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Rechtsberatung

Gesellschafterbeschlüsse in Zeiten von Corona

Die Corona-Krise er­schwert die Be­schluss­fas­sung von Ge­sell­schaf­ten. Teil­weise wur­den hierzu ex­pli­zit ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen für den Pan­de­mie-Fall ge­trof­fen. Teil­weise sind je­doch Lösun­gen ba­sie­rend auf den bis­he­ri­gen Ge­set­zes­vor­ga­ben und den ge­sell­schafts­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen zu su­chen.

In­folge der Corona-Krise wurde das öff­ent­li­che Le­ben suk­zes­sive ein­ge­schränkt, wenn auch zwi­schen­zeit­lich ge­wisse Lo­cke­run­gen gal­ten. Be­schrän­kun­­gen von Ver­­an­­stal­­tun­­gen mit grö­­ße­­rer Per­­so­­nen­­zahl dau­ern je­den­falls wei­ter­hin an. Per­so­nen­zu­sam­menkünfte dürf­ten auch noch ge­raume Zeit nur un­ter Auf­la­gen möglich sein.

Zum ge­genwärti­gen Zeit­punkt ist nicht ab­seh­bar, wie lange durch die Aus­wir­kun­gen der CO­VID-19-Krise Ver­an­stal­tun­gen re­gle­men­tiert und da­mit auch herkömm­li­che Be­schluss­fas­sun­gen von Ge­sell­schaf­ten er­schwert sein wer­den. Um die Hand­lungsfähig­keit von Ge­sell­schaf­ten mit­tels Be­schluss­fas­sung zu er­hal­ten, wird zu­neh­mend die Ab­hal­tung von di­gi­ta­len Ver­samm­lun­gen in Be­tracht ge­zo­gen.

Im Eil­ver­­­fah­­ren wur­den Ende März 2020 mit dem Ge­setz zur Ab­mil­­de­rung der Fol­­gen der CO­VID-19-Pan­­de­­mie im Zi­vil-, In­sol­venz- und Straf­ver­­­fah­­ren­s­­recht Re­ge­lun­gen ver­ab­schie­det, die un­ter an­de­rem auch die Durch­­­führ­­bar­keit von Ge­sell­schaf­ter­be­schlüssen vor dem Hin­­ter­­grund der Ein­­schrän­kun­­gen der Ver­­­sam­m­­lungs­frei­heit ermög­­li­chen soll­ten. Für Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten (AG) und Ge­sell­schaf­ten mit be­schränk­ter Haf­tung (GmbH) hat der Ge­setz­ge­ber hierin Son­der­re­ge­lun­gen ge­trof­fen, de­ren Gel­tung be­reits per Ver­ord­nung vom 20.10.2020 bis Ende 2021 verlängert wurde. Per­so­nen­han­dels- und BGB-Ge­sell­schaf­ten müssen sich al­ler­dings mit gel­ten­dem Recht be­hel­fen.

Digitale Hauptversammlung der AG

Erst­ma­lig wurde für die AG auf ge­setz­li­cher Grund­lage die Möglich­keit ei­ner „di­gi­ta­len Haupt­ver­samm­lung“ eröff­net. Diese kann vir­tu­ell, also ohne phy­­si­­sche Prä­­senz von Akti­o­­nä­­ren oder Be­vol­l­­mäch­­ti­g­­ten ab­ge­hal­ten wer­den, so­fern

  • die Bild- und Ton­­über­tra­­gung der ge­sam­­ten Haup­t­ver­­­sam­m­­lung er­folgt,
  • die Stim­m­­rechts­aus­­übung der Akti­o­­näre über ele­k­tro­­ni­­sche Kom­­mu­­ni­­ka­­tion (Brie­f­­wahl oder ele­k­tro­­ni­­sche Teil­­nahme) so­wie Vol­l­­mach­t­s­er­­tei­­lung mög­­lich ist,
  • den Akti­o­­nä­­ren eine Fra­­ge­­mög­­li­ch­keit im Wege der ele­k­tro­­ni­­schen Kom­­mu­­ni­­ka­­tion ein­­ge­räumt wird und die Bean­t­wor­­tung der Fra­­gen nach pflich­t­­ge­­mä­­ßem Er­mes­­sen er­folgt, und
  • den Akti­o­­nä­­ren un­ter Ver­­zicht auf das Er­for­­der­­nis des Er­schei­­nens in der Haup­t­ver­­­sam­m­­lung eine Mög­­li­ch­keit zum Wi­der­­spruch ge­gen einen Be­schluss der Haup­t­ver­­­sam­m­­lung ein­geräumt wird.

Eine wei­tere Er­leich­te­rung fin­det sich in der verkürz­ten Ein­la­dungs­frist für die Ein­be­ru­fung der Haup­t­ver­­­sam­m­­lung, spätes­tens am 21. Tag vor dem Tag der Ver­­­sam­m­­lung.

Das neue Ge­setz sieht zu­dem eine Ver­­län­­ge­rung der Acht-Mo­nats­frist zur Durch­füh­rung der Haupt­ver­samm­lung um vier Mo­nate auf zwölf Mo­nate vor. Da das Über­­­sch­­­rei­­­ten der Acht-Mo­nats­frist zur Ein­be­ru­­­fung der Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lung die Rechts­wir­k­­­sam­keit der zu spät ge­fas­s­­­ten Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lungs­­­be­­­schlüsse nicht berührt, gilt dies ent­spre­chend auch für das Über­schrei­ten der nun­mehr auf zwölf Mo­nate verlänger­ten Frist. Be­ruft der Vor­­­­­stand schu­l­d­haft eine Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lung nicht rech­t­zei­­­tig ein, dro­hen Haf­­­tungs­­­ri­­­si­ken oder eine San­k­­­ti­o­­­nie­rung des Vor­­­­­stan­­­des.

Gesellschafterversammlung der GmbH

Für die Ge­sell­schaf­ter der GmbH sieht der Ge­setz­ge­ber während der Pan­de­mie die Möglich­keit ei­ner di­gi­ta­len Ver­samm­lung nicht vor. Aber auch hier gel­ten Er­leich­te­run­gen und zwar im Hin­blick auf die Be­schluss­fas­sung im Um­lauf­ver­fah­ren. In Er­man­ge­lung be­son­de­rer Re­ge­lun­gen im Ge­sell­schafts­ver­trag eröff­net das Ge­setz schon jetzt zwei Möglich­kei­ten der ver­ein­fach­ten Be­schluss­fas­sung für die GmbH: (1) wenn alle Ge­sell­schaf­ter in Text­form dem Be­schlus­san­trag zu­stim­men, oder (2) wenn sich alle Ge­sell­schaf­ter mit der schrift­li­chen Ab­gabe der Stim­men ein­ver­stan­den erklären. Das darin ent­hal­tene Er­for­der­nis der Ein­stim­mig­keit führt dazu, dass ein ein­zel­ner Ge­sell­schaf­ter die Hand­lungsfähig­keit der Ge­sell­schaft ein­schränken kann. Nach der neuen Re­ge­lung können ab­wei­chend hier­von Be­schlüsse der Ge­sell­schaf­ter in Text­form oder durch schrift­li­che Ab­gabe der Stim­men auch ohne Ein­verständ­nis sämt­li­cher Ge­sell­schaf­ter ge­fasst wer­den. Wel­ches Mehr­heits­er­for­der­nis an­stelle der Ein­stim­mig­keit ge­for­dert wird, lässt sich dem neuen Ge­setz nicht ent­neh­men. In der Pra­xis ist wohl ent­spre­chend dem Be­schluss­ge­gen­stand eine ein­fa­che oder qua­li­fi­zierte Mehr­heit zu emp­feh­len. So­weit sich eine Präsenz­pflicht aus dem Ge­setz er­gibt, wie z. B. bei no­ta­ri­ell zu be­ur­kun­den­den Ge­sell­schaf­ter­be­schlüssen oder nach dem Um­wand­lungs­ge­setz bei Ver­schmel­zung, Spal­tung und Form­wech­sel, dürfte die Aus­nah­me­re­ge­lung in­des nicht gel­ten.

Beschlüsse der BGB-Gesellschaft und der Personenhandelsgesellschaften

Zu Be­schluss­fas­sun­gen bei der Ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts (GbR) und den Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten, der of­fe­nen Han­dels­ge­sell­schaft (OHG) und der Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG) ein­schließlich der GmbH & Co. KG, enthält das Pan­de­mie-Ge­setz keine Re­ge­lung. Hier sind Lösun­gen mit Hilfe der be­ste­hen­den Rechts­lage zu su­chen. Aus­gangs­punkt ist im­mer die im Ge­sell­schafts­ver­trag ge­trof­fene Re­ge­lung.

Im Un­ter­schied zur AG und GmbH ist die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung der GbR aber kein Ge­sell­schafts­or­gan. Ihr sind keine ei­ge­nen Kom­pe­ten­zen kraft Ge­set­zes zu­ge­wie­sen. So­weit der Ge­sell­schafts­ver­trag keine ent­ge­gen­ste­hen­den for­ma­len An­for­de­run­gen enthält, sind Be­schlüsse der GbR-Ge­sell­schaf­ter, ebenso wie bei den Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten OHG und KG, grundsätz­lich form­frei möglich. Sie können nicht nur in der Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung, son­dern auch im Um­lauf­ver­fah­ren, schrift­lich, münd­lich oder an­der­wei­tig, etwa mit­tels Vi­deo- oder Te­le­fon­kon­fe­renz ge­trof­fen wer­den. Al­ler­dings ist das Ein­stim­mig­keits­prin­zip - vor­be­halt­lich an­de­rer Re­ge­lung im Ge­sell­schafts­ver­trag - zu be­ach­ten. Teil­weise wird in der Li­te­ra­tur an­ge­nom­men, die o. g. Er­leich­te­run­gen des CO­VID-19-Ge­set­zes zur Be­schluss­fas­sung im Um­lauf­ver­fah­ren bei der GmbH seien ent­spre­chend auf die Per­so­nen­ge­sell­schaft an­zu­wen­den, wenn der Ge­sell­schafts­ver­trag von dem ge­setz­li­chen Ein­stim­mig­keits­er­for­der­nis ab­weicht. Ein­zu­hal­tende ge­setz­li­che Vor­schrif­ten hin­sicht­lich des Be­schluss­ge­gen­stands, wie etwa die Be­ur­kun­dungs­pflicht, sind selbst­verständ­lich ebenso zu berück­sich­ti­gen.

Be­son­der­hei­ten bei der GmbH & Co. KG er­ge­ben sich aus der Struk­tur der Her­beiführung von Be­schlüssen in zwei Ge­sell­schaf­ten, für die KG und die GmbH-Kom­ple­mentärin. Syn­chro­ni­sie­rung er­folgt hier durch Ab­stim­mung der Ge­sell­schafts­verträge und Be­schluss­ver­fah­ren.

Fazit

Fest­zu­hal­ten bleibt für alle Rechts­for­men, dass für die Zu­kunft je­den­falls emp­feh­lens­wert ist, Re­ge­lun­gen zur di­gi­ta­len Be­schluss­fas­sung in den Ge­sell­schafts­ver­trag auf­zu­neh­men.

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