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Antworten auf den steigenden Ertragsdruck in der Ernährungsindustrie

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ernährungs­in­dus­trie und Eb­ner Stolz veröff­ent­li­chen Stu­die zu kon­kre­ten Her­aus­for­de­run­gen und Lösungs­ansätzen

Die Bi­lanz der Ernährungs­in­dus­trie für das Jahr 2015 fällt ernüchternd aus: Die Bran­che mus­ste einen Um­satzrück­gang von mehr als zwei Pro­zent ver­kraf­ten – das schlech­teste Er­geb­nis der letz­ten vier Jahre. Das Klima wird rauer. Dies bestäti­gen die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ernährungs­in­dus­trie (BVE) und das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Eb­ner Stolz Ma­nage­ment Con­sul­tants in ih­rer ak­tu­el­len Stu­die „Wet­ter­wech­sel. Stei­gen­der Er­trags­druck in der Ernährungs­in­dus­trie – Her­aus­for­de­run­gen und Stra­te­gien“.

Antworten auf den steigenden Ertragsdruck in der Ernährungsindustrie© Thinkstock

60 Pro­zent der be­frag­ten Un­ter­neh­men sind un­zu­frie­den mit der ak­tu­el­len Er­geb­nis­lage. Eine Trend­wende ist nicht in Sicht: 61 Pro­zent der be­frag­ten Top-Ent­schei­der er­war­ten, dass sich diese Ent­wick­lung in den kom­men­den drei Jah­ren fort­set­zen wird. „Diese Si­tua­tion ist nicht auf ei­nige we­nige Pro­bleme zurück­zuführen. Viel­mehr sind die Un­ter­neh­men mit kom­ple­xen  Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert: veränder­tes Ver­brau­cher­ver­hal­ten, stei­gende Be­schaf­fungs­ri­si­ken, zu­neh­mende Kom­ple­xität der Märkte und Pro­zesse, Kon­so­li­die­rungs- und In­ter­na­tio­na­li­sie­rungs­druck, wach­sende Han­dels­macht, ge­ring aus­geprägtes Ko­ope­ra­ti­ons­ver­hal­ten und we­nig In­no­va­ti­ons­chan­cen“, erklärt Chris­toph Min­hoff, Haupt­ge­schäftsführer der BVE.

Auf der einen Seite ma­chen die Kun­den Druck: Die Ver­brau­cher ach­ten nicht nur auf den Preis, son­dern mehr auf in­di­vi­du­elle Qua­litäts- und Kon­sum­mer­kmale; fer­ner nimmt der Han­del zu­neh­mend Ein­fluss auf das An­ge­bot. Das Markt­vo­lu­men im Hei­mat­markt ist da­mit für viele Her­stel­ler be­grenzt. Auf der an­de­ren Seite ste­hen den schrump­fen­den Umsätzen stei­gende und vo­la­tile Kos­ten für Löhne, En­er­gie und Roh­stoffe ge­genüber. Und diese Preis­verände­run­gen müssen erst ein­mal die Her­stel­ler tra­gen: 96 Pro­zent der Stu­di­en­teil­neh­mer kon­sta­tie­ren, dass sie Kos­ten­stei­ge­run­gen nicht so­fort an die Ab­neh­mer wei­ter­ge­ben können. In die­sem Markt mit ei­ner frag­men­tier­ten An­bie­ter­struk­tur wird der Wett­be­werb härter und  der Kon­so­li­die­rungs­druck gleich­zei­tig größer.
„An­ge­sichts der Viel­zahl an Her­aus­for­de­run­gen braucht es mehr als eine Lösung. Ein gan­zes Bündel an Maßnah­men ist ge­fragt”, be­tont Chris­toph Ha­ver­mann, Part­ner bei Eb­ner Stolz. „Die ak­tu­elle Lage for­dert eine klare Stra­te­gie so­wie eine durch­dachte Pro­gram­ma­tik, um das Un­ter­neh­men wet­ter­fest zu ma­chen und wei­te­res pro­fi­ta­bles Wachs­tum rea­li­sie­ren zu können. Wir ha­ben in un­se­rer Stu­die sie­ben Stell­he­bel iden­ti­fi­ziert.“

Dazu gehören un­ter an­de­rem Pro­dukt­in­no­va­tio­nen. 81 Pro­zent der be­frag­ten Ent­schei­der sind der Mei­nung, dass sie ein Schlüssel für künf­tige Pro­fi­ta­bi­lität sind. Da­her müssen Un­ter­neh­men der Ernährungs­in­dus­trie ein Klima für In­no­va­tio­nen schaf­fen. Was es dafür braucht: vor al­lem eine Op­ti­mie­rung der Pro­dukt­ent­wick­lungs­pro­zesse, die auch die Lie­fe­ran­ten berück­sich­ti­gen (72 Pro­zent). Aber auch die Di­gi­ta­li­sie­rung – Stich­wort In­dus­trie 4.0 – wird nach Mei­nung von 55 Pro­zent der Be­frag­ten die Un­ter­neh­men nach­hal­tig verändern.

Um neues, si­gni­fi­kan­tes Wachs­tum zu er­zie­len, müss­ten die Un­ter­neh­men noch viel stärker als bis­her neue Ab­satzmärkte im Aus­land er­schließen. 78 Pro­zent der Be­frag­ten se­hen hier be­son­ders den Ver­trieb im Fo­kus. Doch der hohe Res­sour­cen­auf­wand er­schwert den Gang ins Aus­land. Statt diese Ar­beit al­leine zu stem­men, könn­ten die Un­ter­neh­men den Schul­ter­schluss mit an­de­ren su­chen. Ob bei der In­ter­na­tio­na­li­sie­rung, bei In­no­va­tio­nen oder bei der In­te­gra­tion vor- und nach­ge­schal­te­ter Wert­schöpfungs­stu­fen: Bünd­nisse – Al­li­an­zen, Fu­sio­nen oder Zukäufe – können die ei­gene stra­te­gi­sche Po­si­tion nach­hal­tig ver­bes­sern. Doch diese Chance von Part­ner­schaf­ten er­ken­nen bis­her nur 47 Pro­zent der Stu­di­en­teil­neh­mer.

An­ge­sichts die­ser Viel­zahl an Möglich­kei­ten wird deut­lich: Die Un­ter­neh­men müssen die ak­tu­ell schwie­rige Si­tua­tion nicht hin­neh­men, son­dern können sie ge­stal­ten. Dafür ist aber vor al­lem ei­nes ge­fragt: Ent­schlos­sen­heit. Die Un­ter­neh­men dürfen nicht ab­war­ten, son­dern sie brau­chen eine klare Zu­kunfts­stra­te­gie. Sie müssen jetzt ak­tiv und ef­fi­zi­ent han­deln. Nur so können sie lang­fris­tig dem Er­trags­druck stand­hal­ten.


 

Daten und Fakten zur Studie


Ti­tel der Stu­die: Wet­ter­wech­sel. Stei­gen­der Er­trags­druck in der Ernährungs­in­dus­trie – Her­aus­for­de­run­gen und Stra­te­gien

Ver­ant­wort­li­che der Stu­die: Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ernährungs­in­dus­trie, Eb­ner Stolz Ma­nage­ment Con­sul­tants

Be­fragte: Für die Stu­die ha­ben wir mit einem On­line-Tool führende Ver­tre­ter der Ernährungs­in­dus­trie be­fragt. Ne­ben der quan­ti­ta­ti­ven Er­he­bung wur­den Ex­per­ten­in­ter­views mit Un­ter­neh­mens­ver­tre­tern zu ein­zel­nen Schwer­punk­ten geführt. Die Er­geb­nisse sind in die Stu­di­en­do­ku­men­ta­tion ein­ge­flos­sen.

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