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Schwarzer Anzug stellt keine Berufskleidung dar

FG Berlin-Brandenburg 29.8.2018, 3 K 3278/15

Ein schwar­zer An­zug, schwarze Blu­sen und schwarze Pull­over, die sich in kei­ner Weise von dem un­ter­schei­den, was nach all­ge­mei­ner Übung wei­ter Kreise der Bevölke­rung als fest­li­che Klei­dung zu be­son­de­ren Anlässen ge­tra­gen wird, sind keine ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung. Dies gilt für alle Be­rufe, da­her auch (und in­so­weit ge­gen BFH) für be­stimmte Be­rufs­grup­pen wie Lei­chen­be­stat­ter, Trau­er­red­ner, ka­tho­li­sche Geist­li­che und Ober­kell­ner.

Der Sach­ver­halt:

Der Kläger ist als selbständi­ger Trau­er­red­ner und Trau­er­be­glei­ter tätig. Die Kläge­rin übte die­sen Be­ruf bis Sep­tem­ber 2008 aus. Sie er­mit­tel­ten ih­ren Ge­winn durch Ein­nah­men-Über­schuss-Rech­nung und berück­sich­tig­ten da­bei auch Aus­ga­ben für Klei­dung und Schuhe so­wie für Ände­rung, Re­pa­ra­tur und Rei­ni­gung von Klei­dung auf ih­rem je­wei­li­gen Konto "Be­triebs­be­darf" als Be­triebs­aus­ga­ben.

Nach ei­ner Be­triebsprüfung ver­trat der Prüfer die Auf­fas­sung, es liege keine ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung vor, und bei bürger­li­cher Klei­dung scheide ein Be­triebs­aus­ga­ben­ab­zug aus. Im An­schluss daran er­ließ das Fi­nanz­amt ent­spre­chende Ände­rungs­be­scheide zur Ein­kom­men­steuer 2008 bis 2010 der Kläger, zur Um­satz­steuer 2008 der Kläge­rin und zur Um­satz­steuer 2008 bis 2010 des Klägers.

Die Kläger mach­ten gel­tend, dass der BFH den schwar­zen An­zug ei­nes ka­tho­li­schen Geist­li­chen und ei­nes Lei­chen­be­stat­ters als Ar­beits­klei­dung an­er­kannt habe. Sie wa­ren der An­sicht, dass diese Ent­schei­dun­gen auf einen Be­stat­tungs­red­ner über­trag­bar seien. Ergänzend be­zo­gen Sie sich auf die Ent­schei­dung des Großen Se­nats zur Auf­teil­bar­keit von Kos­ten für Rei­sen. Nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung ma­che es keine Freude, im Som­mer mit schwar­zer Klei­dung im Pri­vat­be­reich als Be­stat­tungs­red­ner er­kenn­bar auf­zu­tre­ten.

Das FG wies die Klage ab. Al­ler­dings wurde zur Si­che­rung ei­ner ein­heit­li­chen Recht­spre­chung die Re­vi­sion zu­ge­las­sen. Das Ver­fah­ren ist beim BFH un­ter dem Az.: VIII R 33/18 anhängig.

Die Gründe:

Bei den gel­tend ge­mach­ten Auf­wen­dun­gen für Klei­dung, Schuhe und Rei­ni­gung von Klei­dung han­delt es sich nicht um Be­triebs­aus­ga­ben (§ 4 Abs. 4 EStG), son­dern um Kos­ten der pri­va­ten Le­bensführung (§ 12 Nr. 1 EStG).

Auch nach der Ent­schei­dung des Großen Se­nats des BFH (Be­schl. v. 21.9.2009, Az.: GrS 1/06) zur Auf­teil­bar­keit von Auf­wen­dun­gen für eine ge­mischt ver­an­lasste Reise können Auf­wen­dun­gen für sog. "bürger­li­che Klei­dung" (als Ge­gen­be­griff zur "ty­pi­schen Be­rufs­klei­dung") we­der ganz noch teil­weise als Be­triebs­aus­ga­ben (bzw. Wer­bungs­kos­ten) ab­ge­zo­gen wer­den. Der BFH hat mit Be­schluss vom 13.11.2013 (Az.: VI B 40/13) ausdrück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Recht­spre­chung zur Ab­zieh­bar­keit der Auf­wen­dun­gen für Klei­dung aus der Zeit vor dem Er­ge­hen des Be­schlus­ses des Großen Se­nats un­verändert fort­gilt. Die BFH-Recht­spre­chung zur Frage, wie sich ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung von bürger­li­cher Klei­dung un­ter­schei­det, er­scheint dem Se­nat nicht im­mer kon­sis­tent und teil­weise wi­der­sprüch­lich. So­weit sie der hie­si­gen Ent­schei­dung ent­ge­gen­ste­hen sollte, folgt der Se­nat ihr nicht.

Ein schwar­zer An­zug, schwarze Blu­sen und schwarze Pull­over, die sich in kei­ner Weise von dem un­ter­schei­den, was nach all­ge­mei­ner Übung wei­ter Kreise der Bevölke­rung als fest­li­che Klei­dung zu be­son­de­ren Anlässen ge­tra­gen wird, sind keine ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung. Dies gilt für alle Be­rufe, da­her auch (und in­so­weit ge­gen BFH) für be­stimmte Be­rufs­grup­pen wie Lei­chen­be­stat­ter, Trau­er­red­ner, ka­tho­li­sche Geist­li­che und Ober­kell­ner. Ob und ggf. in wel­chem Um­fang die frag­li­chen Klei­dungsstücke vom Steu­er­pflich­ti­gen auch zu pri­va­ten Anlässen tatsäch­lich ver­wen­det wur­den, ist un­er­heb­lich.

Mit Ur­teil vom 18.4.1990 (Az.: III R 5/88) hat der BFH aus­geführt, bei haupt­be­ruf­lich täti­gen Be­stat­tern sei der schwarze An­zug ty­pi­sche Be­rufs­klei­dung, bei nur ne­ben­be­ruf­lich bzw. aus­hilfs­weise täti­gen Be­stat­tern je­doch nicht. Der BFH hat aus­geführt, eine nicht nur un­ter­ge­ord­nete pri­vate Mit­be­nut­zung des schwar­zen An­zugs können schon des­halb nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, weil der dor­tige Kläger nur aus­hilfs­weise als Be­stat­ter tätig ge­we­sen sei und ihm der An­zug da­her auch für an­dere, also pri­vate Zwecke zur Verfügung ge­stan­den habe. Der Se­nat folgt die­ser Dif­fe­ren­zie­rung al­ler­dings nicht. Je­der Be­stat­ter (und auch je­der Trau­er­red­ner) kann sei­nen schwar­zen An­zug auch pri­vat nut­zen, egal, ob er haupt- oder ne­ben­be­ruf­lich tätig ist und wie viele Stun­den er be­ruf­lich tätig ist.

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