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Vorsteuerabzug aus Spielervermittler-Rechnungen

FG Düsseldorf 27.4.2015, 1 K 3636/13 U

Das FG Düsseldorf hat der Klage eines Fußball-Bundesligavereins auf Berücksichtigung von Vorsteuerbeträgen aus Rechnungen von Spielervermittlern weitgehend stattgegeben. Im Hinblick auf die Mehrzahl der Spielervermittler-Rechnungen hat insofern ein unmittelbarer Leistungsaustausch zwischen dem Verein und den Spielervermittlern bestanden.

Der Sach­ver­halt:
Die Sache befin­det sich im zwei­ten Rechts­gang. Strei­tig ist der Vor­steu­er­ab­zug aus meh­re­ren Rech­nun­gen, die dem Klä­ger von Spie­ler­ver­mitt­lern anläss­lich des Trans­fers und der Ver­trags­ver­län­ge­rung von Berufs­fuß­ball­spie­lern erteilt wur­den. Der Klä­ger ist ein im Ver­eins­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ner Sport­ve­r­ein mit wirt­schaft­li­chem Geschäfts­be­trieb. Zu sei­ner Fuß­ball­ab­tei­lung gehört eine Pro­fi­mann­schaft, die aus ange­s­tell­ten Berufs­fuß­ball­spie­lern besteht. Er unter­liegt den Sta­tu­ten des Deut­schen Fuß­ball­bun­des (DFB) und ist auch an die Reg­le­ments des Welt­fuß­ball­ver­bands FIFA gebun­den.

Das Finanz­amt ver­sagte den Vor­steu­er­ab­zug aus den Rech­nun­gen. Zwi­schen dem Klä­ger und den Rech­nungs­aus­s­tel­lern habe kein Leis­tungs­aus­tausch statt­ge­fun­den. Viel­mehr habe der Klä­ger die den Berufs­fuß­ball­spie­lern gegen­über den Spie­ler­ver­mitt­lern oblie­gende Zah­lungs­verpf­lich­tung über­nom­men.

Das FG gab der hier­ge­gen gerich­te­ten Klage im ers­ten Rechts­gang statt. Es ver­t­rat dabei die Auf­fas­sung, dass die Spie­ler­ver­mitt­ler durch die Bera­tung und Ver­mitt­lung bei Trans­fers bzw. Ver­trags­ver­län­ge­run­gen Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen gegen­über dem Ver­ein erbracht haben. Auf die Revi­sion des Finanzamts hob der BFH das Urteil auf und ver­wies die Sache an das FG zurück. Der BFH ver­t­rat die Ansicht, dass ein Pro­fi­fuß­ball­ve­r­ein die Vor­steuer aus Rech­nun­gen von Spie­ler­ver­mitt­lern nur abzie­hen kann, wenn der Ver­ein - und nicht aus­sch­ließ­lich der betref­fende Spie­ler - Emp­fän­ger der Leis­tun­gen ist. Im Streit­fall bestün­den gewich­tige Anhalts­punkte dafür, dass die Spie­ler­ver­mitt­ler - zumin­dest auch - Leis­tun­gen an die jewei­li­gen Spie­ler erbracht haben.

Das FG gab der Klage nun­mehr im zwei­ten Rechts­gang über­wie­gend statt. Die Revi­sion zum BFH wurde nicht zuge­las­sen.

Die Gründe:
Aus der Mehr­zahl der Spie­ler­ver­mitt­ler-Rech­nun­gen ist der Klä­ger in vol­ler Höhe zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt.

Es hat inso­fern ein unmit­tel­ba­rer Leis­tungs­aus­tausch zwi­schen dem Ver­ein und den Spie­ler­ver­mitt­lern bestan­den. Die­ses Ergeb­nis ergibt sich sowohl bei iso­lier­ter Betrach­tung des Zusam­men­wir­kens von Ver­ein und Spie­ler­ver­mitt­ler als auch unter Berück­sich­ti­gung der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und der Beg­lei­t­um­stände bei Ver­eins­wech­seln oder Ver­trags­ver­län­ge­run­gen, wie sie sich nach dem Ergeb­nis der Beweis­auf­nahme dar­s­tel­len. Aus den Zeu­gen­aus­sa­gen der Spie­ler, Spie­ler­ver­mitt­ler und Ver­eins­ver­t­re­ter folgt, dass es auf­grund der Gepf­lo­gen­hei­ten im Pro­fi­fuß­ball prak­tisch nicht mög­lich war, einen Spie­ler "an sei­nem Spie­ler­be­ra­ter vor­bei" für den Ver­ein zu gewin­nen. Hin­ge­gen soll zwi­schen den Spie­lern und den Spie­ler­ver­mitt­lern kein umsatz­steu­er­lich rele­van­ter Leis­tungs­aus­tausch statt­ge­fun­den haben.

Im Hin­blick auf die Rech­nun­gen eines ein­zel­nen Spie­ler­ver­mitt­lers wurde der Vor­steu­er­ab­zug nur zur Hälfte zuge­las­sen. Das vom Ver­ein gezahlte Ent­gelt stellt in den zu beur­tei­len­den Ein­zel­fäl­len näm­lich zug­leich Ent­gelt von drit­ter Seite für Leis­tun­gen gegen­über den Spie­lern dar. Anders als in den übri­gen abge­han­del­ten Fäl­len waren die betrof­fe­nen Spie­ler hier auf­grund der abge­sch­los­se­nen (schrift­li­chen) Mana­ge­ment­ver­träge verpf­lich­tet, ein "übli­ches" Ent­gelt an den Spie­ler­ver­mitt­ler zu entrich­ten. Sch­ließ­lich wurde der Vor­steu­er­ab­zug aus Rech­nun­gen von zwei wei­te­ren Spie­ler­ver­mitt­lern, einem Han­dels­ver­t­re­ter und zug­leich Vater eines Spie­lers sowie einem Rechts­an­walt, kom­p­lett ver­sagt. Der kla­gende Ver­ein konnte inso­weit nicht über­zeu­gend dar­le­gen, dass er mak­ler­ähn­li­che Dienst­leis­tun­gen nach­ge­fragt oder erhal­ten habe.

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