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Should I stay or should I go? Verlagsbranche klärt Beziehungsstatus

3. Unternehmerdialog Medien und Verlage

52 Gäste wa­ren der er­neu­ten Ein­la­dung von Eb­ner Stolz zum 3. Un­ter­neh­mer­dia­log Me­dien und Ver­lage in die Villa Mer­ton in Frank­furt ge­folgt. Die Ver­tre­ter ei­ner Bran­che, die als eine der ers­ten vom di­gi­ta­len Wan­del be­trof­fen war und auf her­aus­for­dernde Jahre zurück­blickt, nutz­ten die ex­klu­sive Möglich­keit zum Aus­tausch.

Sie dis­ku­tier­ten leb­haft die Frage: im Zei­tungs­ge­schäft blei­ben oder ge­hen? Was ist die rich­tige Stra­te­gie, wann der rich­tige Zeit­punkt? Vier Re­fe­ren­ten bo­ten Hil­fe­stel­lung und span­nende Ein­bli­cke.

3. Unternehmerdialog Medien und Verlage© 3. Unternehmerdialog Medien und Verlage - Foto: Volker Schäffner

Challenge accepted

Wie sich Ver­lage im Hin­blick auf den di­gi­ta­len Wan­del er­folg­reich po­si­tio­nie­ren können, da­von be­rich­tete Dr. Chris­tian Weg­ner, seit 2018 Vor­sit­zen­der der Ge­schäftsführung der Südwest­deut­schen Me­di­en­hol­ding (SWMH). Nach einem kurzen Blick auf die Pro­bleme der Me­di­en­schaf­fen­den, wie sin­kende Abon­nen­ten­zah­len im Printbe­reich und das Ab­wan­dern des An­zei­gen­ge­schäfts zu Google & Fa­ce­book, kam Weg­ner zum We­sent­li­chen: Es gibt Licht am Ende des Tun­nels und die SWMH ist stra­te­gi­sch gut auf­ge­stellt. Ihre Prio­ritäten: über­re­gio­nal die Zahl der Abon­nen­ten stei­gern, in Neu­ge­schäft mit ska­lier­ba­ren The­men in­ves­tie­ren, durch Bünde­lung von Tech­no­lo­gien struk­tu­rell ef­fi­zi­en­ter wer­den und – zen­tra­les Thema bei al­len Re­fe­ren­ten – die Un­ter­neh­mens­kul­tur re­vo­lu­tio­nie­ren.
Neue Mit­ar­bei­ter, die Er­fah­run­gen aus der di­gi­ta­len Wirt­schaft mit­brin­gen, sol­len die di­gi­ta­len Pro­dukte wei­ter ver­bes­sern und im Ide­al­fall das eine „Kil­ler-Fea­ture“ fin­den, das di­gi­tale Er­folgs­re­zept. Beim Kampf um die Tech-Ta­lente hilft laut Weg­ner der „neue deut­sche Pur­pose“. Der von vie­len Ar­beit­neh­mern ge­suchte Sinn hin­ter der Ar­beit muss im Zei­tungs­ge­schäft nicht erst er­fun­den wer­den: Er im­pli­ziert das Ver­spre­chen, mit Hilfe von Qua­litäts­jour­na­lis­mus das Gute in der Welt zu stärken.

You cannot rest. Ever!

Auch un­ser Gast aus der Schweiz, Dr. Pa­trick Ra­de­ma­cher, Se­nior Ma­na­ger Stra­tegy bei der Rin­gier AG in Zürich, schaut op­ti­mis­ti­sch in die Zu­kunft. Zunächst blickt er zurück auf 12 Jahre di­gi­tale Trans­for­ma­tion der Rin­gier-Gruppe: Das Un­ter­neh­men ent­wi­ckelte sich von einem tra­di­ti­ons­rei­chen Print-Ver­lag zu einem di­ver­si­fi­zier­ten Me­di­en­un­ter­neh­men, das 2018 einen di­gi­ta­len EBITDA-An­teil von 71 Pro­zent er­zielte. Ne­ben zahl­rei­chen Ma­ga­zi­nen pro­du­ziert Rin­gier u.a. den Blick, das Schwei­zer Pen­dant zur Bild­zei­tung, und hat sich vor­ge­nom­men, von Google & Co. zu ler­nen. Denn laut Ra­de­ma­cher ha­ben di­gi­tale pu­bli­zis­ti­sche An­ge­bote deut­lich bes­sere Er­folgs­chan­cen, wenn sie ein­ge­loggte User auf ih­ren Sei­ten ha­ben, wie Fa­ce­book, Ins­tagram, Twit­ter und Net­flix es vor­ma­chen.
Der Be­frei­ungs­schlag: Rin­gier schmie­dete Ende 2018 eine Login-Al­li­anz mit den an­de­ren großen Schwei­zer Me­di­enhäusern so­wie dem öff­ent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen. Ein Login soll in Zu­kunft für alle Sei­ten der be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men aus­rei­chen. Das ge­ne­riert mehr Traf­fic, mehr Reich­weite und bes­sere Da­ten. Auf die­ser Ba­sis können dem Wer­be­markt bes­sere An­ge­bote ge­macht wer­den und für die Nut­zer in­di­vi­dua­li­sierte An­ge­bote. Zusätz­lich in­ves­tiert Rin­gier in den Wachs­tums­markt Vi­deo und in­stal­liert mit BlickTV ein di­gi­ta­les TV-An­ge­bot. Ne­ben zwei hoch­mo­der­nen Di­gi­tal TV-Stu­dios, wel­che ak­tu­ell ge­baut wer­den, lie­fert eine Part­ner­schaft mit CNN be­wegte Nach­rich­ten­bil­der aus dem Aus­land.
Die ab­schließende Bot­schaft von Pa­trick Ra­de­ma­cher: Egal, ob man sich ent­schei­det, ein Ge­schäfts­feld aus­zu­bauen oder die­ses zu ver­las­sen – es ist wich­tig, zu ent­schei­den und dann ent­spre­chend zu han­deln. Still­stand ist die schlech­teste Op­tion.

Wie Großverlage Portfolio-Entscheidungen treffen

Die Gefühls­lage ist laut Marc Zei­metz häufig der Be­weg­grund, der Ver­le­ger am Zei­tungs­ge­schäft fest­hal­ten lässt oder eben nicht. Der frühere Me­dien-Ma­na­ger, u. a. bei Holtz­brinck und der Ma­dsack-Gruppe, und heu­tige In­ves­tor, erklärt, dass große Me­di­en­kon­zerne wie Sprin­ger oder Burda sich früh von vie­len ih­rer Zei­tungs­ti­tel ge­trennt ha­ben; weil sie be­reits di­gi­tale Al­ter­na­ti­ven in ih­rem Port­fo­lio hat­ten, aber auch, weil sie als Großkon­zern we­ni­ger emo­tio­nal ent­schei­den. Ein mit­telständi­scher Ver­le­ger da­ge­gen han­delt oft emo­tio­na­ler und wird sich, auch aus Man­gel an Al­ter­na­ti­ven im ei­ge­nen Port­fo­lio, eher für „Stay“ ent­schei­den. Gefühlt ist der Markt ge­rade stark in Be­we­gung, er hat sich aber von einem Verkäufer- zu einem rei­nen Käufer­markt ge­wan­delt.
Um er­folg­reich zu in­ves­tie­ren, braucht man laut Zei­metz ne­ben einem gu­ten „Näschen“ vor al­lem Un­abhängig­keit für Ent­schei­dun­gen ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfade. Wie die Ge­schichte des südafri­ka­ni­schen Me­di­en­kon­zerns Nas­pers und sei­nes CEOs, Koos Bek­ker, be­weist. Seine frühen In­ves­ti­tio­nen in das kleine chi­ne­si­sche Star­tup und heu­ti­gen Tech­no­lo­gie­rie­sen Ten­cent mach­ten den Kon­zern zu einem in­ter­na­tio­na­len Big Player. 

Kontinuität in Zeiten der Disruption

Einen op­ti­mis­ti­schen Schluss­punkt setzte der Ver­le­ger Lars Joa­chim Rose von der Me­di­en­gruppe Klambt in sei­nem In­ter­view mit Karl-Heinz Bonny. Sein Me­di­en­haus, das vor al­lem mit Il­lus­trier­ten-Ti­teln für eine ältere Ziel­gruppe, aber auch mit Pro­gramm­zeit­schrif­ten, er­folg­reich ist, hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren so­gar noch Prin­tob­jekte zu­ge­kauft. Mit einem Schmun­zeln sagt Rose, dass sein Un­ter­neh­men wohl so eine Art er­folg­rei­cher „Di­no­sau­rier“ ist, der noch ge­nug Le­bens­raum fin­det und sich mit der An­pas­sung an die veränderte Um­welt mehr Zeit las­sen kann als an­dere. Denn seine Ziel­gruppe kauft noch Print, wes­halb auch der Wer­be­markt noch flo­riert, vor al­lem durch Pharma und Health Care.
Gleich­wohl in­ves­tiert auch Klambt in di­gi­tale For­mate und neue Ge­schäfts­fel­der, bündelt Res­sour­cen und eta­bliert suk­zes­sive eine veränderte Un­ter­neh­mens­kul­tur. Zum drit­ten Mal für heute lau­tet die Ant­wort auf die ein­gangs ge­stellte Frage: Blei­ben! Und der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer fügt hinzu: „Aber da­bei gut vor­sor­gen für die kom­mende Ge­ne­ra­tion.“

Aus der Geschichte lernen

Aus der Ge­schichte ler­nen heißt in die­sem Fall: Die, die blei­ben, müssen und wol­len sich be­we­gen. Neue Wege ge­hen, Al­li­an­zen schmie­den und auf ihr Po­ten­zial ver­trauen. An­dreas Schüren und Oli­ver Göbl, die für Eb­ner Stolz durch die Ver­an­stal­tung führ­ten, nah­men die An­re­gun­gen und ihre Gäste mit in einen schönen Abend mit leb­haf­ten Ge­sprächen in ent­spann­ter At­mo­sphäre.  

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