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Werbungskostenabzug für "umgekehrte Familienheimfahrten" ist zulässig

FG Münster 23.8.2013, 12 K 339/10 E

Die Fahrtkosten einer Ehefrau, die ihren Ehemann an Wochenenden auf wechselnden Baustellen besucht (sog. "umgekehrte Familienheimfahrten"), können als Werbungskosten abzugsfähig sein. Zwar sind solche Besuchsfahrten sowohl privat als auch beruflich veranlasst, jedoch überwiegt die berufliche Veranlassung deutlich.

Der Sach­ver­halt:
Der Klä­ger arbei­tet als Mon­teur und ist welt­weit auf wech­seln­den Bau­s­tel­len ein­ge­setzt. Wäh­rend eines Ein­sat­zes in den Nie­der­lan­den besuchte ihn seine Ehe­frau an ins­ge­s­amt drei Woche­n­en­den. Hier­für machte der Klä­ger bei sei­nen Ein­künf­ten aus nicht­selbst­stän­di­ger Arbeit im Streit­jahr 2007 einen Wer­bungs­kos­ten­ab­zug gel­tend. Er legte eine Beschei­ni­gung sei­nes Arbeit­ge­bers vor, wonach die Anwe­sen­heit des Klä­gers auf der Bau­s­telle auch an den Woche­n­en­den aus pro­duk­ti­ons­tech­ni­schen Grün­den erfor­der­lich gewe­sen sei.

Das Finanz­amt ver­sagte den Abzug. Es war der Ansicht, es han­dele sich dabei um Kos­ten der pri­va­ten Lebens­füh­rung. Strei­tig geb­lie­ben war die Berück­sich­ti­gung der Kos­ten i.H.v. ins­ge­s­amt 468 €.

Das FG gab der Klage statt. Die Revi­sion ist beim BFH unter dem Az.: VI R 22/14 anhän­gig.

Die Gründe:
Das Finanz­amt hatte es zu Unrecht abge­lehnt, die gel­tend gemach­ten Fahrt­kos­ten der Ehe­frau zum Beschäf­ti­gung­s­ort des Klä­gers als Wer­bungs­kos­ten bei der Ermitt­lung sei­ner Ein­künfte aus nicht­selb­stän­di­ger Tätig­keit zu berück­sich­ti­gen.

Ein Arbeit­neh­mer, der - wie der Klä­ger - an stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­stät­ten sei­nen Beruf aus­übt und am Ort einer der­ar­ti­gen aus­wär­ti­gen Tätig­keits­stätte vor­über­ge­hend eine Unter­kunft bezieht, begrün­det keine dop­pelte Haus­halts­füh­rung. Die Frage des Ansat­zes von Kos­ten für Fami­li­en­heim­fahr­ten oder umge­kehrte Fami­li­en­heim­fahr­ten als Teil des Auf­wan­des einer dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung stellte sich hier somit nicht mehr.

Zwar waren die Besuchs­fahr­ten sowohl pri­vat als auch beruf­lich ver­an­lasst, jedoch über­wiegte die beruf­li­che Ver­an­las­sung deut­lich. Wäre der Klä­ger an den Woche­n­en­den zum Fami­li­en­wohn­sitz gefah­ren, hätte er die hier­durch ent­stan­de­nen Kos­ten auf jeden Fall als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen kön­nen. Da sol­che Fami­li­en­heim­fahr­ten wegen dienst­li­cher Not­wen­dig­kei­ten nicht mög­lich waren, musste somit das­selbe für die Besuchs­fahr­ten der Ehe­frau (sog. "umge­kehrte Fami­li­en­heim­fahr­ten") gel­ten.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text des Urteils ist erhält­lich unter www.nrwe.de - Recht­sp­re­chungs­da­ten­bank des Lan­des NRW.

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