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Finanzierungsstudie 2018: Mittelstand bleibt weiterhin der Hausbank treu

Finanzierung im Mittelstand Studie 2018

Wie sind mittelständische Unternehmen bei der Finanzierung aufgestellt? Welche Finanzierungsinstrumente werden genutzt, welche Zinsentwicklung erwartet der Mittelstand und welche Wachstumshürden gilt es zu überwinden? Diese Fragen wurden im Rahmen der mittlerweile fünften Studie zur Finanzierung im Mittelstand 2018 an 5.000 mittelständische Unternehmer gerichtet.

Dar­über hin­aus wid­met sich die Stu­die der sich im Umbruch befind­li­chen Finanz­di­enst­leis­tungs­bran­che. Ver­ant­wort­lich für die­sen Umbruch sind u.a. die Fol­gen der Finanz­krise, die Ver­schär­fung des regu­la­to­ri­schen Umfelds sowie neue digi­tale Tech­no­lo­gien. Tech­no­lo­gie­o­ri­en­tierte und zumeist junge Unter­neh­men – sog. Fin­Techs - sind im Finanz- und Ban­ken­sek­tor ent­stan­den. Mit inno­va­ti­ven Pro­zes­sen zur Abwick­lung von Finanz­di­enst­leis­tun­gen und viel­fäl­ti­gen Finan­zie­rung­s­an­ge­bo­ten stel­len sie auch für den Mit­tel­stand eine mög­li­che Ergän­zung zu klas­si­schen Ban­ken und Finanz­di­enst­leis­tern dar. Ob und wie die neuen Finan­zie­rung­s­an­ge­bote im Mit­tel­stand ange­kom­men sind, wurde eben­falls im Rah­men die­ser Stu­die daher näher beleuch­tet - mit teil­weise über­ra­schen­den Ergeb­nis­sen.

Fintechs und Mittelstand - Zusammenspiel aus Startup und Tradition© Thinkstock

Gene­rell hat der deut­sche Mit­tel­stand in den letz­ten bei­den Jah­ren erneut seine ohne­hin schon starke Posi­tion am Markt aus­ge­baut. Die befrag­ten Geschäfts­füh­rer bli­cken ange­sichts der star­ken kon­junk­tu­rel­len Lage Deut­sch­lands opti­mis­ti­scher als je zuvor auf die eige­nen (sehr gut 20 %, gut 62 %) wie auf die gesamt­wirt­schaft­li­chen Zukunfts­per­spek­ti­ven (63 %) - und das trotz der aktu­el­len Renais­sance des Pro­tek­tio­nis­mus und zahl­rei­cher inter­na­tio­na­ler Kri­sen­herde. Als Wachs­tums­b­rem­sen wer­den Fach­kräf­te­man­gel (86 %), Wett­be­werbs­druck (79 %) und zuneh­mend auch büro­k­ra­ti­sche Hür­den (68 %) genannt.

Ihren Kapi­tal­be­darf decken mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men wei­ter­hin haupt­säch­lich durch Ein­be­hal­tung ihrer Gewinne (71 %). Am Kapi­tal­markt zei­gen sie wenig Inter­esse. Nur wenige Unter­neh­men im Mit­tel­stand haben über­haupt Pro­b­leme bei der Kapi­tal­be­schaf­fung (21 %).

Nach wie vor ver­zich­ten mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men weit­ge­hend auf auf­wän­di­gere Finan­zie­rungs­for­men, wie zum Bei­spiel Anlei­he­e­mis­sio­nen. So domi­nie­ren bei den Finan­zie­rungs­for­men wei­ter­hin klas­si­sche Bank­k­re­dite (80 %), Lea­sing / Fac­to­ring (60 %) und Gesell­schaf­ter­dar­le­hen (58 %). Über diese tra­di­tio­nel­len Finan­zie­rungs­in­stru­mente fühlt sich der Mit­tel­stand auch aus­rei­chend infor­miert. 61 % der Unter­neh­men rech­nen mit einem stei­gen­den Zins­ni­veau in den kom­men­den zwei Jah­ren.

Trotz zuneh­men­der büro­k­ra­ti­scher Hür­den bei Finan­zie­rung­s­an­ge­bo­ten der Haus­bank besteht kein Bedarf an alter­na­ti­ven Finan­zie­rung­s­part­nern. Die Kre­di­t­in­sti­tute kämp­fen immer noch mit hohen Regu­lie­rung­s­an­for­de­run­gen, die sich in stei­gen­dem Auf­wand für das Repor­ting für mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men wider­spie­geln. Dass diese den­noch auf die Haus­bank als zuver­läs­si­gen Finan­zie­rung­s­part­ner set­zen, unter­st­reicht das enge Ver­trau­ens­ver­hält­nis. So geben zwei Drit­tel der Unter­neh­men an, den Kreis ihrer Finanz­part­ner in den letz­ten bei­den Jah­ren nicht erwei­tert zu haben. Nur ein Drit­tel der Befrag­ten hat neue Finan­zie­rung­s­part­ner in Anspruch genom­men. Hier kamen ins­be­son­dere über­re­gio­nale Ban­ken als zusätz­li­che Finan­zie­rung­s­part­ner mit ins Boot.

In den letz­ten Jah­ren hat sich die Finanz­di­enst­leis­tungs­bran­che rapide ver­än­dert. Die­ser Wan­del ist vor allem im Pri­vat­kun­den­ge­schäft deut­lich sicht­bar. Fin­Tech-Unter­neh­men sehen deut­li­che Markt­po­ten­ziale im deut­schen Mit­tel­stand. Aus­gangs­punkt ist die Annahme, dass rund 10 % der Finanz­ak­ti­vi­tä­ten mit­tel­fris­tig digi­ta­li­sier­bar seien.

Aller­dings ist der Mit­tel­stand nach wie vor zurück­hal­tend bei der Nut­zung von inter­net­ba­sier­ten Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten. 93 % der Unter­neh­men set­zen noch auf das klas­si­sche Bank­ge­schäft. Die Unkennt­nis über das Ange­bots­spek­trum der Fin­Techs (45 %) stellt neben dem feh­len­den Finan­zie­rungs­be­darf (55 %) den Haupt­grund für die auf­fal­lend geringe Nut­zungs­quote der von ihnen ange­bo­te­nen Finanz­di­enst­leis­tun­gen dar. Aber auch Serio­si­täts­pro­b­leme (36 %) und Rechts- sowie Sicher­heits­ri­si­ken (33 %) wer­den kri­tisch hin­ter­fragt. Aller­dings rech­net in der Zukunft jeder zweite Geschäfts­füh­rer (54 %) mit einer bedeu­ten­den Rolle von Fin­Techs bei der Mit­tel­stands­fi­nan­zie­rung.

Digi­tale Zah­lungs­mit­tel, d.h. Kryp­to­wäh­run­gen wie Bit­coin, könn­ten die Abwick­lung inter­na­tio­na­ler Zah­lungs­ströme deut­lich ver­ein­fa­chen. Aller­dings ist das Thema Kryp­to­wäh­run­gen der­zeit für den Mit­tel­stand kein Thema. Die über­wie­gende Mehr­heit der Befrag­ten (83 %) hält es für unwahr­schein­lich, dass sich Kryp­to­wäh­run­gen in der Zukunft durch­set­zen.

Hin­weis

Gerne kön­nen Sie die gesamte Stu­die per E-Mail an michael.euch­ner@eb­ner­stolz.de anfor­dern.


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