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Neue Maßstäbe für die Zusammenfassung von EEG-Anlagen

Nach § 51 Abs. 3 Nr. 1 EEG sind u. a. Wind­en­er­gie-An­la­gen mit ei­ner in­stal­lier­ten Leis­tung von we­ni­ger als 3 MW von § 51 Abs. 1 EEG be­freit. In dem Zu­sam­men­hang würde die fi­nan­zi­elle Förde­rung auch bei ne­ga­ti­ven Strom­prei­sen nicht ent­fal­len.

In dem vom BGH mit Ur­teil vom 14.7.2020 (Az. XIII ZR 12/19) ent­schie­de­nen Fall, han­delt es sich um eine Wind­en­er­gie­an­lage mit ei­ner Leis­tung von 2,2 MW, die ca. 600 m von ei­ner wei­te­ren Wind­an­lage ent­fernt steht. Die An­la­gen sind auf ver­schie­de­nen Grundstücken und von un­ter­schied­li­chen Be­trei­bern in Be­trieb ge­nom­men und spei­sen den ge­ne­rier­ten Strom über einen ge­mein­sa­men Netz­verknüpfungs­punkt ein.  Der ab­rech­nende Netz­be­trei­ber ver­trat die Auf­fas­sung, dass diese An­lage mit ei­ner an­de­ren Wind­an­lage aus dem Wind­park un­ter dem Ge­sichts­punkt der 3 MW-Schwelle zu­sam­men­zu­fas­sen ist, so dass eine Vergütung bei ne­ga­ti­ven Strom­prei­sen entfällt.

Eine Zu­sam­men­fas­sung meh­re­rer An­la­gen ist nach § 24 Abs. 1 EEG zwar grundsätz­lich möglich, hierzu zählt je­doch insb. die Vor­aus­set­zung, dass sich die An­la­gen auf dem­sel­ben Grundstück oder sonst in un­mit­tel­ba­rer räum­li­cher Nähe be­fin­den.

Der BGH stellt in sei­nem Ur­teil auf einen funk­tio­na­len Nähe­be­griff ab.  Ab­gren­zungs­kri­te­rium hier­bei ist die Ver­bin­dung räum­lich be­nach­bar­ter An­la­gen über eine ge­mein­same In­fra­struk­tur­ein­rich­tung vor dem Netz­an­schluss, insb. die ge­mein­same Nut­zung ei­nes Verknüpfungs­punk­tes. Wind­en­er­gie­an­la­gen sind dann zu­sam­men­zu­fas­sen, wenn sie auf einem zu­sam­menhängen­den Areal er­rich­tet wer­den und ge­mein­same tech­ni­sche In­fra­struk­tur, wie bspw. ein ge­mein­sa­mes Um­spann­werk und einen Netz­verknüpfungs­punkt, nut­zen.

Im vor­lie­gen­den Fall be­jahte der BGH die Zu­sam­men­fas­sung, so dass die 3 MW-Grenze über­schrit­ten wurde.

Hinweis

Die von der Clea­ring­stelle EEG/KWKG am 1.9.2020 veröff­ent­lichte Emp­feh­lung 2019/18 - „Ne­ga­tive Strom­preise - An­la­gen­zu­sam­men­fas­sung bei Wind­en­er­gie- und sons­ti­gen An­la­gen“ weicht teil­weise von den Aus­sa­gen im BGH-Ur­teil ab. An­ders als die Emp­feh­lung in Leit­satz 1 Satz 2 hat der BGH ent­schie­den, dass auch Alt­an­la­gen (In­be­trieb­nahme bis zum 31.12.2015) bei der An­la­gen­zu­sam­men­fas­sung zu berück­sich­ti­gen sind.

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