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Steuerberatung

BVerfG zur Einkünftekorrektur bei unbesichertem Konzerndarlehen

Das BVerfG hat der Ver­fas­sungs­be­schwerde ge­gen ein Ur­teil des BFH statt­ge­ge­ben, in dem die­ser eine Einkünf­te­kor­rek­tur der Teil­wert­ab­schrei­bung ei­nes aus­ge­fal­le­nen un­be­si­cher­ten Kon­zern­dar­le­hens nach § 1 Abs. 1 AStG be­jahte, ohne eine Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH ein­zu­ho­len.

Der BFH hatte mit Ur­teil vom 27.02.2019 (Az. I R 73/16, BStBl. II 2019, S. 394) ent­schie­den, dass die Aus­bu­chung ei­nes Dar­le­hens der deut­schen Mut­ter­ge­sell­schaft an eine bel­gi­sche Toch­ter­ge­sell­schaft in 2005 we­gen feh­len­der Be­si­che­rung in vol­ler Höhe der Kor­rek­tur gemäß § 1 Abs. 1 AStG un­ter­liegt. Einen Ver­stoß ge­gen Uni­ons­recht sah der BFH darin nicht. Zwar werde durch § 1 Abs. 1 AStG die Nie­der­las­sungs­frei­heit be­schränkt. Aus der EuGH-Recht­spre­chung er­gebe sich je­doch hin­rei­chend deut­lich - so der BFH -, dass dies zur Wah­rung der aus­ge­wo­ge­nen Auf­tei­lung der Be­steue­rungs­be­fug­nis zwi­schen den Mit­glied­staa­ten ge­recht­fer­tigt sei.

Dem wi­der­spricht das BVerfG mit Be­schluss vom 04.03.2021 (Az. 2 BvR 1161/19). Eine Vor­la­ge­pflicht des BFH an den EuGH habe be­stan­den, da an­ge­sichts der Un­vollständig­keit der Recht­spre­chung des EuGH zu den An­for­de­run­gen der Nie­der­las­sungs­frei­heit nicht of­fen­kun­dig sei, dass bei Hin­gabe ei­nes frem­dunüblich nicht be­si­cher­ten Kon­zern­dar­le­hens eine Be­schränkung der Nie­der­las­sungs­frei­heit in je­dem Fall ge­recht­fer­tigt sei.

In sei­ner Ent­schei­dung macht das BVerfG zu­dem deut­lich, dass es den Ausführun­gen des BFH zu dem im Rah­men des § 1 AStG ge­bo­te­nen Fremd­ver­gleich nicht folgt und des­sen Aus­le­gung ggf. als Ver­stoß ge­gen das Willkürver­bot be­wer­tet. Denn der BFH scheine hier von dem Er­for­der­nis ei­ner Voll­be­si­che­rung aus­zu­ge­hen, ohne dies im Hin­blick auf die übli­che Höhe von Si­cher­hei­ten und mögli­che Wech­sel­wir­kun­gen mit der Höhe des ver­ein­bar­ten Zins­sat­zes zu begründen.

Das BFH-Ur­teil wird da­mit auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren an den BFH zurück­ver­wie­sen.

Hin­weis: Es ist da­mit zu rech­nen, dass der BFH auf­grund die­ses Be­schlus­ses des BVerfG nun seine Rechts­auf­fas­sung zur steu­er­li­chen An­er­ken­nung un­be­si­cher­ter Kon­zern­dar­le­hen an­pas­sen wird. Ent­spre­chende Fälle soll­ten of­fen­ge­hal­ten wer­den, um ggf. auf eine geänderte Recht­spre­chung des BFH rea­gie­ren zu können.

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