de en
Nexia Ebner Stolz

Steuerberatung

Wie geht es steuerlich weiter nach dem „Corona-Lockdown“?

Zahlreiche Unternehmen haben die staatlichen Corona-Sofortmaßnahmen im März 2020 genutzt und u. a. durch Steuerstundungen und die Herabsetzung von Steuervorauszahlungen ihre Liquiditätslage verbessert.

Im Juni 2020 legte die Bun­des­re­gie­rung noch­mals nach und besch­loss mit dem Corona-Kon­junk­tur­pa­ket mil­li­ar­den­schwere Unter­stüt­zungs­maß­nah­men. Was soll­ten nun Unter­neh­men aus steu­er­li­cher Sicht tun, um auch wei­ter­hin ihre Liqui­di­tät zu schüt­zen bzw. zu ver­bes­sern?

Die Zei­ten des „Corona-Lock­downs“ schei­nen über­wun­den zu sein. Die wirt­schaft­li­che Situa­tion der meis­ten Unter­neh­men ist jedoch eine ganz andere als vor dem Beginn der Corona-Pan­de­mie. Umsatz­rück­gänge las­sen sich regel­mä­ßig nicht auf­ho­len. Liqui­di­tät­s­eng­pässe sind wei­ter­hin eines der bren­nends­ten Pro­b­leme und kön­nen ggf. exis­tenz­ge­fähr­dende Aus­maße anneh­men. Wur­den die ers­ten steu­er­li­chen Sofort­hil­fe­maß­nah­men, insb. Steu­er­stun­dun­gen und Her­ab­set­zun­gen von Vor­aus­zah­lun­gen, in Anspruch genom­men,  besteht nun wei­te­rer Hand­lungs­be­darf , um sich nicht plötz­lich mit sofort fäl­li­gen Steu­er­be­trä­gen kon­fron­tiert zu sehen, die ggf. die liqui­den Mit­tel auf­zeh­ren. 

Sze­na­rio 1: Die Geschäfts­si­tua­tion ist wei­ter ange­spannt

Unter­neh­men, die wei­ter­hin mit erheb­li­chen Umsatz­ein­bu­ßen zu kämp­fen haben, soll­ten nach­jus­tie­ren, um nicht vom Aus­lau­fen einer zu Beginn der Krise gewähr­ten Steu­er­stun­dung über­rascht zu wer­den. Die Finanz­äm­ter wur­den mit BMF-Sch­rei­ben vom 19.3.2020 ange­wie­sen, Steu­er­stun­dun­gen für die Ein­kom­men-, Kör­per­schaft- und Umsatz­steuer zu gewäh­ren, wenn Unter­neh­men erheb­lich von der Corona-Krise betrof­fen sind. Falls die Steu­er­stun­dung jedoch bspw. nur für drei Monate gewährt wurde, ist nun zu prü­fen, ob und inwie­weit die Liqui­di­täts­si­tua­tion auch nach dem Lock­down noch so ange­spannt ist, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Steu­er­stun­dung wei­ter­hin erfüllt sind. Dann sollte im Ein­zel­fall eine Ver­län­ge­rung der Stun­dung bean­tragt wer­den. Um den rich­ti­gen Stun­dungs­zei­traum bestim­men zu kön­nen, ist eine lau­fend aktua­li­sierte Finanz- und Liqui­di­täts­pla­nung uner­läss­lich. Auch nach dem Lock­down muss für die (ver­län­gerte) Inan­spruch­nahme der Stun­dungs­mög­lich­keit die Corona-Kri­sen­be­trof­fen­heit durch ent­sp­re­chende Dar­le­gung der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nisse nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Sofern bis­lang nur die Stun­dung bzw. Her­ab­set­zung eines Teils der fäl­li­gen Steu­ern bean­tragt und gewährt wurde, könnte zudem geprüft wer­den, ob die aktu­elle Situa­tion des Unter­neh­mens eine wei­ter­ge­hende Stun­dung oder Her­ab­set­zung recht­fer­ti­gen kann, um dem Unter­neh­men mehr Liqui­di­tät zu ver­schaf­fen.

Eine wei­tere Option kann die Berück­sich­ti­gung des vor­aus­sicht­lich 2020 ent­ste­hen­den Ver­lusts im Wege eines pau­scha­len Ver­lu­st­rück­trags sein. Zunächst gab die Finanz­ver­wal­tung mit BMF-Sch­rei­ben vom 24.4.2020 vor, dass der Gewinn im Ver­an­la­gungs­zei­traum 2019 pau­schal um 15 % ver­rin­gert wer­den kann und dar­auf basie­rend die Steu­er­vor­aus­zah­lun­gen für das abge­lau­fene Geschäfts­jahr 2019 berech­net wer­den. Mit dem sog. Zwei­ten Corona-Steu­er­hil­fe­ge­setz, des­sen Ent­wurf die Bun­des­re­gie­rung am 12.6.2020 besch­loss, wird die Mög­lich­keit der Anpas­sung der Vor­aus­zah­lun­gen für 2019 noch­mals erwei­tert. Pau­schal kann der Gesamt­be­trag der Ein­künfte um 30 % gemin­dert und dar­auf basie­rend die Vor­aus­zah­lun­gen für 2019 berech­net wer­den. Die pau­schale Min­de­rung ist auf 5 Mio. Euro (bzw. bei zusam­men­ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten auf 10 Mio. Euro) gede­ckelt. Vor­aus­set­zung der Anpas­sung der Vor­aus­zah­lun­gen für 2019 ist ledig­lich, dass die Vor­aus­zah­lun­gen für 2020 bereits auf null Euro her­ab­ge­setzt sind. Im Rah­men der Steu­er­ver­an­la­gung für 2019 kann ent­sp­re­chend ein vor­läu­fi­ger Ver­lu­st­rück­trag berück­sich­tigt wer­den. Wird mit der Ver­an­la­gung für 2020 dann der tat­säch­lich mög­li­che Ver­lu­st­rück­trag ermit­telt, ist die­ser in der Steu­er­ver­an­la­gung 2019 nach­träg­lich zu berück­sich­ti­gen und diese zu ändern.

Sze­na­rio 2: Es geht berg­auf

Unter­neh­men, die vor allem in den Mona­ten März und April nega­tiv von der Krise betrof­fen waren, nun aber eine (uner­war­tet) posi­tive Ent­wick­lung ver­zeich­nen kön­nen, wer­den regel­mä­ßig keine Ver­län­ge­rung der Stun­dung in Anspruch neh­men kön­nen. Sie haben viel­mehr dafür Sorge zu tra­gen, dass zum Zeit­punkt der nach Ablauf der gewähr­ten Stun­dung ein­t­re­ten­den Fäl­lig­keit die liqui­den Mit­tel zur Steu­er­zah­lung vor­han­den sind. Sollte aus ande­ren Grün­den abseits der Betrof­fen­heit durch die Corona-Krise zur Ver­mei­dung einer erheb­li­chen Härte eine Ver­län­ge­rung der Stun­dung bean­tragt wer­den, ist zu beach­ten, dass eine sol­che Stun­dung - anders als die durch die Corona-Krise bedingte Stun­dung - Stun­dungs­zin­sen aus­löst.

Wur­den bereits Corona-bedingt die Steu­er­vor­aus­zah­lun­gen für 2020 her­ab­ge­setzt und ver­bes­sert sich nun die wirt­schaft­li­che Situa­tion des Unter­neh­mens gegen­über der zugrunde geleg­ten Pla­nung, sollte aus Vor­sichts­grün­den noch­mals geprüft wer­den, ob die Her­ab­set­zung zutref­fend und voll­stän­dig begrün­det wurde. Beste­hen Zwei­fel daran, sollte ggf. eine ent­sp­re­chende Her­auf­set­zung der Vor­aus­zah­lun­gen bean­tragt wer­den, um Kon­f­likte mit der Finanz­ver­wal­tung zu ver­mei­den. Zudem ist dafür Sorge zu tra­gen, dass zum Zeit­punkt der Fäl­lig­keit einer Steu­er­nach­zah­lung für 2020 aus­rei­chend Liqui­di­tät zu deren Beg­lei­chung vor­han­den ist.

Ver­län­gerte Abga­be­fris­ten beach­ten

In jedem Fall ist dar­auf zu ach­ten, dass Abga­be­fris­ten ein­ge­hal­ten wer­den. Wur­den zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung Ver­län­ge­run­gen für die Abgabe von Lohn­steuer- oder Umsatz­steu­er­an­mel­dun­gen bean­tragt und gewährt, weil Mit­ar­bei­ter in der Finanz­ab­tei­lung fehl­ten und des­halb eine frist­ge­rechte Abgabe nicht mög­lich war, ist nun dar­auf zu ach­ten, dass die Anmel­dun­gen inn­er­halb der ver­län­ger­ten Abga­be­frist frist­ge­recht ein­ge­reicht wer­den. Andern­falls dro­hen Ver­spä­t­ungs­zu­schläge.

nach oben