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Steuerberatung

Keine Dienstwagennutzung während Corona-Zeiten

Infolge der Corona-Krise arbeiten zahlreiche Mitarbeiter von ihrem Home-Office aus. Zur Verfügung gestellte Dienstwagen werden daher oftmals weder für Fahrten ins Büro noch zu Geschäftspartnern eingesetzt. Ist dennoch ein geldwerter Vorteil zu versteuern?

Wird dem Arbeit­neh­mer vom Arbeit­ge­ber ein Dienst­wa­gen auch zur Pri­vat­nut­zung sowie für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte oder Fami­li­en­heim­fahr­ten zur Ver­fü­gung ges­tellt, ist der dar­aus resul­tie­rende geld­werte Vor­teil als Arbeits­lohn zu ver­steu­ern und grund­sätz­lich sozial­ver­si­che­rungs­bei­tragspf­lich­tig.

Wann liegt eine Pri­vat­nut­zung vor?

Jede nicht beruf­li­che Nut­zung ein­sch­ließ­lich der Fahrt zur und von der Arbeit stellt eine Pri­vat­nut­zung dar. Es genügt bereits die Mög­lich­keit der Pri­vat­nut­zung, um einen geld­wer­ten Vor­teil aus­zu­lö­sen. Es kommt also nicht dar­auf an, ob es sol­che pri­va­ten Fahr­ten auch tat­säch­lich gibt.

Der Ansatz eines geld­wer­ten Vor­teils ent­fällt nur dann, wenn eine Pri­vat­nut­zung aus­ge­sch­los­sen wer­den kann. Bei Füh­rung eines Fahr­ten­buchs sollte sich dies klar aus den Auf­zeich­nun­gen erge­ben. Wird der geld­werte Vor­teil jedoch pau­schal nach der sog. 1 %-Methode ermit­telt, ent­fällt der Ansatz von 1 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses pro Nut­zungs­mo­nat nur dann, wenn eine Pri­vat­nut­zung wäh­rend des gesam­ten Monats aus­ge­sch­los­sen wer­den kann. Denk­bar wäre hier in Zei­ten der Corona-Krise, dass das Fahr­zeug auf dem Betriebs­ge­lände des Arbeit­ge­bers abge­s­tellt und der Schlüs­sel dem Arbeit­ge­ber zurück­ge­ge­ben wird. Sofern damit für den gesam­ten Kalen­der­mo­nat keine Nut­zungs­mög­lich­keit besteht, fließt dem Arbeit­neh­mer kein geld­wer­ter Vor­teil zu.

Wird der Dienst­wa­gen beim Mit­ar­bei­ter belas­sen und kann auch nicht in ande­rer geeig­ne­ter Weise nach­ge­wie­sen wer­den, dass für einen gesam­ten Kalen­der­mo­nat keine pri­vate Nut­zungs­mög­lich­keit bestand, ist grund­sätz­lich wei­ter­hin 1 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses als geld­wer­ter Vor­teil anzu­set­zen. Ent­sp­re­chen­des gilt, wenn ein Elek­tro- oder Hybri­de­lek­tro­fahr­zeug als Dienst­wa­gen zur Ver­fü­gung ges­tellt wird und somit der Wert der Pri­vat­nut­zung auf Basis des hälf­ti­gen bzw. eines Vier­tels des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses zu ermit­teln ist.

Zusätz­li­che Ver­steue­rung der Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte?

Zu einem etwas ande­ren Ergeb­nis kann man hin­sicht­lich der Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte kom­men. Diese sind, sofern kein Fahr­ten­buch geführt wird, pau­schal mit monat­lich 0,03 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter anzu­set­zen. Da hier dar­auf abzu­s­tel­len ist, dass Fahr­ten tat­säch­lich unter­nom­men wer­den, wurde zumin­dest in der Pra­xis von der Finanz­ver­wal­tung bereits akzep­tiert, dass ein Ansatz unter­b­leibt, wenn in einem Kalen­der­mo­nat kei­ner­lei Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte anfal­len.

Zwar kann ans­telle der Pau­schal­wer­t­er­mitt­lung auch eine Ein­zel­be­wer­tung der tat­säch­li­chen Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und ers­ter Tätig­keits­stätte mit 0,002 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses in Frage kom­men. Nach Ansicht der Finanz­ver­wal­tung soll ein­heit­lich für das Kalen­der­jahr ent­we­der nach der pau­scha­len 0,03 %-Rege­lung oder nach der Ein­zel­be­wer­tung vor­ge­gan­gen wer­den. Ein unter­jäh­ri­ger Wech­sel der Metho­den sei danach nicht zuläs­sig. Damit wäre eine Ände­rung der Wer­t­er­mitt­lung für die zurück­lie­gen­den Kalen­der­mo­nate in 2020 erfor­der­lich. Für den Rest des Jah­res 2020 wäre der Arbeit­neh­mer an die Ein­zel­be­wer­tung gebun­den, auch wenn im Ver­lauf des Jah­res wie­der arbeits­täg­li­che Fahr­ten zur ers­ten Tätig­keits­stätte unter­nom­men wer­den soll­ten.

Sei­tens des Arbeit­ge­bers stellt die Ein­zel­be­wer­tung aller­dings einen enor­men Ver­wal­tungs­auf­wand dar, da monat­lich vom Arbeit­neh­mer glaub­hafte Auf­zeich­nun­gen über die tat­säch­li­chen Fahr­ten ein­zu­ho­len und ent­sp­re­chend in der Ent­gel­tab­rech­nung zu berück­sich­ti­gen sind.

Hin­weis

Es bleibt dem Arbeit­neh­mer unbe­nom­men, im Rah­men sei­ner per­sön­li­chen Ein­kom­men­steue­r­er­klär­ung ans­telle der durch den Arbeit­ge­ber ange­wand­ten Pau­schal­wer­t­er­mitt­lung die Ein­zel­be­wer­tung zum Ansatz zu brin­gen, sofern er ent­sp­re­chende Nach­weise für das gesamte Kalen­der­jahr bei­brin­gen kann. Dar­auf kann der Arbeit­ge­ber hin­wei­sen.

Weg­fall der Besteue­rung von zusätz­li­chen Fami­li­en­heim­fahr­ten bei dop­pel­ter Haus­halts­füh­rung

Wird der Dienst­wa­gen zu mehr als einer Fami­li­en­heim­fahrt pro Woche genutzt, ist im Fall der Pau­schal­wer­t­er­mitt­lung ein Betrag von 0,002 % des Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter anzu­set­zen. Sofern keine Fami­li­en­heim­fahr­ten oder nicht mehr als eine Fami­li­en­heim­fahrt pro Woche unter­nom­men wer­den, ent­steht kein geld­wer­ter Vor­teil, der zu ver­steu­ern wäre. Wird somit infolge der Corona-Krise der Dienst­wa­gen nicht für Fami­li­en­heim­fahr­ten genutzt, ent­fällt eine sol­che Ver­steue­rung.

Hin­weis

Ein lohn­steu­erpf­lich­ti­ger geld­wer­ter Vor­teil unter­liegt grund­sätz­lich auch der Sozial­ver­si­che­rungs­bei­tragspf­licht. Somit fal­len auch keine Sozial­ver­si­che­rungs­bei­träge an, soweit kein geld­wer­ter Vor­teil vor­liegt. Da der geld­werte Vor­teil in der Form der Dienst­wa­gen­ge­stel­lung eine grund­sätz­lich umsatz­steu­er­bare und umsatz­steu­erpf­lich­tige Leis­tung des Arbeit­ge­bers an den Arbeit­neh­mer dar­s­tellt, wirkt sich die Klär­ung der Höhe des geld­wer­ten Vor­teils auch auf die Höhe der durch den Arbeit­ge­ber abzu­füh­r­en­den Umsatz­steuer aus. Han­delt es sich bei dem Dienst­wa­gen um ein Elek­tro- oder Hybri­de­lek­tro­fahr­zeug, ist dabei aber zusätz­lich zu beach­ten, dass nicht der für Zwe­cke der Lohn­steuer gemin­derte geld­werte Vor­teil, son­dern viel­mehr der auf Basis des vol­len Brut­to­lis­tenneu­p­rei­ses ermit­telte Nut­zungs­wert der Umsatz­steuer zu unter­wer­fen ist.

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