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Wirtschaftsprüfung

IASB veröffentlicht Diskussionspapier zu Unternehmenszusammenschlüssen unter gemeinsamer Kontrolle

Unternehmenszusammenschlüsse sind für die beteiligten Unternehmen oft bedeutende Transaktionen. Deshalb hat das IASB in den letzten Jahren vermehrt das Augenmerk auf die diesbezügliche Finanzberichterstattung gerichtet.

Am 30.11.2020 wurde das Dis­cus­sion Paper DP/2020/2 „Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüsse unter gemein­sa­mer Kon­trol­le“ ver­öf­f­ent­licht. Das Dis­kus­si­ons­pa­pier stellt erste Zwi­sch­e­n­er­geb­nisse und vor­läu­fige Sicht­wei­sen des IASB zu dem im Jahr 2012 begon­ne­nen For­schung­s­pro­jekt zur Kom­men­tie­rung.

Der­zeit sind Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüsse unter gemein­sa­mer Kon­trolle von der Anwen­dung der gel­ten­den Rege­lun­gen für Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüsse aus­ge­nom­men. Somit besteht eine Rege­lungs­lü­cke, die durch das For­schung­s­pro­jekt adres­siert wer­den soll. Die Rege­lungs­lü­cke resul­tiert dar­aus, dass IFRS 3 ledig­lich die Bilan­zie­rung von Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüs­sen unter­schied­li­cher Unter­neh­mens­grup­pen regelt, wohin­ge­gen ein­schlä­g­ige Vor­schrif­ten zu Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüs­sen unter gemein­sa­mer Kon­trolle feh­len. Infol­ge­des­sen unter­schei­det sich die Bilan­zie­rung (auf Basis von Zeit­wer­ten, sog. Erwerbs­me­thode, oder durch Fort­füh­rung von Buch­wer­ten, sog. Buch­wert­me­thode) sol­cher Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüsse und führt zu einer erschwer­ten Ver­g­leich­bar­keit, die bspw. für Inves­to­ren von Rele­vanz ist.

Ziel des aktu­el­len Dis­kus­si­ons­pa­piers ist es daher, die Unter­schiede in der Bilan­zie­rungs­pra­xis zu besei­ti­gen sowie Tran­s­pa­renz und Ver­g­leich­bar­keit zu gewähr­leis­ten. Die vor­ge­schla­ge­nen Rege­lun­gen sol­len für alle Trans­ak­tio­nen unter gemein­sa­mer Kon­trolle gel­ten.

In dem Dis­kus­si­ons­pa­pier stellt das IASB u. a. Fol­gen­des zur Dis­kus­sion:

  • Bilan­zie­rungs­me­thode abhän­gig von der Exis­tenz nicht beherr­schen­der Anteile
    Das IASB kommt nach sei­ner Ana­lyse zu der vor­läu­fi­gen Ent­schei­dung, dass keine der bei­den Metho­den für alle Trans­ak­tio­nen der jewei­li­gen Inter­es­sen­gruppe gerecht wird. Die vor­läu­fi­gen Ansich­ten des Boards dar­über, wann die ein­zel­nen Metho­den anzu­wen­den sind, fasst nach­fol­gen­des Schau­bild zusam­men:
  • Anwen­dung der Erwerbs­me­thode
    Sofern die Erwerbs­me­thode anzu­wen­den ist, rich­tet sich dies grund­sätz­lich nach IFRS 3. Liegt die gezahlte Gegen­leis­tung jedoch unter­halb des bei­zu­le­gen­den Zeit­werts der erhal­te­nen Ver­mö­gens­werte und Schul­den, ist die­ser Betrag nicht ana­log IFRS 3 ergeb­nis­wirk­sam, son­dern im Eigen­ka­pi­tal zu erfas­sen.
  • Anwen­dung der Buch­wert­me­thode
    Das IASB möchte eine ein­zige Buch­wert­me­thode in den IFRS fest­le­gen und schlägt vor, die IFRS-Buch­werte der über­tra­ge­nen Ein­heit pro­spek­tiv, fol­g­lich ab dem Erwerbs­zeit­punkt, zu ver­wen­den. Dabei sind die Gegen­leis­tung in Form von Ver­mö­gens­wer­ten zu Buch­wer­ten der erwer­ben­den Ein­heit sowie ein­ge­gan­gene Schul­den mit den für die Zugangs­be­wer­tung ein­schlä­g­i­gen Stan­dards zu ermit­teln. Ein Unter­schieds­be­trag zwi­schen den Buch­wer­ten der erhal­te­nen Ver­mö­gens­werte und Schul­den und der gezahl­ten Gegen­leis­tung soll im Eigen­ka­pi­tal erfasst wer­den. Trans­ak­ti­ons­kos­ten sol­len ergeb­nis­wirk­sam in der Periode, in der sie anfal­len, erfasst wer­den. Dies gilt nicht für Kos­ten für die Aus­gabe von zusätz­li­chen Eigen- oder Fremd­ka­pi­tal­in­stru­men­ten. Diese sind nach den Rege­lun­gen des IAS 32 zu erfas­sen.
  • Anhan­gan­g­a­ben
    Bei Anwen­dung der Erwerbs­me­thode sol­len alle aus IFRS 3 resul­tie­ren­den Anga­bepf­lich­ten gel­ten, ein­sch­ließ­lich aller Ver­bes­se­run­gen, die aus dem Dis­kus­si­ons­pa­pier DP/2020/1 Unter­neh­mens­zu­sam­men­schlüsse - Anga­ben, Geschäfts- oder Fir­men­wert und Wert­min­de­rung resul­tie­ren. Für Erwerbe, die nach der Buch­wert­me­thode zu bilan­zie­ren sind, wer­den basie­rend auf den Anga­ben nach IFRS 3 ange­passte Berichtspf­lich­ten vor­ge­schla­gen.

Die Kom­men­tie­rungs­frist endet am 01.09.2021.

Hin­weis: Das Dis­kus­si­ons­pa­pier kann hier abge­ru­fen wer­den.

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