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Agrarunternehmen schuldet Schadensersatz wegen Glyphosat im Honig

Agrar­un­ter­neh­men könn­ten sich Scha­dens­er­satz­an­sprüchen von Im­kern we­gen des Ein­sat­zes des Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­tels Gly­pho­sat aus­ge­setzt se­hen. Ein Im­ker ob­siegte in einem ent­spre-chen­den Scha­dens­er­satz­pro­zess vor dem Land­ge­richt Frank­furt (Oder).

Im Pro­zess um die Klage ei­nes Im­kers we­gen des Ein­sat­zes des Un­kraut­ver­nich­ters Gly­pho­sat muss das be­klagte Agrar-Un­ter­neh­men voll­umfäng­lich Scha­den­er­satz in Höhe von 14.500 Euro leis­ten. Dies ent­schied das Land­ge­richt (LG) Frank­furt (Oder) am 20.06.2022 (Az. 13 O 97/20).

© unsplash

Der Im­ker stellte 2019 seine Bie­nenkästen ne­ben ei­ner von dem be­klag­ten Un­ter­neh­men be­wirt­schaf­te­ten Fläche auf. Die Bie­nenkästen wa­ren bei Be­ge­hung des Ackers für je­der­mann er­kenn­bar. Im Frühjahr 2019 ver­wen­dete das Un­ter­neh­men auf die­ser Fläche gly­phos­at­hal­ti­gen Un­kraut­bekämp­fungs­mit­tel. Die Bie­nen des Im­kers tru­gen die ver­un­rei­nig­ten Pol­len der gly­pho­sat­be­las­te­ten Blüten in die Bie­nenstöcke. Dar­auf­hin mus­ste der Im­ker Wachs und vier Ton­nen Ho­nig ent­sor­gen, da nach ent­spre­chen­den La­borana­ly­sen die zulässi­gen Rück­standshöchst­men­gen für Gly­pho­sat in den ein­ge­reich­ten Pro­ben bis zu 150-fach über­schrit­ten wor­den sind. In der Folge gab der Im­ker sei­nen Be­trieb auf. Für die Ver­un­rei­ni­gung sei­nes Ho­nigs for­derte er nun­mehr Scha­den­er­satz ge­genüber dem Agrar-Un­ter­neh­men und be­kam Recht.

Da das Agrar-Un­ter­neh­men das Ei­gen­tum des Im­kers fahrlässig und rechts­wid­rig be­schädigte, sprach das Land­ge­richt Frank­furt (Oder) dem Im­ker einen Scha­dens­er­satz in Höhe von 14.500 Euro zu. Ein Mit­ver­schul­den des Im­kers an der Kon­ta­mi­na­tion des Wach­ses und des Ho­nigs er­kannte das Land­ge­richt nicht. Das Ur­teil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Land­ge­richt Frank­furt (Oder) setzte sich nicht mit der Frage aus­ein­an­der, ob Land­wirte bei einem Gly­pho­sat-Ein­satz grundsätz­lich da­mit rech­nen müssen, dass Bie­nenstöcke in der Nähe sind bzw. ob Im­ker Land­wirte über auf­ge­stellte Bie­nenstöcke in­for­mie­ren müssen.

Auf­grund die­ses Ur­teils ist es nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass bei ent­spre­chen­den Ver­un­rei­ni­gun­gen mit Pflan­zen­schutz­mit­teln wei­tere Im­ker Scha­dens­er­satz­an­sprüche ge­gen Agrar­un­ter­neh­men er­he­ben wer­den.

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