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Rechtsberatung

Gesellschafterbeschlüsse in Zeiten von Corona

Die Corona-Krise erschwert die Beschlussfassung von Gesellschaften. Teilweise wurden hierzu explizit gesetzliche Regelungen für den Pandemie-Fall getroffen. Teilweise sind jedoch Lösungen basierend auf den bisherigen Gesetzesvorgaben und den gesellschaftsvertraglichen Regelungen zu suchen.

Infolge der Corona-Krise wurde das öff­ent­li­che Leben suk­zes­sive ein­ge­schränkt. Trotz zwi­schen­zeit­lich gel­ten­der Locke­run­gen dürf­ten Beschrän­kun­­­gen von Ver­­­an­­­stal­­­tun­­­gen mit grö­­­ße­­­rer Per­­­so­­­nen­­­zahl and­au­ern und wei­ter­hin Aufla­gen unter­lie­gen. Zudem ist die Mög­lich­keit einer erneu­ten Ver­schär­fung der Ein­schrän­kun­gen auf­grund der Pan­de­mie nicht aus­zu­sch­lie­ßen. Zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt ist nicht abseh­bar, wie lange durch die Aus­wir­kun­gen der COVID-19-Krise Ver­an­stal­tun­gen reg­le­men­tiert und damit auch her­kömm­li­che Beschluss­fas­sun­gen von Gesell­schaf­ten erschwert sein wer­den. Um die Hand­lungs­fähig­keit von Gesell­schaf­ten mit­tels Beschluss­fas­sung zu erhal­ten, wird zuneh­mend die Abhal­tung von digi­ta­len Ver­samm­lun­gen in Betracht gezo­gen.

Im Eil­ver­­­­­fah­­­ren wur­den Ende März 2020 mit dem Gesetz zur Abmil­­­de­rung der Fol­­­gen der COVID-19-Pan­­­de­­­mie im Zivil-, Insol­venz- und Straf­ver­­­­­fah­­­ren­s­­­recht Rege­lun­gen ver­ab­schie­det, die unter ande­rem auch die Durch­­­­­führ­­­bar­keit von Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen vor dem Hin­­­ter­­­grund der Ein­­­schrän­kun­­­gen der Ver­­­­­sam­m­­­lungs­f­rei­heit ermög­­­li­chen soll­ren. Für Akti­en­ge­sell­schaf­ten (AG) und Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung (GmbH) hat der Gesetz­ge­ber hie­rin Son­der­re­ge­lun­gen getrof­fen, die längs­tens bis Ende 2021 gel­ten. Per­so­nen­han­dels- und BGB-Gesell­schaf­ten müs­sen sich aller­dings mit gel­ten­dem Recht behel­fen.

Digi­tale Haupt­ver­samm­lung der AG

Erst­ma­lig wurde für die AG auf gesetz­li­cher Grund­lage die Mög­lich­keit einer „digi­ta­len Haupt­ver­samm­lung“ eröff­net. Diese kann vir­tu­ell, also ohne phy­­­si­­­sche Prä­­­senz von Akti­o­­­nä­­­ren oder Bevol­l­­­mäch­­­ti­g­­­ten abge­hal­ten wer­den, sofern

  • die Bild- und Ton­­­über­tra­­­gung der gesam­­­ten Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lung erfolgt,
  • die Stim­m­­­rechts­aus­­­übung der Akti­o­­­näre über ele­k­tro­­­ni­­­sche Kom­­­mu­­­ni­­­ka­­­tion (Brie­f­­­wahl oder ele­k­tro­­­ni­­­sche Teil­­­nahme) sowie Vol­l­­­mach­t­s­er­­­tei­­­lung mög­­­lich ist,
  • den Akti­o­­­nä­­­ren eine Fra­­­ge­­­mög­­­li­ch­keit im Wege der ele­k­tro­­­ni­­­schen Kom­­­mu­­­ni­­­ka­­­tion ein­­­ge­räumt wird und die Bean­t­wor­­­tung der Fra­­­gen nach pfli­ch­t­­­ge­­­mä­­­ßem Ermes­­­sen erfolgt, und
  • den Akti­o­­­nä­­­ren unter Ver­­­zicht auf das Erfor­­­der­­­nis des Erschei­­­nens in der Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lung eine Mög­­­li­ch­keit zum Wider­­­spruch gegen einen Beschluss der Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lung ein­ge­räumt wird.

Eine wei­tere Erleich­te­rung fin­det sich in der ver­kürz­ten Ein­la­dungs­frist für die Ein­be­ru­fung der Haup­t­ver­­­­­sam­m­­­lung, spä­tes­tens am 21. Tag vor dem Tag der Ver­­­­­sam­m­­­lung.

Das neue Gesetz sieht zudem eine Ver­­­län­­­ge­rung der Acht-Monats­­­frist zur Durch­­­füh­rung der Haup­t­ver­­­sam­m­­lung um vier Monate auf zwölf Monate vor. Da das Über­­­­sch­­­­rei­­­­ten der Acht-Monats­frist zur Ein­be­ru­­­­fung der Haup­t­ver­­­­­­­sam­m­­­­lung die Rechts­wir­k­­­­sam­keit der zu spät gefas­s­­­­ten Haup­t­ver­­­­­­­sam­m­­­­lungs­­­­be­­­­schlüsse nicht berührt, gilt dies ent­sp­re­chend auch für das Über­sch­rei­ten der nun­mehr auf zwölf Monate ver­län­ger­ten Frist. Beruft der Vor­­­­­­­stand schu­l­d­haft eine Haup­t­ver­­­­­­­sam­m­­­­lung nicht rech­t­zei­­­­tig ein, dro­hen Haf­­­­tungs­­­­ri­­­­si­ken oder eine San­k­­­­ti­o­­­­nie­rung des Vor­­­­­­­stan­­­­des.

Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der GmbH

Für die Gesell­schaf­ter der GmbH sieht der Gesetz­ge­ber wäh­rend der Pan­de­mie die Mög­lich­keit einer digi­ta­len Ver­samm­lung nicht vor. Aber auch hier gel­ten Erleich­te­run­gen und zwar im Hin­blick auf die Beschluss­fas­sung im Umlauf­ver­fah­ren. In Erman­ge­lung beson­de­rer Rege­lun­gen im Gesell­schafts­ver­trag eröff­net das Gesetz schon jetzt zwei Mög­lich­kei­ten der ver­ein­fach­ten Beschluss­fas­sung für die GmbH: (1) wenn alle Gesell­schaf­ter in Text­form dem Beschlus­s­an­trag zustim­men, oder (2) wenn sich alle Gesell­schaf­ter mit der schrift­li­chen Abgabe der Stim­men ein­ver­stan­den erklä­ren. Das darin ent­hal­tene Erfor­der­nis der Ein­stim­mig­keit führt dazu, dass ein ein­zel­ner Gesell­schaf­ter die Hand­lungs­fähig­keit der Gesell­schaft ein­schrän­ken kann. Nach der neuen Rege­lung kön­nen abwei­chend hier­von Beschlüsse der Gesell­schaf­ter in Text­form oder durch schrift­li­che Abgabe der Stim­men auch ohne Ein­ver­ständ­nis sämt­li­cher Gesell­schaf­ter gefasst wer­den. Wel­ches Mehr­heits­er­for­der­nis ans­telle der Ein­stim­mig­keit gefor­dert wird, lässt sich dem neuen Gesetz nicht ent­neh­men. In der Pra­xis ist wohl ent­sp­re­chend dem Beschluss­ge­gen­stand eine ein­fa­che oder qua­li­fi­zierte Mehr­heit zu emp­feh­len. Soweit sich eine Prä­senzpf­licht aus dem Gesetz ergibt, wie z. B. bei nota­ri­ell zu beur­kun­den­den Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen oder nach dem Umwand­lungs­ge­setz bei Ver­sch­mel­zung, Spal­tung und Form­wech­sel, dürfte die Aus­nah­me­re­ge­lung indes nicht gel­ten.

Beschlüsse der BGB-Gesell­schaft und der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten

Zu Beschluss­fas­sun­gen bei der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) und den Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten, der offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft (OHG) und der Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG) ein­sch­ließ­lich der GmbH & Co. KG, ent­hält das Pan­de­mie-Gesetz keine Rege­lung. Hier sind Lösun­gen mit Hilfe der beste­hen­den Rechts­lage zu suchen. Aus­gangs­punkt ist immer die im Gesell­schafts­ver­trag getrof­fene Rege­lung.

Im Unter­schied zur AG und GmbH ist die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der GbR aber kein Gesell­schaft­s­or­gan. Ihr sind keine eige­nen Kom­pe­ten­zen kraft Geset­zes zuge­wie­sen. Soweit der Gesell­schafts­ver­trag keine ent­ge­gen­ste­hen­den for­ma­len Anfor­de­run­gen ent­hält, sind Beschlüsse der GbR-Gesell­schaf­ter, ebenso wie bei den Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten OHG und KG, grund­sätz­lich form­f­rei mög­lich. Sie kön­nen nicht nur in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung, son­dern auch im Umlauf­ver­fah­ren, schrift­lich, münd­lich oder ander­wei­tig, etwa mit­tels Video- oder Tele­fon­kon­fe­renz getrof­fen wer­den. Aller­dings ist das Ein­stim­mig­keit­s­prin­zip - vor­be­halt­lich ande­rer Rege­lung im Gesell­schafts­ver­trag - zu beach­ten. Teil­weise wird in der Lite­ra­tur ange­nom­men, die o. g. Erleich­te­run­gen des COVID-19-Geset­zes zur Beschluss­fas­sung im Umlauf­ver­fah­ren bei der GmbH seien ent­sp­re­chend auf die Per­so­nen­ge­sell­schaft anzu­wen­den, wenn der Gesell­schafts­ver­trag von dem gesetz­li­chen Ein­stim­mig­keits­er­for­der­nis abweicht. Ein­zu­hal­tende gesetz­li­che Vor­schrif­ten hin­sicht­lich des Beschluss­ge­gen­stands, wie etwa die Beur­kun­dungspf­licht, sind selbst­ver­ständ­lich ebenso zu berück­sich­ti­gen.

Beson­der­hei­ten bei der GmbH & Co. KG erge­ben sich aus der Struk­tur der Her­bei­füh­rung von Beschlüs­sen in zwei Gesell­schaf­ten, für die KG und die GmbH-Kom­p­le­men­tärin. Syn­chro­ni­sie­rung erfolgt hier durch Abstim­mung der Gesell­schafts­ver­träge und Beschluss­ver­fah­ren.

Fazit: Fest­zu­hal­ten bleibt für alle Rechts­for­men, dass für die Zukunft jeden­falls emp­feh­lens­wert ist, Rege­lun­gen zur digi­ta­len Beschluss­fas­sung in den Gesell­schafts­ver­trag auf­zu­neh­men.

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