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Zur Anerkennung einer mehrstöckigen Freiberufler-Personengesellschaft

Schleswig-Holsteinisches FG 17.11.2015, 4 K 93/14

Die An­er­ken­nung ei­ner mehrstöcki­gen Frei­be­ruf­ler-Per­so­nen­ge­sell­schaft setzt vor­aus, dass ne­ben den un­mit­tel­bar an der Un­ter­ge­sell­schaft be­tei­lig­ten natürli­chen Per­so­nen alle mit­tel­bar an die­ser Ge­sell­schaft be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ter der Ober­ge­sell­schaft die persönli­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllen.

Der Sach­ver­halt:
Die Kläge­rin war eine KG, an der über eine Hol­ding-KG zwei Ober­ge­sell­schaf­ten be­tei­ligt wa­ren,. De­ren Ge­sell­schaf­ter wa­ren je­weils aus­schließlich Be­rufsträger (Steu­er­be­ra­ter, Rechts­anwälte und Wirt­schaftsprüfer). Die Hol­ding-KG war ne­ben der Kläge­rin an wei­te­ren Un­ter­ge­sell­schaf­ten aus an­de­ren Re­gio­nen be­tei­ligt. An der Kläge­rin und den wei­te­ren Un­ter­ge­sell­schaf­ten war je­weils ein Ober­ge­sell­schaf­ter als Kom­ple­mentär be­tei­ligt, der (nur) dort als Ge­schäftsführer lei­tend und ei­gen­ver­ant­wort­lich tätig wurde.

Sämt­li­che Ober­ge­sell­schaf­ter wa­ren im Kon­zern ak­tiv in der Man­dats­be­ar­bei­tung tätig; da­ne­ben be­stan­den über­re­gio­nale Ar­beits­grup­pen mit un­ter­schied­li­chen Bran­chen­schwer­punk­ten. Die Ober­ge­sell­schaf­ter tra­fen zu­dem Ent­schei­dun­gen über we­sent­li­che Maßnah­men in den Un­ter­ge­sell­schaf­ten. Das Fi­nanz­amt be­han­delte die von der Kläge­rin er­ziel­ten Einkünfte bei der ge­son­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung der Be­steue­rungs­grund­la­gen als Einkünfte aus Ge­wer­be­be­trieb. Mit ih­rer Klage ge­gen den Fest­stel­lungs­be­scheid be­gehrte die Kläge­rin die Fest­stel­lung von Einkünf­ten aus frei­be­ruf­li­cher Tätig­keit.

Das FG wies die Klage ab. Die beim BFH anhängige Re­vi­sion der Kläge­rin wird dort un­ter den Az. III R 7/17 geführt.

Die Gründe:
Die von der Kläge­rin er­ziel­ten Einkünfte sind nach § 15 Abs. 3 Nr. 1, Abs. 1 S. 1 Nr. 2 i.V.m. § 18 Abs. 4 S. 2 EStG in vol­lem Um­fang als ge­werb­li­che Einkünfte an­zu­se­hen. Die Vor­aus­set­zun­gen für die An­er­ken­nung ei­ner mehrstöcki­gen Frei­be­ruf­ler-Per­so­nen­ge­sell­schaft sind vor­lie­gend bei der Kläge­rin nicht erfüllt.

Die An­er­ken­nung setzt vor­aus, dass ne­ben den un­mit­tel­bar an der Un­ter­ge­sell­schaft be­tei­lig­ten natürli­chen Per­so­nen alle mit­tel­bar an die­ser Ge­sell­schaft be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ter der Ober­ge­sell­schaft über die persönli­che Be­rufs­qua­li­fi­ka­tion verfügen und in der Un­ter­ge­sell­schaft zu­min­dest in ge­ringfügi­gem Um­fang lei­tend und ei­gen­ver­ant­wort­lich mit­ar­bei­ten. Die mit­tel­bare ka­pi­ta­lis­ti­sche Be­tei­li­gung ein­zel­ner Ober­ge­sell­schaf­ter ohne Ausübung ei­ner frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit in der Un­ter­ge­sell­schaft reicht da­ge­gen nicht aus, da die für un­mit­tel­bare Be­tei­li­gun­gen gel­ten­den Maßstäbe auch auf mehrstöckige Frei­be­ruf­ler-Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten An­wen­dung fin­den.

Im Streit­fall fehlt es bei der Kläge­rin an ei­ner lei­ten­den und ei­gen­ver­ant­wort­li­chen Tätig­keit sämt­li­cher Ober­ge­sell­schaf­ter. Die frei­be­ruf­li­che Tätig­keit der Kläge­rin wird nicht be­reits da­durch begründet, dass je­der Ober­ge­sell­schaf­ter zu­min­dest in ei­ner an­de­ren Un­ter­ge­sell­schaft als Frei­be­ruf­ler lei­tend und ei­gen­ver­ant­wort­lich tätig ge­wor­den ist, da die frei­be­ruf­li­che Tätig­keit der Ober­ge­sell­schaf­ter in den ein­zel­nen Un­ter­ge­sell­schaf­ten je­weils ge­son­dert zu prüfen ist und eine Zu­rech­nung die­ser Tätig­keit zur Kläge­rin da­mit nicht statt­fin­det.

Eine lei­tende und ei­gen­ver­ant­wort­li­che Tätig­keit der Ober­ge­sell­schaf­ter für die Kläge­rin er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass die Ober­ge­sell­schaf­ter im Rah­men von Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen der Ober­ge­sell­schaf­ten Ent­schei­dun­gen über we­sent­li­che Maßnah­men in den Un­ter­ge­sell­schaf­ten, wie Pra­xis­einkäufe und die Be­stel­lung wei­te­rer Kom­ple­mentäre, ge­trof­fen ha­ben, da es sich hier­bei um ge­schäfts­lei­tende und ko­or­di­nie­rende kaufmänni­sche Tätig­kei­ten der Ober­ge­sell­schaf­ten han­delt, die nicht zur frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG gehören.

Eine Mit­ar­beit sämt­li­cher Ober­ge­sell­schaf­ter bei der Kläge­rin er­gab sich schließlich auch nicht dar­aus, dass in­ner­halb des Kon­zerns über­re­gio­nale Ar­beits­grup­pen mit un­ter­schied­li­chen Bran­chen­schwer­punk­ten be­stan­den, in de­nen u.a. spe­zi­elle Fälle, Fach­fra­gen und Ar­beits­hil­fen er­ar­bei­tet und dis­ku­tiert wur­den.

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