bran­che und so konnte Dr. Jens Pe­ter­sen zu­frie­den fest­stel­len: „Un­ser Ziel ist es im­mer, im Rah­men der Ver­an­stal­tung die ge­samte Wert­schöpfungs­kette der Bran­che ab­zu­bil­den und den Teil­neh­mern aus ers­ter Hand einen um­fas­sen­den Ein­blick in die Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie zu ge­ben. Dies ist uns auch in die­sem Jahr wie­der gut ge­lun­gen.“

„Wir hat­ten ein­mal mehr starke Vorträge und leb­hafte Dis­kus­sio­nen zu zahl­rei­chen ak­tu­el­len The­men und wir ge­hen da­von aus, dass sich daran auch im kom­men­den Jahr nichts ändern wird. Als führen­der Be­ra­ter der Agrar- und Ernährungs­in­dus­trie freuen wir uns be­reits jetzt auf die Fort­set­zung des Dia­logs“, blickte Klaus-Mar­tin Fi­scher be­reits auf die 11. Aus­gabe des Bran­chen­dia­logs Agrar & Ernährung 2024 in Düssel­dorf vor­aus.

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