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Ist die Werbung mit dem Siegel "TOP-Lokalversorger" irreführend?

OLG Frankfurt a.M. 18.12.2014, 6 U 166/14

Das einem En­er­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men von drit­ter Seite ver­lie­hene Sie­gel "TOP-Lo­kal­ver­sor­ger" wird vom Ver­kehr da­hin ver­stan­den, dass der Sie­gel­ver­lei­her nach ent­spre­chen­der Überprüfung zu dem Er­geb­nis ge­kom­men ist, das Un­ter­neh­men er­bringe über die Lie­fe­rung von En­er­gie hin­aus in einem lo­ka­len Be­reich um sei­nen Sitz herum wei­tere Leis­tun­gen, die be­son­de­ren Qua­litätsvor­stel­lun­gen ent­spre­chen; das lo­kale Ver­sor­gungs­ge­biet ent­spricht da­bei nicht einem et­wai­gen Grund­ver­sor­gungs­ge­biet.

Der Sach­ver­halt:
Die An­trag­stel­le­rin bie­tet bun­des­weit die Lie­fe­rung von Strom und Gas im On­line­ver­trieb an. Die An­trags­geg­ne­rin ist ein kom­mu­na­les En­er­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men; sie ist fast in al­len Ort­schaf­ten ei­nes Krei­ses - al­ler­dings nicht am Ort ih­res ei­ge­nen Un­ter­neh­mens­sit­zes - Grund­ver­sor­ger für Strom. Der An­trags­geg­ne­rin war von ei­ner Firma A., die auch für ihr In­ter­net­por­tal ver­ant­wort­lich ist, das Sie­gel "TOP-Lo­kal­ver­sor­ger Strom 2014" ver­lie­hen wor­den. Da­mit wirbt sie auf Ih­rer Home­page.

Die An­trag­stel­le­rin hielt die Wer­bung mit dem Sie­gel "TOP-Lo­kal­ver­sor­ger" für ir­reführend, da nicht er­kenn­bar sei, dass - wie sich aus ent­spre­chen­den An­ga­ben auf der In­ter­net­seite der An­trags­geg­ne­rin er­gebe - das Sie­gel tatsäch­lich nur für das Grund­ver­sor­gungs­ge­biet der An­trags­geg­ne­rin ver­lie­hen wor­den sei.

Das LG wies den Eil­an­trag der An­trag­stel­le­rin zurück. Auch ihre Be­ru­fung hin­sicht­lich des Un­ter­las­sungs­be­geh­rens blieb vor dem OLG er­folg­los. Das Ur­teil ist rechtskräftig.

Die Gründe:
Der An­trag­stel­le­rin stand der Un­ter­las­sungs­an­spruch nicht zu, da nach der Glaub­haft­ma­chungs­lage der Ir­reführungs­vor­wurf, der al­lein Ge­gen­stand des ge­stell­ten An­tra­ges war, nicht be­rech­tigt schien.

Das einem En­er­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men von drit­ter Seite ver­lie­hene Sie­gel "TOP-Lo­kal­ver­sor­ger" wird vom Ver­kehr da­hin ver­stan­den, dass der Sie­gel­ver­lei­her nach ent­spre­chen­der Überprüfung zu dem Er­geb­nis ge­kom­men ist, das Un­ter­neh­men er­bringe über die Lie­fe­rung von En­er­gie hin­aus in einem lo­ka­len Be­reich um sei­nen Sitz herum wei­tere Leis­tun­gen, die be­son­de­ren Qua­litätsvor­stel­lun­gen ent­spre­chen; das lo­kale Ver­sor­gungs­ge­biet ent­spricht da­bei nicht einem et­wai­gen Grund­ver­sor­gungs­ge­biet, son­dern reicht nach der Ver­kehrs­vor­stel­lung so weit, wie ins­be­son­dere ört­li­che Ser­vice- und Be­ra­tungs­leis­tun­gen vom Kun­den noch sinn­voll in An­spruch ge­nom­men wer­den können.

Die be­an­stan­dete Wer­bung wäre da­her ir­reführend gem. § 5 UWG, wenn der An­trags­geg­ne­rin das Sie­gel "TOP-Lo­kal­ver­sor­ger" tatsäch­lich nur für ihr Grund­ver­sor­gungs­ge­biet ver­lie­hen wor­den wäre. Da­von konnte je­doch nach der Glaub­haft­ma­chungs­lage nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Für die Be­haup­tung der An­trag­stel­le­rin, der An­trags­geg­ne­rin sei das Sie­gel nur für ihr Grund­ver­sor­gungs­ge­biet ver­lie­hen wor­den, sprach zwar der Um­stand, dass die An­trags­geg­ne­rin auf der von der Firma A. be­trie­be­nen In­ter­net­seite bei Ein­gabe der Post­leit­zah­len zweier Ge­mein­den, d.h. bei die­sen nicht zu ih­rem Grund­ver­sor­gungs­ge­biet gehören­den Ge­mein­den, auch nicht als "Top-Lo­kal­ver­sor­ger" auf­geführt wird. Dem stand je­doch die in meh­re­ren ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­run­gen bekräftigte Dar­stel­lung des Ge­schäftsführers der Firma A. ent­ge­gen, wo­nach das für die Sie­gel­ver­lei­hung maßgeb­li­che re­gio­nale Ver­sor­gungs­ge­biet nicht mit dem Grund­ver­sor­gungs­ge­biet gleich­zu­set­zen sei.

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