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BGH zur Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten in zertifizierten Altersvorsorgeverträgen

Urteil des BGH vom 7. November 2012 - IV ZR 292/10
Der für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zuständige IV. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) hat ent­schie­den, dass eine in zer­ti­fi­zier­ten Al­ters­vor­sor­ge­verträgen ver­wen­dete Klau­sel, nach der die Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten gleichmäßig auf die ers­ten fünf Lauf­zeit­jahre ver­teilt wer­den, die An­le­ger nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.
Der kla­gende Ver­brau­cher­schutz­ver­band ver­langt von der be­klag­ten In­vest­ment­ge­sell­schaft Un­ter­las­sung der Ver­wen­dung ei­ner Klau­sel in Al­ters­vor­sor­ge­verträgen.
Die Be­klagte bie­tet un­ter der Be­zeich­nung "DWS Ries­ter­Rente Pre­mium" ein nach den Be­stim­mun­gen des Ge­set­zes über die Zer­ti­fi­zie­rung von Al­ters­vor­sorge- und Ba­sis­ren­ten­verträgen (Al­ters­vor­sor­ge­verträge-Zer­ti­fi­zie­rungs­ge­setz - Alt­ZertG) zer­ti­fi­zier­tes Al­ters­vor­sor­ge­pro­dukt an, bei dem die von Pri­vat­kun­den ge­leis­te­ten Beiträge in In­vest­ment­fonds­an­teile an­ge­legt wer­den. Da­bei ver­wen­det sie All­ge­meine Ge­schäfts­be­din­gun­gen, die in Nr. 15.1 fol­gende Be­stim­mung ent­hal­ten:
"… Der An­le­ger zahlt die Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten in Höhe von 5,5%, in­dem die DWS während der ers­ten fünf Lauf­zeit­jahre der DWS Ries­ter­Rente Pre­mium von sei­nen "re­gelmäßigen Beiträgen" an­tei­lig einen gleichmäßigen Be­trag ein­behält und nicht in Fonds­an­teile an­legt. …"
Der Kläger meint, diese Klau­sel be­nach­tei­lige die An­le­ger un­an­ge­mes­sen i.S. von § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB, weil sie mit § 125 In­vest­ment­ge­setz (InvG) un­ver­ein­bar sei, der zu­guns­ten der An­le­ger die für die Kos­ten­de­ckung ein­zu­be­hal­ten­den Beträge im ers­ten Lauf­zeit­jahr auf ein Drit­tel der re­gelmäßigen Beiträge be­grenze und für die ge­samte übrige Lauf­zeit des An­la­ge­pro­dukts eine gleichmäßige Ver­tei­lung der Kos­ten an­ordne. Diese Kos­ten­ver­tei­lung müsse auch bei der fonds­ge­bun­de­nen Al­ters­vor­sorge ein­ge­hal­ten wer­den. Die Be­klagte ist der An­sicht, dass sie gemäß der für Al­ters­vor­sor­ge­pro­dukte vor­ran­gi­gen Re­ge­lung des § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 Alt­ZertG die Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten gleichmäßig auf die ers­ten fünf Ver­trags­jahre ver­tei­len dürfe.
Die Klage ist in den Vor­in­stan­zen er­folg­los ge­we­sen. Der Se­nat hat die Re­vi­sion des Klägers zurück­ge­wie­sen. Die be­an­stan­dete Be­stim­mung stellt keine un­an­ge­mes­sene Be­nach­tei­li­gung der An­le­ger i.S. von § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB dar; sie weicht nicht von we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der maßgeb­li­chen ge­setz­li­chen Re­ge­lung ab. Ein­schlägig für die in Rede ste­hen­den zer­ti­fi­zier­ten Al­ters­vor­sorge-Fonds­sparpläne ist nicht § 125 InvG. Die Be­klagte darf sich bei ih­ren Al­ters­vor­sor­ge­pro­duk­ten hin­sicht­lich der Kos­ten­vor­aus­be­las­tung an § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 Alt­ZertG ori­en­tie­ren. Die­ses Ge­setz re­gelt zwar nicht die ma­te­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen be­stimm­ter An­la­gen zur Al­ters­vor­sorge, son­dern die Be­din­gun­gen für die Zer­ti­fi­zie­rung durch die Bun­des­an­stalt für Fi­nanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht. Gleich­wohl ist ihm zu ent­neh­men, dass der Ge­setz­ge­ber die­sen Min­dest­zeit­raum für aus­rei­chend ge­hal­ten hat, um eine an­ge­mes­sene Ver­tei­lung der Kos­ten zu gewähr­leis­ten und Al­ters­vor­sorge-Spa­rer vor übermäßiger Kos­ten­be­las­tung zu schützen. So sieht der Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der steu­er­li­chen Förde­rung der pri­va­ten Al­ters­vor­sorge (Al­ters­vor­sorge-Ver­bes­se­rungs­ge­setz – Altv­VerbG, veröff­ent­licht auf der In­ter­net­seite des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Fi­nan­zen) die Einfügung ei­nes § 2a in das Alt­ZertG vor, des­sen letz­ter Satz lau­ten soll: "§ 125 des In­vest­ment­ge­set­zes ist für Al­ters­vor­sor­ge­verträge nicht an­zu­wen­den." In der Begründung des Ge­set­zes­ent­wurfs heißt es: "Außer­dem wird klar­ge­stellt, dass bei Al­ters­vor­sor­ge­verträgen § 1 Abs. 1 Satz 1 Num­mer 8 Alt­ZertG Spe­zi­al­vor­schrift ge­genüber § 125 InvG ist." In­vest­ment­ge­setz § 125 Kos­ten­vor­aus­be­las­tung Wurde die Ab­nahme von An­tei­len für einen mehrjähri­gen Zeit­raum ver­ein­bart, so darf von je­der der für das er­ste Jahr ver­ein­bar­ten Zah­lun­gen höchs­tens ein Drit­tel für die De­ckung von Kos­ten ver­wen­det wer­den, die rest­li­chen Kos­ten müssen auf alle späte­ren Zah­lun­gen gleichmäßig ver­teilt wer­den. Ge­setz über die Zer­ti­fi­zie­rung von Al­ters­vor­sorge- und Ba­sis­ren­ten­verträgen Al­ters­vor­sor­ge­verträge-Zer­ti­fi­zie­rungs­ge­setz § 1 Be­griffs­be­stim­mun­gen zum Al­ters­vor­sor­ge­ver­trag (1) Ein Al­ters­vor­sor­ge­ver­trag im Sinne die­ses Ge­set­zes liegt vor, wenn zwi­schen dem An­bie­ter und ei­ner natürli­chen Per­son (Ver­trags­part­ner) eine Ver­ein­ba­rung in deut­scher Sprache ge­schlos­sen wird, … 8. die vor­sieht, dass die an­ge­setz­ten Ab­schluss- und Ver­triebs­kos­ten gleichmäßig min­des­tens auf die ers­ten fünf Ver­trags­jahre ver­teilt wer­den, so­weit sie nicht als Pro­zent­satz von den Al­ters­vor­sor­ge­beiträgen ab­ge­zo­gen wer­den; … Quelle:Pres­se­mit­tei­lung des BGH Nr. 186/2012 vom 07.11.2012
08.11.2012 nach oben

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