de en
Nexia Ebner Stolz

Themen

Limited - in Deutschland aussterbende Spezies?

Vor einigen Jahren erfreute sich die Rechtsform der englischen Limited bei neu zu gründenden Kapitalgesellschaften in Deutschland großer Beliebtheit. Mit dem Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU stehen viele dieser Gesellschaften jedoch rechtlich vor dem Aus!

Was dahin­ter steckt und inwie­weit noch Vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den kön­nen, erläu­tert Dr. Tim Oden­dahl, Experte für Unter­neh­mens­trans­ak­tio­nen.

Dr. Tim Odendahl: Limited - in Deutschland aussterbende Spezies?© Unsplash

Herr Dr. Oden­dahl, der Hype in Deut­sch­land eine Kapi­tal­ge­sell­schaft in der Rechts­form einer eng­li­schen Limi­ted statt einer GmbH zu grün­den, ist sicher­lich seit der Ein­füh­rung der Unter­neh­mer­ge­sell­schaft in 2008 vor­bei. Denn mit die­ser Rechts­form wurde ja der Vor­teil der Limi­ted, mit einem gerin­ge­ren Stamm­ka­pi­tal zu star­ten, letzt­lich in das deut­sche Recht über­nom­men. Ist dann damit die Limi­ted in Deut­sch­land über­haupt noch ein Thema?

Bei Neu­grün­dun­gen war und ist die Limi­ted auch schon vor dem Bre­xit-Beschluss in Großbri­tan­nien sicher­lich kein Thema mehr. Aber es wurde eben in der Ver­gan­gen­heit vie­len Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten diese Rechts­form gege­ben und seit­dem nicht mehr ver­än­dert. Noch immer sind es in Deut­sch­land daher ca. 10.000 Gesell­schaf­ten, die als Limi­ted ope­rie­ren.

Warum ist der Bre­xit für Limi­t­eds in Deut­sch­land ein Pro­b­lem?

Ist eine Limi­ted nach eng­li­schem Recht gegrün­det wor­den, hat aber ihren Ver­wal­tungs­sitz in Deut­sch­land, wird sie aktu­ell in Deut­sch­land als Kapi­tal­ge­sell­schaft aner­kannt, weil EU-Recht die Anwen­dung der sog. Grün­dungs­the­o­rie vor­gibt. Auf­grund der euro­päi­schen Nie­der­las­sungs­f­rei­heit ist danach eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, die zwar ihren Sitz in Deut­sch­land hat, aber nach dem Recht eines ande­ren EU-Mit­g­lied­staats wirk­sam gegrün­det wurde, als Rechts­sub­jekt anzu­er­ken­nen.  

Ent­fällt nun aber diese EU-recht­li­che Grund­lage, ver­liert eine eng­li­sche Limi­ted mit Ver­wal­tungs­sitz in Deut­sch­land den durch die Grün­dungs­the­o­rie gewähr­ten Schutz. Auf die Limi­ted mit Ver­wal­tungs­sitz in Deut­sch­land ist damit deut­sches Gesell­schafts­recht anzu­wen­den. Hier gilt der sog. Nume­rus Clau­sus der Rechts­for­men (GmbH, KG, AG, etc.). Die Limi­ted wird daher so behan­delt, wie die deut­sche Gesell­schafts­form, deren Grün­dungs­vor­aus­set­zun­gen sie erfüllt. Betrieb die Limi­ted im Zeit­punkt des Bre­x­its ein Han­dels­ge­werbe, wird die Limi­ted als OHG behan­delt, andern­falls als GbR. Im Falle einer Ein-Mann-Limi­ted fin­den sogar ledig­lich die Regeln zum Ein­zel­kauf­mann Anwen­dung. In jedem Fall ver­lie­ren die Gesell­schaf­ter die Haf­tungs­be­schrän­kung, die durch die Rechts­form einer Kapi­tal­ge­sell­schaft erreicht wer­den sollte.

Tritt diese Rechts­folge dann bereits mit dem offi­zi­el­len Aus­schei­den des Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reichs mit Ablauf des 31.1.2020 ein?

Da ein ers­tes Aus­tritts­ab­kom­men ver­han­delt wurde und am Mitt­woch, den 29.1.2020 vom euro­päi­schen Par­la­ment rati­fi­ziert wurde, kommt der dort vor­ge­se­hene Über­gangs­zei­traum zum Tra­gen. Das EU-Recht gilt danach im Ver­hält­nis zum Ver­ei­nig­ten Kön­ig­reich noch unve­r­än­dert bis zum 31.12.2020. Damit tritt die erläu­terte Rechts­folge für Limi­t­eds erst zum 1.1.2021 ein, sofern nicht noch von der im Aus­tritts­ab­kom­men vor­ge­se­he­nen Mög­lich­keit einer Ver­län­ge­rung des Über­gangs­zei­traums Gebrauch gemacht wird oder in dem beab­sich­tig­ten wei­te­ren Aus­tritts­ab­kom­men, wel­ches im Über­gangs­zei­traum ver­han­delt wer­den soll, die Aner­ken­nung der Limi­ted in Deut­sch­land (durch Ver­ein­ba­rung der Grün­dungs­the­o­rie) fest­ge­schrie­ben wird.

Was ist nun aber betrof­fe­nen Unter­neh­men zu raten?

Bis zum Ende des Über­gangs­zei­traums ste­hen den Gesell­schaf­tern der Limi­ted noch die grenz­über­sch­rei­ten­den Umwand­lungs­maß­nah­men des EU-Rechts offen. Danach kann die Limi­ted etwa in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft nach deut­schem Recht, also insb. eine GmbH, form­ge­wech­selt wer­den oder mit einer sol­chen Gesell­schaft grenz­über­sch­rei­tend ver­sch­mol­zen wer­den. Zudem wurde spe­zi­ell mit Blick auf den Bre­xit die gesetz­li­chen Grund­la­gen geschaf­fen, dass eine Limi­ted auch mit einer deut­schen Per­so­nen­ge­sell­schaft grenz­über­sch­rei­tend ver­sch­mol­zen wer­den kann, sofern diese in der Regel nicht mehr als 500 Arbeit­neh­mer beschäf­tigt. Hier bie­tet sich ins­be­son­dere eine hier­für neu gegrün­dete GmbH & Co. KG an. Alter­na­tiv kann die Betei­li­gung an der Limi­ted auch auf eine hier­für gegrün­dete (oder beste­hende) deut­sche Kapi­tal­ge­sell­schaft über­tra­gen wer­den, ggf. im Wege der Ein­lage. Im Falle der Bre­xit-beding­ten Anwach­s­ung der Limi­ted auf den Gesell­schaf­ter ist der ursprüng­li­che Gesell­schaf­ter so gegen eine per­sön­li­che Haf­tung geschützt.

Aber wie sieht es denn steu­er­lich aus? Sind dann etwa die im Unter­neh­men ruhen­den Werte auf­zu­de­cken und zu ver­steu­ern?

Das Umwand­lungs­steu­er­ge­setz bie­tet die Mög­lich­keit, die grenz­über­sch­rei­tende Umwand­lung steu­er­neu­tral zu gestal­ten. Auch im Falle der Ein­lage der Anteile in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft im Wege der Sach­ka­pi­ta­l­er­höh­ung erfolgt diese steu­er­neu­tral (was jedoch wohl nicht für die nach­fol­gende Anwach­s­ung gilt).

Lässt man hin­ge­gen den Über­gangs­zei­traum taten­los ver­st­rei­chen und würde die Limi­ted damit durch den Bre­xit auto­ma­tisch zu einer Per­so­nen­ge­sell­schaft oder einem Ein­zel­kauf­mann, droht in der Tat eine Auf­de­ckung der stil­len Reser­ven.

nach oben