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Investmentsteuerreform: Handlungstipps für Anleger

Aufgrund der aktuellen Niedrigzinsen sind Investmentfonds beliebte Kapitalanlagen. Aber: Ab 1.1.2018 gelten neue Besteuerungsregelungen. Anleger können profitieren, wenn sie sich darauf einstellen.

Neu: Besteue­rung auf Fonds­e­bene - Teil­f­rei­stel­lun­gen auf Anle­ge­re­bene

In- und aus­län­di­sche Pub­li­kums-Invest­ment­fonds unter­lie­gen künf­tig mit bestimm­ten inlän­di­schen Ein­künf­ten der Kör­per­schaft­steuer von 15 % bzw. 15,825 %. Als pau­scha­ler Aus­g­leich für die neue Steu­er­be­las­tung auf Fonds­e­bene sind je nach Anle­ger­typ und Anla­ge­schwer­punkt des Invest­ment­fonds sog. Teil­f­rei­stel­lun­gen zu berück­sich­ti­gen. Diese wer­den auf sämt­li­che Erträge des Invest­ment­fonds gewährt, also auf die Aus­schüt­tun­gen, die Vor­ab­pau­schale und die Ver­äu­ße­rungs­ge­winne.

Investmentsteuerreform: Handlungstipps für Anleger© Fotolia

Höhe der Teil­f­rei­stel­lun­gen:

FondstypMindestbeteiligungsquote lt. Anlagebedingungen des InvestmentfondsPrivat-vermögenBetriebs-vermögen EStGBetriebs-vermögen KStG
Aktienfondsmindestens 51 % in Kapitalbeteiligungen30%60%80%
Mischfondsmindestens 25 % in Kapitalbeteiligungen15%30%40%
Immobilienfondsmindestens 51 % in Immobilien und Immobilien-Gesellschaften60%60%60%
Ausländische Immobilienfondsmindestens 51 % in ausländische Immobilien und Auslands-Immobilien-Gesellschaften80%80%80%

Abhän­gig von Art und Zusam­men­set­zung der Erträge kön­nen sich steu­er­li­che Vor- oder Nach­teile erge­ben.

Dazu ein Bei­spiel:

Ein Pri­vat­an­le­ger besitzt Anteile an einem Invest­ment­fonds. Der Fonds erzielt jeweils 100 Euro inlän­di­sche Divi­den­den, Zin­s­er­träge sowie Gewinne aus der Ver­äu­ße­rung inlän­di­scher Aktien und schüt­tet seine Erträge voll­stän­dig aus.

Steuerbelastung Privatanleger (ohne Kirchensteuer)Derzeitige BesteuerungInvestmentfonds ohne TeilfreistellungMischfondsAktienfonds
EuroEuroEuroEuro
Erträge des Investmentfonds300,00300,00300,00300,00
Steuerbelastung auf Fondsebene0,0015,0015,0015,00
Zufluss beim Anleger300,00285,00285,00285,00
Steuerpflichtig beim Anleger300,00285,00242,25199,50
Steuerbelastung Anleger79,1375,1763,8952,62
Steuerbelastung gesamt79,1390,1778,8967,62
Differenz-11,04-0,24-11,51

Pri­vat­an­le­ger kön­nen aus steu­er­li­cher Sicht pro­fi­tie­ren, wenn sie in Invest­ment­fonds inves­tie­ren, die die Vor­aus­set­zun­gen für Teil­f­rei­stel­lun­gen erfül­len. So wer­den z. B. Exchange Tra­ded Funds (ETF) als phy­sisch rep­li­zie­rende und syn­the­ti­sche ETF ange­bo­ten. Wäh­rend phy­sisch rep­li­zie­rende ETF in Aktien inves­tie­ren und somit als Akti­en­fonds zu qua­li­fi­zie­ren sind, bil­den syn­the­ti­sche Index­fonds den Index über Deri­vate nach und erfül­len u. U. keine oder nur eine geringe Min­de­st­an­la­ge­quote in Aktien. Im Hin­blick auf die Besteue­rung emp­fiehlt sich eine Anlage in phy­si­sche ETF.

Und bei betrieb­li­chen Anle­gern?

Dies gilt ent­sp­re­chend bei betrieb­li­chen Anle­gern. Hier sind jedoch andere Teil­f­rei­stel­lungs­sätze anzu­wen­den und bei der Gewer­be­steuer grei­fen die Teil­f­rei­stel­lungs­sätze nur zur Hälfte, so dass sich im Bei­spiels­fall je nach Rechts­form fol­gende Werte erge­ben:

Betrieblicher Anleger Einzelunternehmen / Personengesellschaft (EStG) Derzeitige BesteuerungInvestmentfonds ohne TeilfreistellungMischfondsAktienfonds
EuroEuroEuroEuro
Steuerpflichtig GewSt260,00285,00242,25199,50
Steuerbelastung GewSt36,4039,9033,9227,93
Steuerpflichtig EStG220,00285,00199,50114,00
Steuerbelastung Anleger67,9695,3160,7226,13
Steuerbelastung gesamt104,36150,21109,6469,06
Differenz-45,855,28-35,30
Betrieblicher Anleger Kapitalgesellschaft (KStG) Derzeitige BesteuerungInvestmentfonds ohne TeilfreistellungMischfondsAktienfonds
EuroEuroEuroEuro
Steuerpflichtig GewSt205,00285,00228,00171,00
Steuerbelastung GewSt28,7039,9031,9223,94
Steuerpflichtig KStG205,00285,00171,0057,00
Steuerbelastung Anleger32,4445,1027,069,02
Steuerbelastung gesamt61,14100,0073,9847,96
Differenz-38,8612,84-13,18

Auch für betrieb­li­che Anle­ger lohnt sich  zu prü­fen, ob Invest­ment­fonds die Vor­aus­set­zun­gen für die Teil­f­rei­stel­lun­gen erfül­len. Und sofern sie das bis­he­rige kom­p­li­zierte Besteue­rungs­sys­tem mit der Viel­zahl an steu­er­li­chen Kenn­zah­len und Bemes­sungs­grund­la­gen von einer Inves­ti­tion in Invest­ment­fonds abge­hal­ten hat, könnte die erheb­li­che Ver­ein­fa­chung durch die neuen Besteue­rungs­re­ge­lun­gen ein zusätz­li­cher Anreiz für eine Mit­tel­an­lage dar­s­tel­len.

Über­gang zur Neu­re­ge­lung

Die Neu­re­ge­lun­gen tre­ten zum 1.1.2018 in Kraft. Für den Über­gang zu den neuen Besteue­rungs­re­ge­lun­gen ist auf Ebene der Anle­ger eine Ver­äu­ße­rungs- und Anschaf­fungs­fik­tion vor­ge­se­hen. Danach gel­ten beste­hende Anteile an Invest­ment­fonds zum 31.12.2017 zu dem letz­ten im Kalen­der­jahr 2017 fest­ge­setz­ten Rück­nah­me­preis als ver­äu­ßert und zum 1.1.2018 als wie­der ange­schafft. Ergibt sich dar­aus ein steu­erpf­lich­ti­ger Ver­äu­ße­rungs­ge­winn, ist die­ser vom Anle­ger erst dann zu ver­steu­ern, wenn er sei­nen Anteil tat­säch­lich ver­äu­ßert.

Frei­be­trag für vor dem 1.1.2009 erwor­bene Invest­ment­fond­s­an­teile

Beson­dere Bedeu­tung hat die Ver­äu­ße­rungs- und Anschaf­fungs­fik­tion der beste­hen­den Invest­ment­fond­s­an­teile für Pri­vat­an­le­ger, die ihre Invest­ment­fond­s­an­teile vor dem 1.1.2009 erwor­ben haben. Diese konn­ten ihre Anteile bis­her steu­er­f­rei ver­äu­ßern und somit Wert­s­tei­ge­run­gen ohne eine zeit­li­che Beg­ren­zung steu­er­f­rei ver­ein­nah­men. Nun bleibt es zwar für die bis zum 31.12.2017 ange­fal­le­nen Kurs­s­tei­ge­run­gen bei der Steu­er­f­rei­heit, jedoch sind ab dem 1.1.2018 erzielte Ver­äu­ße­rungs­ge­winne nach den neuen Besteue­rungs­re­ge­lun­gen steu­erpf­lich­tig. Aus Ver­trau­ens­schutz­grün­den wird hier­für ein per­so­nen­be­zo­ge­ner Frei­be­trag von 100.000 Euro gewährt. Da der Frei­be­trag nur für diese Alt­an­teile gewährt wird, soll­ten Anle­ger die­ses „Steu­er­ge­schenk“ berück­sich­ti­gen und die Alt­an­teile nicht vor­sch­nell ver­äu­ßern. Sofern Anle­ger hohe Alt­be­stände an Invest­men­t­an­tei­len besit­zen, könn­ten Schen­kun­gen von Invest­men­t­an­tei­len vor dem 31.12.2017 an Ehe­gat­ten oder Kin­der in Erwä­gung gezo­gen wer­den, um die Frei­be­träge mehr­fach aus­zu­nut­zen.


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