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Registergerichtliche Behandlung eines Formwechsels von GmbH in GbR

BGH 18.10.2016, II ZR 314/15

Beim Form­wech­sel ei­ner GmbH in eine GbR müssen we­der die GbR noch ihre Ge­sell­schaf­ter im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Wer un­rich­tig als Ge­sell­schaf­ter ei­ner durch Um­wand­lung ent­stan­de­nen GbR im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen ist, kann nach all­ge­mei­nen Rechts­schein­grundsätzen für die Kos­ten ei­nes Rechts­streits haf­ten, den ein Gläubi­ger der form­wech­seln­den GmbH im Ver­trauen auf seine Haf­tung als Ge­sell­schaf­ter ge­gen ihn führt.

Der Sach­ver­halt:
Die L-GmbH war auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung aus No­vem­ber 2009 ver­pflich­tet, Mietrückstände i.H.v. 299.038 € in Ra­ten an die Kläge­rin zu zah­len. Mit no­ta­ri­el­len Ur­kun­den aus Juli 2010 er­war­ben die Be­klag­ten die Ge­schäfts­an­teile der L-GmbH und be­schlos­sen den Form­wech­sel in die M-GbR. Die Ein­tra­gung des Um­wand­lungs­be­schlus­ses in das Han­dels­re­gis­ter er­folgte Ende Au­gust 2010. Be­reits zu­vor hat­ten die Be­klag­ten ihre Ge­schäfts­an­teile an der L-GmbH an zwei bri­ti­sche Li­mited über­tra­gen. Im Sep­tem­ber 2010 reichte der No­tar die neue Ge­sell­schaf­ter­liste der L-GmbH mit den Li­mited beim Han­dels­re­gis­ter ein. Eine die Um­wand­lung be­tref­fende Ein­tra­gung wurde im Juli 2012 durch Ent­fer­nung der Be­klag­ten als Ge­sell­schaf­ter der M-GbR be­rich­tigt.

Die Kläge­rin ver­langte mit ih­rer Klage vom 4. Mai 2011 zunächst im Ur­kun­den­pro­zess Zah­lung der aus der Ra­ten­ver­ein­ba­rung noch of­fe­nen 177.075 € von der M-GbR und den Be­klag­ten. Nach­dem das LG in ers­ter münd­li­cher Ver­hand­lung im Sep­tem­ber 2011 Zwei­fel an der Be­weis­bar­keit der Ge­sell­schaf­ter­stel­lung der Be­klag­ten durch den die Ein­tra­gung im Au­gust 2010 ent­hal­ten­den, von der Kläge­rin vor­ge­leg­ten Han­dels­re­gis­ter­aus­zug geäußert hatte, nahm die Kläge­rin vom Ur­kun­den­pro­zess Ab­stand. Sie stellte nicht mehr in Ab­rede, dass die Be­klag­ten nicht Ge­sell­schaf­ter der M-GbR ge­wor­den wa­ren, hielt dies aber auf­grund der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter für un­er­heb­lich. In der zwei­ten münd­li­chen Ver­hand­lung im No­vem­ber 2012 nahm sie ihre Klage ge­gen die M-GbR, der die Kla­ge­schrift nicht zu­ge­stellt wor­den war, zurück, wie­der­holte den in der ers­ten münd­li­chen Ver­hand­lung ge­stell­ten An­trag, die Be­klag­ten als Ge­samt­schuld­ner zur Zah­lung von 177.075 € zu ver­ur­tei­len, und be­gehrte hilfs­weise die Frei­stel­lung von den Kos­ten des Rechts­streits.

LG und OLG wie­sen die Klage ab. Auf die Re­vi­sion der Kläge­rin hob der BGH das Be­ru­fungs­ur­teil auf und wies die Sa­che zur neuen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das OLG zurück.

Die Gründe:
Zu­tref­fend war das Be­ru­fungs­ge­richt zwar da­von aus­ge­gan­gen, dass die Be­klag­ten nicht als Ge­sell­schaf­ter der M-GbR ent­spre­chend §§ 128 ff. HGB für die Ver­bind­lich­kei­ten der L-GmbH bzw. der M-GbR haf­ten. Denn die Be­klag­ten wa­ren nicht Ge­sell­schaf­ter der M-GbR, der Rechts­nach­fol­ge­rin der L-GmbH, ge­wor­den, da sie ihre Ge­schäfts­an­teile an der L-GmbH noch vor der Ein­tra­gung der Um­wand­lung in das Han­dels­re­gis­ter über­tra­gen hat­ten. Der Be­schluss über den Form­wech­sel hin­derte die Über­tra­gung der Ge­schäfts­an­teile in­so­fern nicht.

Zu­tref­fend war auch die An­sicht, dass die Kläge­rin sich zur Begründung ih­res Frei­stel­lungs­an­spruchs nicht gem. § 15 Abs. 3 HGB auf die Be­kannt­ma­chung der Um­wand­lung mit der An­gabe, dass die Be­klag­ten Ge­sell­schaf­ter seien, be­ru­fen kann. § 15 Abs. 3 HGB ist nämlich auf die Ein­tra­gung von Ge­sell­schaf­tern ei­ner GbR in das Han­dels­re­gis­ter nicht an­wend­bar, da es sich in­so­weit nicht um eine ein­tra­gungs­pflich­tige Tat­sa­che han­delt. Der Name der GbR und ihre Ge­sell­schaf­ter nach einem Form­wech­sel gem. § 235 Abs. 1 UmwG sind keine ein­tra­gungs­pflich­ti­gen Tat­sa­chen. Ein­ge­tra­gen wer­den muss nach § 235 UmwG die Um­wand­lung der Ge­sell­schaft im Re­gis­ter der GmbH als form­wech­seln­der Ge­sell­schaft, aber in Ab­wei­chung von § 198 Abs. 1 UmwG nicht die GbR selbst als neue Rechts­form. Auf nicht ein­tra­gungs­pflich­tige Tat­sa­chen fin­det § 15 Abs. 3 HGB keine An­wen­dung.

Die Be­klag­ten ha­ben al­ler­dings die Kläge­rin von den Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung frei­zu­stel­len, die ent­stan­den sind, weil die Kläge­rin auf den Rechts­schein aus der Ein­tra­gung als Ge­sell­schaf­ter der M-GbR in das Han­dels­re­gis­ter ver­trauen durfte. Per­so­nen können als Schein­ge­sell­schaf­ter nach Rechts­schein­grundsätzen haf­ten, wenn sie in zu­re­chen­ba­rer Weise den Rechts­schein ei­ner exis­tie­ren­den Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts und ih­rer Zu­gehörig­keit zu die­ser Ge­sell­schaft ge­setzt ha­ben oder ge­gen den durch einen an­de­ren ge­setz­ten Rechts­schein nicht pflicht­gemäß vor­ge­gan­gen sind und der Dritte sich bei sei­nem ge­schäft­li­chen Ver­hal­ten auf den Rechts­schein ver­las­sen hat. Die Be­klag­ten hat­ten ob­jek­tiv einen ih­nen zu­re­chen­ba­ren Rechts­schein­tat­be­stand ge­setzt. Die Kläge­rin wie­derum konnte sich durch diese Ein­tra­gung ver­an­lasst se­hen, die Klage auch ge­gen die Be­klag­ten zu er­he­ben.

Link­hin­weise:

  • Der Voll­text die­ser Ent­schei­dung wird demnächst auf den Web­sei­ten des BGH veröff­ent­licht.
  • Für den Voll­text der Ent­schei­dung kli­cken Sie bitte hier.
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