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Zur unterlassenen Angabe der CO2-Emissionen eines Pkw-Modells in der Werbung

BGH 24.7.2014, I ZR 119/13

"Mo­dell" i.S.d. § 5 Abs. 1 Pkw-EnVKV ist nach § 2 Nr. 15 Pkw-EnVKV die Han­dels­be­zeich­nung ei­nes Fahr­zeugs, be­ste­hend aus Fa­brik­marke, Typ so­wie ggf. Va­ri­ante und Ver­sion ei­nes Pkw. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass nach § 2 Nr. 6 Pkw-EnVKV i.V.m. Art. 2 Nr. 6 der Richt­li­nie 1999/94/EG dann, wenn un­ter einem Mo­dell meh­rere Va­ri­an­ten und/oder Ver­sio­nen zu­sam­men­ge­fasst sind, der Wert für die CO2-Emis­sio­nen die­ses Mo­dells auf der Grund­lage der Va­ri­ante oder Ver­sion mit den höchs­ten of­fi­zi­el­len CO2-Emis­sio­nen in­ner­halb die­ser Gruppe an­zu­ge­ben sind.

Der Sach­ver­halt:
Die Be­klagte ist die Her­stel­le­rin des Fahr­zeugs Mer­ce­des-Benz SLK. In der deut­schen Aus­gabe der Zeit­schrift "fal­staff" 03/11 (Juni bis Au­gust 2011) warb sie für die­ses Fahr­zeug, ohne da­bei An­ga­ben über des­sen Kraft­stoff­ver­brauch und CO2-Emis­sio­nen zu ma­chen. Die Kläge­rin ist ein in die Liste qua­li­fi­zier­ter Ein­rich­tun­gen nach § 4 UKlaG ein­ge­tra­ge­ner Um­welt- und Ver­brau­cher­schutz­ver­band. Sie ver­folgt nach ih­rer Sat­zung un­ter an­de­rem den Zweck, die aufklärende Ver­brau­cher­be­ra­tung und den Um­welt­schutz in Deutsch­land zu fördern.

Nach An­sicht der Kläge­rin hat die Be­klagte mit der Wer­bung in der Zeit­schrift "fal­staff" 03/11 ih­rer sich aus der Pkw-En­er­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung (Pkw-EnVKV) er­ge­ben­den Ver­pflich­tung zu­wi­der­ge­han­delt, als Her­stel­ler neuer Pkw si­cher­zu­stel­len, dass in Wer­be­schrif­ten für diese Fahr­zeuge de­ren CO2-Emis­si­ons­werte an­ge­ge­ben wer­den. Ihre nach er­folg­lo­ser Ab­mah­nung er­ho­bene Klage ist auf Un­ter­las­sung und Er­stat­tung von Ab­mahn­kos­ten ge­rich­tet. Die Be­klagte macht dem­ge­genüber gel­tend, die An­ga­ben zu den CO2-Wer­ten seien zu­min­dest nach der Fas­sung ent­behr­lich ge­we­sen, in der die An­lage 4 (zu § 5) Ab­schnitt I Nr. 3 der Pkw-En­er­gie­ver­brauchs­kenn­zeich­nungs­ver­ord­nung bis zum 30.11.2011 ge­gol­ten habe.

LG und OLG wie­sen die Klage ab. Die Re­vi­sion der Kläge­rin hatte vor dem BGH kei­nen Er­folg.

Die Gründe:
Der Kläge­rin steht der gel­tend ge­machte Un­ter­las­sungs­an­spruch nach §§ 8, 3, 4 Nr. 11 UWG i.V.m. den Be­stim­mun­gen der Pkw-EnVKV ebenso we­nig zu wie der von ihr in­so­weit gel­tend ge­machte An­spruch gem. § 12 Abs. 1 S. 2 UWG auf Er­satz der Ab­mahn­kos­ten. Die Be­klagte hat mit der von der Kläge­rin be­an­stan­de­ten Wer­bung schon des­halb nicht ge­gen die Pkw-EnVKV ver­stoßen, weil sich diese Wer­bung an­ders als die Wer­bung in der Sa­che "Gall­ardo Spy­der" (BGH 4.2.2010, I ZR 66/09) nicht wie in § 5 Abs. 1 und Ab­schnitt I der An­lage 4 der Pkw-EnVKV vor­aus­ge­setzt auf ein be­stimm­tes Pkw-Mo­dell be­zo­gen hat.

Nach § 5 Abs. 1 Pkw-EnVKV ha­ben Her­stel­ler und Händ­ler, die Wer­be­schrif­ten ver­wen­den, si­cher­zu­stel­len, dass dort An­ga­ben über die of­fi­zi­el­len spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen der be­tref­fen­den Mo­delle neuer Pkw nach Maßgabe von Ab­schnitt I der An­lage 4 die­ser Ver­ord­nung ge­macht wer­den. Wird für meh­rere Mo­delle ge­wor­ben, sind ent­we­der die Werte für je­des Mo­dell an­zuführen oder es ist die Spann­breite zwi­schen den ungüns­tigs­ten und den güns­tigs­ten of­fi­zi­el­len spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen im kom­bi­nier­ten Test­zy­klus an­zu­ge­ben. Nach Ab­schnitt I Nr. 3 der An­lage 4 der Pkw-EnVKV ist eine An­gabe der CO2-Werte nicht er­for­der­lich, wenn nicht für ein be­stimm­tes Mo­dell, son­dern le­dig­lich für die Fa­brik­marke ge­wor­ben wird.

Der von der Kläge­rin gel­tend ge­machte Ver­let­zungs­un­ter­las­sungs­an­spruch ist al­ler­dings nur dann begründet, wenn die be­an­stan­dete Wer­bung der Be­klag­ten auch schon ge­gen die zum Zeit­punkt ih­res Er­schei­nens im Som­mer 2011 gel­ten­den Be­stim­mun­gen der Pkw-EnVKV ver­stieß und des­halb wett­be­werbs­wid­rig war. Dem­ent­spre­chend ist bei der Be­ur­tei­lung die­ses An­spruchs auch die Fas­sung des Ab­schnitts I Nr. 3 der An­lage 4 zur Pkw-EnVKV zu berück­sich­ti­gen, die bis zum 30.11.2011 ge­gol­ten hat. Da­nach war eine An­gabe der CO2-Werte auch dann nicht er­for­der­lich, wenn le­dig­lich für einen Typ ge­wor­ben wurde und keine An­ga­ben zur Mo­to­ri­sie­rung ge­macht wur­den.

Nach § 2 Nr. 15 Pkw-EnVKV ist "Mo­dell" die Han­dels­be­zeich­nung ei­nes Fahr­zeugs, be­ste­hend aus Fa­brik­marke, Typ so­wie ggf. Va­ri­ante und Ver­sion ei­nes Pkw. Diese De­fi­ni­tion stimmt in der Sa­che mit der in Art. 2 Nr. 11 der Richt­li­nie 1999/94/EG ent­hal­te­nen Be­griffs­be­stim­mung übe­rein. Von dem vor­lie­gend be­wor­be­nen Pkw "Mer­ce­des-Benz SLK" gibt es meh­rere Va­ri­an­ten/Ver­sio­nen und da­mit auch meh­rere Mo­delle. Eine Ver­pflich­tung zur An­gabe der gem. § 5 Abs. 1 und Ab­schnitt I der An­lage 4 der Pkw-EnVKV zu ma­chen­den An­ga­ben hätte für die Be­klagte da­nach nur dann be­stan­den, wenn sie etwa für ein be­stimm­tes Mo­dell ge­wor­ben hätte. Das ist in der an­ge­grif­fe­nen Wer­bung nicht der Fall, die nur all­ge­mein das Fahr­zeug "Mer­ce­des-Benz SLK" zum Ge­gen­stand hat, ohne ein kon­kre­tes Mo­dell i.S.d. Pkw-EnVKV an­zuführen.

Dem Vor­ste­hen­den steht nicht ent­ge­gen, dass nach § 2 Nr. 6 Pkw-EnVKV i.V.m. Art. 2 Nr. 6 der Richt­li­nie 1999/94/EG dann, wenn un­ter einem Mo­dell meh­rere Va­ri­an­ten und/oder Ver­sio­nen zu­sam­men­ge­fasst sind, der Wert für die CO2-Emis­sio­nen die­ses Mo­dells auf der Grund­lage der Va­ri­ante oder Ver­sion mit den höchs­ten of­fi­zi­el­len CO2-Emis­sio­nen in­ner­halb die­ser Gruppe an­zu­ge­ben sind. Diese bei­den Be­stim­mun­gen sind gem. § 2 Nr. 16 Pkw-EnVKV i.V.m. Art. 2 Nr. 12 der Richt­li­nie 1999/94/EG auf die Richt­li­nie 70/156/EWG zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Be­triebs­er­laub­nis für Kfz und Kfz-Anhänger be­zo­gen.

Link­hin­weis:

  • Der Voll­text der Ent­schei­dung ist auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
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