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BGH zur Verjährung von Regressansprüchen gegen Rechtsanwälte wegen verpasster Klageerhebung

Urteil des BGH vom 15.12.2011 - IX ZR 85/10

Be­steht die Pflicht­wid­rig­keit ei­nes Rechts­an­wal­tes darin, dass er es ver­passt, eine mit Ab­lauf des 31.12. (hier: 2004) verjährende For­de­rung ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen, ent­steht der Scha­den des Man­dan­ten mit Be­ginn des 1.1. (hier: 2005). Die Verjährungs­frist des Scha­dens­er­satz­an­spruchs ge­gen den Rechts­an­walt be­ginnt dann mit dem Schluss die­ses Jah­res.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin trat auf Ver­an­las­sung ei­nes Ver­mitt­lers im De­zem­ber 1995 einem ge­schlos­se­nen Im­mo­bi­li­en­fonds mit einem In­ves­ti­ti­ons­be­trag von 90.000 DM bei. Den Er­werb fi­nan­zierte sie durch zwei Dar­le­hens­verträge bei der Kreis- und Stadt­spar­kasse S. Nach ih­rer An­sicht wurde sie über die sich aus der Be­tei­li­gung er­ge­bende Be­las­tung und hin­sicht­lich der ein­ge­schränk­ten Ver­kehrsfähig­keit der An­lage un­zu­tref­fend un­ter­rich­tet. In­fol­ge­des­sen wandte sich die Kläge­rin im Ok­to­ber 2004 an die be­klagte An­walts­so­zietät, um sich über die von ihr er­wor­bene Fonds­be­tei­li­gung recht­lich be­ra­ten zu las­sen.

In der Fol­ge­zeit fan­den zwi­schen dem zuständi­gen Rechts­an­walt und der Kläge­rin meh­rere Be­ra­tungs­ge­spräche statt. Mit Schrift­satz vom 20.12.2004 er­hob der An­walt na­mens der Kläge­rin Klage ge­gen die S. Ge­genüber dem Ver­mitt­ler wur­den al­ler­dings keine ge­richt­li­chen Maßnah­men ver­an­lasst. Eine im Juni 2006 ge­gen ihn be­trie­bene Klage wurde im Hin­blick auf das Ri­siko be­reits ein­ge­tre­te­ner Verjährung mit einem Pro­zess­ver­gleich über einen Ab­gel­tungs­be­trag von 5.000 € be­en­det.

Die Kläge­rin be­gehrte dar­auf­hin von der Be­klag­ten Scha­dens­er­satz. Sie machte gel­tend, sie hätte recht­zei­tig Kla­ge­auf­trag ge­gen den Ver­mitt­ler er­teilt, wenn die Be­klagte sie ord­nungs­gemäß über die Er­folgs­aus­sich­ten be­ra­ten hätte. Die Klage wurde von der Kläge­rin am 30.12.2008 bei Ge­richt ein­ge­reicht.

LG und OLG wie­sen die Klage ab. Auf die Re­vi­sion der Kläge­rin hob der BGH das Ur­teil auf und wies die Sa­che zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das LG zurück.

Die Gründe:
Ent­ge­gen der An­sicht des OLG war der gel­tend ge­machte Re­gress­an­spruch nicht verjährt.

Für Be­ginn und Dauer der Verjährung wa­ren hier die Vor­schrif­ten der §§ 195 ff BGB an­wend­bar. Der gel­tend ge­machte An­spruch war mit Ab­lauf des 31.12.2004 und da­mit nach In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur An­pas­sung von Verjährungs­vor­schrif­ten an das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 9.12.2004 ent­stan­den. Maßgeb­lich war auch nicht der Zeit­punkt der Man­dats­begründung, son­dern zu wel­chem Zeit­punkt der gel­tend ge­machte Scha­den ent­stan­den war.

Nicht ge­folgt wer­den konnte zu­dem der An­nahme des Be­ru­fungs­ge­richts, der gel­tend ge­machte Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen die Be­klagte sei be­reits am 31.12.2004 ent­stan­den. Denn be­steht die Pflicht­wid­rig­keit des Rechts­be­ra­ters darin, dass der ge­bo­tene Rechts­be­helf ge­gen einen Be­scheid un­ter­blie­ben ist, ent­steht der Scha­den des Man­dan­ten mit Ab­lauf der Rechts­be­helfs­frist, also erst in dem Au­gen­blick, in dem er nicht mehr durch einen Rechts­be­helf die Abände­rung des ge­gen ihn er­gan­ge­nen Be­scheids er­wir­ken kann.

Die Pflicht­wid­rig­keit lag hier in der un­ter­las­se­nen Be­ra­tung und Kla­ge­er­he­bung ge­gen den Ver­mitt­ler. Diese Kla­ge­er­he­bung hätte ord­nungs­gemäß noch bis zum 31.12.2004 er­fol­gen können. Da­her war der Scha­den der Kläge­rin erst mit Ab­lauf die­ses Ta­ges, mit­hin am 1.1.2005 ein­ge­tre­ten. Da die Be­klagte den 31.12.2004 zur Ver­mei­dung ei­ner Scha­dens­er­satz­pflicht durch die Er­he­bung ei­ner ent­spre­chen­den Klage ge­gen den Ver­mitt­ler noch voll aus­nut­zen durfte, wurde der ge­gen sie ge­rich­tete Er­satz­an­spruch gem. § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB erst am 1.1.2005 begründet. So­mit kam es nicht dar­auf an, wann die Kläge­rin von der zwei­ten Vor­aus­set­zung für den Verjährungs­be­ginn, den An­spruch begründen­den Umständen und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis er­langt bzw. in­folge gro­ber Fahrlässig­keit nicht er­langt hatte.

Die dreijährige Frist des § 195 BGB war, weil der An­spruch im Jahr 2005 begründet wurde, gem. § 199 Abs. 1 BGB erst mit dem Schluss die­ses Jah­res in Lauf ge­setzt wor­den. Folg­lich war die Verjährungs­frist frühes­tens mit Ab­lauf des 31.12.2008 ver­stri­chen. Die am 30.12.2008 bei Ge­richt ein­ge­gan­gene Klage wurde mit­hin in nicht verjähr­ter Zeit ein­ge­reicht.

Link­hin­weis:
  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf der Home­page des BGH veröff­ent­licht.
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